Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Seth’s Blog vom 9.3.14: Entropie, Bürokratie und der Kampf und Großartigkeit

Seth Godin

Ich bin Abonnent von Seth Godins Blog. Seine Beobachtungen und Gedanken zum Thema Marketing und Unternehmensführung finde ich häufig sehr inspirierend. Seine Veröffentlichung vom 9.3.14 hat mir gefallen. Hier der Versuch einer Übersetzung:

Seth Godin
Seth Godin

„Einige Gesetze, die selten gebrochen werden:

Wenn eine Firma Erfolg hat, wächst sie. Wenn sie größer wird, wird dadurch im Durchschnitt die Leidenschaft und Initiative innerhalb dieser Einrichtung geringer. (Je mehr Mitarbeiter sie hat, desto stärker nähert sie sich dem Durchschnitt an. Und dies ist nur ein anderes Wort für Mittelmäßigkeit.)

Mehr Mitarbeiter heißt auch: Mehr formale Kommunikation und einfache Anweisungen, damit eine möglichst gleichartige Ausführung sichergestellt ist. Es wird immer schwieriger  zum einzelnen zu sagen „entscheide nach bestem Wissen und Gewissen“. Man kann sich einfach nicht mehr darauf verlassen, was dabei heraus kommt.

Größer heißt: Mehr Bürokratie, mehr Verwaltung und ein Drang nach Gleichschaltung – und damit weniger Möglichkeiten, Neues auszuprobieren.

Erfolg bringt die Angst mit sich, nicht mehr erfolgreich zu sein. Und wenn man mehr zu verlieren hat, wird der Druck, es nicht zu verlieren immer größer.

Wenn man die bisherigen Punkte zusammenbringt, sieht man: Mit dem Vorankommen eines Unternehmens bringt es jede Entscheidung näher heran an die Fähigkeit zur Durchführung, an Verlässlichkeit, Risikovermeidung und Sicherheit.

Und – am schlimmsten von allem – wie bei der „Stillen Post“ gibt es Übertragungsfehler, Fehler bei der Interpretation von Anweisungen und  „Hintergrundrauschen“. Und diese Abweichungen machen Dinge nicht besser; sie führen zu weiteren Fehlern.

Auch wirklich gute Leute, Menschen mit den besten Absichten, verkümmern in Firmen, die immer mittelmäßiger werden, bei denen Zufallsfehler Sand ins Getriebe streuen und bei denen das Zusammenspiel einfach nicht funktioniert, Chancen vertan werden.

Aber das kann geheilt werden. Zumindest kann man dagegen angehen. Aber es ist ein nie endender Kampf um Großartigkeit.

Großartigkeit kann keine Firmenpolitik, keine Strategie sein. Und man kann sie nicht an Bürokraten delegieren. Aber sie kann etwas sein, an dem Menschen arbeiten können. Sie erzeugt Unruhe. Und manchmal kann man sie erreichen. Man kann sich ihr verpflichten, aber sie ereignet sich nicht.

Es ist nicht einfach sie zu erreichen. Und deshalb gibt es sie selten. Aber es lohnt sich, sie anzustreben.“

Besonders spannend finde ich daran, dass Unternehmen eines anstreben: Die Fähigkeit zur Durchführung, Verlässlichkeit, Risikovermeidung und Sicherheit. Und genau ist das, was Innovation und Weiterentwicklung erschwert, wenn nicht gar verhindert.

Jedoch lebt jedes Unternehmen von der Weiterentwicklung und Innovation. Nur so bleibt es marktfähig, kann sich gegen den Wettbewerb behaupten.

Design Thinking hat hier seine große Chance. Es kann umgehen mit Unsicherheit, offenen Enden, Risiko und unklarem Ausgang. Und es ist inzwischen soweit etabliert, in großen Firmen salonfähig, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass es in Unternehmen eingesetzt wird und so die Kluft zwischen diesen beiden Positionen überwindet.

Wir werden sehen, ob es noch stärker Einzug hält. Ich bin gespannt.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Mega Memory© – Super Gedächtnis

Gregor Staub auf der Bühne
Gregor Staub vor dem Auftritt
Gregor Staub vor dem Auftritt

Ich habe mich bereits mit Mnemo-Techniken beschäftigt. Ich habe ein Seminar besucht. Und es war ganz in Ordnung. Einkaufsliste lernen. Namen lernen. Aber so richtig konnte es mein Interesse nicht wecken.

Zu weit weg von der Praxis. Zu selten, dass man etwas auswendig lernen muss. Meistens geht es bei mir eher darum, Sachverhalte zu verstehen, Hintergründe, Zusammenhänge. Oder Fähigkeiten zu erwerben.

Am Donnerstag, 27.2.14, änderte sich meine Einstellung zu Mnemotechniken. Die Schule hatte eingeladen zu mega memory© mit Gregor Staub. Ich kannte den Mann gar nicht. Angeblich ein Top Act unter den Gedächtnistrainern. Na ja. Wie gesagt: Bisher hatte ich kein besonders großes Interesse an solchen Trainern.

Aber ich muss sagen: Innerhalb kurzer Zeit war ich begeistert. Er ist ein guter Redner. Es machte Spaß ihm zuzuhören, mit ihm „zu arbeiten“. Sehr sympathisch, sein Schweizer Dialekt.

Gregor Staub auf der Bühne
Gregor Staub auf der Bühne

Ja, auch er versuchte zu verzaubern mit „Gedächtnis-Tricks“: „Wir lernen jetzt die letzten zehn amerikanischen Präsidenten.“ „Zehn Namen merken und mit Personen verbinden.“ „Auf Thailändisch bis zehn zählen.“ Aber er schaffte es, dass das ganze Publikum mitmachte. Er schaffte es, dass ich innerhalb von wenigen Minuten Inhalte lernte, die ich sonst in langer Zeit nicht hätte lernen können.

Seine Techniken zeigen wahnsinnig schnelle Ergebnisse. Er hält sich nicht lange auf mit Erklärungen. Er macht. Und wir machen mit. Und er schafft es, dass man – zumindest – das Gefühl hat, man kann diese Techniken auch auf Inhalte, die im Alltag zählen, zu übertragen: Vor einer Veranstaltung Namen in großer Menge auswendig lernen, Vokabeln lernen, einen mentalen Spickzettel für die Schule oder auch für eine Rede anlegen.

Und man hat das Gefühl, dass er weiß, wovon er spricht. Er lässt einen teilhaben an seinen „Tricks“, hat vieles schon ausprobiert, durchdacht und gut vorbereitet. Ja, man muss arbeiten, trainieren, selbst arbeiten. Aber sein Wissen hilft und unterstützt.

Okay, er machte natürlich auch ganz schön Verkaufs-Show. Er verlangte für seinen zweistündigen Auftritt (und vorher für vier Auftritte vor den Schülern) nichts. Klar, dass er versuchte, über den Verkauf seines Programms auf CDs wieder einen Teil seiner Gage hereinzuholen. Aber er machte es sehr witzig und sympathisch.

Ich werde seine Techniken ausprobieren. Und ich werde hier weiter darüber berichten.

Gregor Staub auf der Bühne
Gregor Staub auf der Bühne
Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Mobile Learning – Die Zukunft des Lernens?

Mobile Learning

Wieder einmal geistert ein neuer Begriff durch die Welt: Mobile Learning oder mLearning. In Wikipedia findet man bereits einen Eintrag dazu. Und verschiedene Bildungs-Zeitschriften greifen das Thema auf. Was ist damit gemeint?

Ausnahmsweise ist die Bezeichnung tatsächlich einmal beinahe selbsterklärend. Es geht um mobiles Lernen, Lernen unterwegs. Nachdem SmartPhones inzwischen unsere ständigen Begleiter sind, musste früher oder später jemand auf die Idee kommen, sie auch für das Lernen einzusetzen.

Und die Lernform mittels unserer kleinen, ständigen Begleiter hat durchaus ihre Vorteile. Mit mLearning ist Lernen nicht immer auf einen fest vorgegebenen Rahmen begrenzt. Wenn das Smartphone der Lernpartner ist, kann man auch kleine Pausen zum Lernen nutzen. Warum in dieser Zeit nicht etwas Sinnvolleres tun und lernen? Bisher werden kleine Pausen eher dazu genutzt, Facebook zu checken oder zu twittern.

Beim Mobile Learning kann der Lernende selbst entscheiden, ob er gerade Lust zum Lernen hat. Und Lust als Motivator ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Gelingen von Lernen. Wenn jemand mit einem mobilen Gerät in einer Pause lernt, will er lernen. Also beste Voraussetzungen für einen Lernerfolg.

Kleine Häppchen entsprechen der Aufnahmekapazität

Es geht nicht darum, eine halbe Stunde oder mehr konzentriert zu lernen, sondern um eine kurze Sequenz. Dadurch können allerdings keine großen Themen oder komplexe Zusammenhänge gelernt werden, sondern nur kurze Definitionen, einzelne Wörter oder Wiederholungen von Bekanntem.

Dies entspricht der begrenzten Aufnahmekapazität in diesem Augenblick. Man darf nicht vergessen: Der Lernende befindet sich gerade irgendwo; in der Straßenbahn, am Getränkeautomaten, im Café. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich in einer geeigneten Lernumgebung befindet, ist sehr gering. Andererseits kann gerade das dazu führen, dass Inhalte gut verankert werden, da sie mit ungewöhnlichen Reizen verbunden werden.

Ein weiterer Vorteil dieser Lernform liegt in der potentiellen Häufigkeit. Die Häppchen sind klein, aber sie können häufig, vielleicht sogar relativ regelmäßig „dargereicht“ werden. Auch das befördert wieder das Lernen. „Lieber jeden Tag fünf Minuten, als einmal in der Woche eine Stunde.“ ist eine alte Binsenweisheit, an der durchaus etwas dran ist.

Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos

Dank der sich rasant entwickelnden Technik sind auch die medialen Möglichkeiten von Mobile Learning schier grenzenlos. Die Darstellung beschränkt sich bei Weitem nicht auf Text. Die Inhalte können grafisch ansprechend aufbereitet sein, Bilder, Sounds, Videos beinhalten. Sie können nicht-linear interaktiv sein und Feedback fordern. Und sie können sich auch auf Wunsch selbst in Erinnerung bringen, wenn vorher definierte Bedingungen zutreffen. Das Datum könnte eine solche Bedingung sein, oder die Uhrzeit, ein bestimmtes Geräusch, Aufenthaltsort oder die Lage des Geräts.

Mobile Learning
Mobile Learning

Aber wie alles, hat auch mLearning seine Nachteile. Das Lernen dürfte in der Regel ungezielt von statten gehen. Und, wie oben dargestellt, eignen sich nur wenige Inhalte für diese Lernform. Aber es soll ja auch nur eine zusätzliche Möglichkeit sein, die das eigentliche Lernen ergänzen kann. Und wenn diese Ergänzung Spaß macht, färbt ja vielleicht auch der Spaß auf das „eigentliche Lernen“ ab. Immerhin nutzt es Gewohnheiten, die dem normalen Lernen abgeht.

Allerdings dürfte es derzeit noch schwierig sein, in der Praxis zu beobachten, ob Mobile Learning nun funktioniert, oder nicht. Denn das Angebot ist derzeit noch sehr dünn. Von vielen gehypet, halten sich Softwarehersteller noch sehr zurück. Auf der Learntec 2013 konnte ich gerade mal einen Anbieter ausfindig machen, der eine sinnvolle Lösung im Angebot hat: Ein Plugin für MOODLE, welches dezidierte Inhalte so aufbereitet, dass eine Smartphone-App diese verarbeiten kann.

Eine solche Lösung ist sicher praktikabel. Ob dies allerdings funktionieren wird, da Inhalte nicht speziell für das mobile Lernen erstellt, sondern lediglich konvertiert werden, bleibt abzuwarten. Soll es individueller sein, wird die Produktion sehr aufwändig.

Buhlen um unsere Aufmerksamkeit

Über technische und ökonomische Probleme hinaus gibt es ein weiteres: Sollen neben Werbung und sozialen Medien jetzt auch noch das Lernen und unsere Aufmerksamkeit buhlen? Soll es gar keine Leerlaufzeiten mehr für unser Hirn geben? Nun gut. Wenn es schon so sein soll, ist es sicher sinnvoll, wenigstens zu lernen, statt Facebook und Twitter mit Statusmeldungen zu füttern.

Lasst es uns ausprobieren! Alles, was zum Lernen motivieren kann, ist gefragt!

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

myBlee Education Update

Das neue myBlee
Ich hatte vor einiger Zeit ja die iPad-App „myBlee Education“ besprochen. Inzwischen gibt es ein Update. Prinzipiell hat sich an der Benutzerführung und Optik nichts geändert. Allerdings kamen neue Trainingseinheiten dazu. Außerdem wurde die Schrifterkennung komplett überarbeitet. Die alten Probleme wurden damit beseitigt. Sie funktioniert jetzt sehr gut.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Das nichtthermische Universum – Physik am Samstag

Detektion auf der Erde?
Max-Scheer-Hörsaal
Max-Scheer-Hörsaal

Gestern besuchte ich wieder einmal „Physik am Samstag“, eine Veranstaltung der Uni Würzburg für Interessierte an Physik. Der trockene Titel „Das nichtthermische Universum“ verhieß nichts Gutes. Dr. Felix Spaniers Vortrag war jedoch bei Weitem nicht so trocken wie ich befürchtet hatte; und das obwohl Spanier theoretischer Physiker ist.
Letztlich passierte jedoch wieder das, was meistens bei dieser Art von Vorträgen passiert. Sie beginnen recht einfach, die Redner schaffen es meist, einen leicht verständlichen Einstieg ins Thema zu finden, dem auch Laien einigermaßen leicht folgen können. Am Anfang werden Beispiele gebracht, die den Inhalt mit unserer alltäglichen Erfahrung verknüpfen. Aber dann wird es schnell recht komplex und es fehlen die Beispiele. Hierbei schlug sich Felix Spanier immer noch sehr gut.

Dr. Felix Spanier
Dr. Felix Spanier

Aber dann geschah doch noch, was meistens passiert: Der rote Faden, der Blick für das Ganze geht verloren. So kann ich jetzt ehrlich gesagt, nicht mehr genau erklären, um was es im Vortrag eigentlich ging. Einige Details konnte ich nachvollziehen und verstehen, aber der große Zusammenhang fehlt mir.

Zunächst erklärte er, was Temperatur ist (Bewegung von Atomen/Molekülen). Dann zeigte er, dass unter diesem Aspekt der Weltraum gar nicht so kalt ist, wie wir immer glauben. Später ging er darauf ein, dass jedoch nicht jede Bewegung der kleinsten Teilchen als Temperatur interpretierbar ist, nämlich wenn sie nicht der Maxwellschen Verteilung folgen. Und im Weltall ist genau dies der Fall. Es greifen hier noch andere Effekte. Und somit kann man das Universum nicht als rein thermisch betrachten, eben als „nichtthermisch“. Und dann ging er auf sein Spezialgebiet ein, Beschleunigungseffekte an Schockfronten. An diesen Schockfronten werden einzelne Teilchen dadurch, dass sie mehrfach die Schockfront passieren, über die Maßen beschleunigt.

Temperatur des Weltraums
Temperatur des Weltraums

Wie man an meiner Zusammenfassung sieht: Details wurden mir klar. Der Zusammenhang fehlt. Und dies ist eine Erkenntnis für mich, die sich auf andere Lernsituationen übertragen lässt. Denn ich befürchte, genau dies geschieht viel zu oft in Klassenräumen. Die Vortragenden sollten mehr Kreativität aufzubringen, den großen Rahmen, den Zusammenhang nachvollziebar aufzubereiten, als sich lediglich um die Details zu kümmern.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Online-Workshop bei Adobe

Adobe Create Now Workshop Week
Adobe Create Now Workshop Week
Adobe Create Now Workshop Week

Diese Woche lief bei Adobe die Create Now Workshop Week.

Es war eine interessante Erfahrung für mich, da ich mich bisher an so etwas noch nicht beteiligt hatte. Adobe hat das wieder gewohnt professionell aufgezogen. Nicht nur die technische Seite stimmte, sondern auch die pädagogische.

Selbstverständlich sind fünf Tage (jeweils von 16:00 bis 19:45 Uhr mit Pausen) zu wenig, um wirklich intensiv mit einer solchen Vielzahl von Programmen zu arbeiten (Photoshop, InDesign, Illustrator, Lightroom, Bridge, Premiere, After Effects, Speed Grade, Audition, Edge Animate, Reflow, Edge Code und noch ein paar mehr). Aber man bekam wirklich einen guten Einstieg.

Online Workshop bei Adobe
Online Workshop bei Adobe

Ich war nicht sicher, ob das gut klappt. Aber letztendlich nahm ich an vier der fünf Tage teil. Die feste Uhrzeit half dabei durchaus, mich zu motivieren. Und der Chat parallel zur Videoübertragung war super, um Zwischenfragen zu stellen. Das ist bei reinen Video-Lerneinheiten nicht möglich.

Sollte Adobe so etwas noch einmal anbieten, werde ich wohl wieder dabei sein.

So ein Online-Workshop ist auf jeden Fall eine interessante Variante des Unterrichts; auch wenn sie sicher nicht für alle Lerninhalte geeignet ist.

 

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

myBlee – Lern-App mit Potenzial

myBlee ist eine iPad-App mit schulischen Lerninhalten. Die angebotenen Inhalte reichen von der Vorschule bis zur zehnten Klasse.

Aus welchem Grund schreibe ich über diese App? Ganz einfach: Der Hersteller nahm Kontakt mit mir auf und bat mich darum. Mein erster Impuls war abzulehnen. Aber dann dachte ich: Warum eigentlich nicht? Ich würde deutlich machen, dass der Hersteller „mich beauftragt“ hat. Und ich würde kein Blatt vor den Mund nehmen und meine ehrliche Meinung zu dieser App kundtun.
So. An diesem Punkt stehe ich nun. Eine Programm-Besprechung.

myBlee Startbildschirm
myBlee Startbildschirm

Erster Eindruck

Nach meiner Zusage soll ich mir die App aus dem iTunes-Store herunterladen. Ich erhalte einen Link, um für die nächsten zwei Wochen kostenlosen Zugriff auf alle Lerninhalte zu haben. Also rufe ich als erstes den AppStore auf und gebe „myBlee“ als Suchbegriff ein. Ich bin erstaunt, wie viele Treffer ich erhalte. myBlee Education, Kopfrechnen – myBlee, Schriftlich subtrahieren – myBlee, Längen umrechnen – myBlee, Adjectifs et contraires – myBlee, Recognizing shapes – myBlee, Back to school 2012 – myBlee … insgesamt werden 26 verschiedene Apps aufgelistet. Man weiß gar nicht, für welche man sich entscheiden soll. Die Preise reichen von 89 Cent bis 10,99 €.

Programmvielfalt
Programmvielfalt

Zum Glück hatte ich die Information, dass ich die kostenlose App myBlee Education laden soll. Nach ersten Schritten im Programm sehe ich, dass all die weiteren Programme in ihr enthalten sind. Man kann diese über In-App-Käufe freischalten oder ein zeitlich begrenztes Abonnement abschließen. Mit knapp sechs Euro pro Monat ist man dabei.

Das Abo ist an sich eine interessante Variante. Allerdings erscheint es auf den ersten Blick ein bisschen teuer. Wenn man noch einmal darüber nachdenkt, relativiert sich das. Auch analoge Lernbücher oder -hefte kosten zwischen 7 und 25 €. Wenn man überlegt, wie lange man daran hat, bewegt man sich im gleichen Bereich. Dennoch sollte der Hersteller seine Preisgestaltung überdenken. Ist es wirklich sinnvoll, so viele verschiedene Preise für die unterschiedlichen Module anzusetzen? Aus Verkäufer- oder Herstellersicht mag das durchaus sinnvoll sein. Den Benutzer verwirrt es eher, oder schüchtert ihn gar ein. Ein einheitlicher Preis pro Modul. Ein Abo-Preis. Das wäre eine klare Struktur.

Gesamtkonzept

Nach dem Programmstart befindet man sich zunächst in der Benutzerverwaltung. Hier kann man einen Bilderrahmen festlegen, ein Foto wählen, den Vornamen des Kindes eingeben sowie das Geburtsdatum und die Altersstufe (hm, ich dachte, dies ließe sich aus dem Geburtsdatum errechnen).

Benutzerverwaltung
Benutzerverwaltung

Diese Herangehensweise ist Standard, weder eine besonders herausragende, noch eine mangelhafte Lösung. Ärgerlich sind allerdings ein paar Details: Neben der Sache mit dem Geburtsdatum und dem daraus nicht errechneten Alter ist auch die Ansprache nicht konsequent: Man wird per „du“ aufgefordert, seine Daten einzugeben. Vergisst man, dem Kind einen Namen zu geben, wird man gesiezt: „Fehler. Sie müssen einen Namen angeben!“

Ist dies alles erledigt, gelangt man auch schon direkt in die Übersicht der Lektionen. Hier gleich ein Ärger: Eben hat man die Altersstufe eingegeben, jetzt muss man sie noch einmal auswählen. (Übrigens muss man sie jedes Mal, wenn man sich in die „Bibliothek“ begibt, wieder neu einstellen!) Positiv finde ich ja, dass man sie ändern kann. Aber es wäre einfach gut, wenn sie bereits vorausgewählt wäre.

Klassenstufe wählen
Klassenstufe wählen

Gleich neben diesem Auswahlmenü befindet sich ein zweites für die Sprache. Neben den eigentlichen Inhalten besteht also die Möglichkeit quasi en passant eine fremde Sprache zu üben.

Interessant: In einer anderen Sprache werden teilweise andere Lektionen angeboten. Das macht Sinn, denn wenngleich es im Französischen den Bedeutungsunterschied zwischen Vokalen mit und ohne Akzent gibt, existiert dies im Deutschen eben nicht. Andererseits wird hier deutlich, dass der App-Hersteller in anderen Sprachen als der eigenen (Französisch) inhaltlich noch ein wenig nachlegen muss. In Französisch gibt es Übungen zur Sprache. In Deutsch (noch) nicht. Hier beschränkt sich leider das Angebot bisher auf Mathematik. Ich hoffe, LGM Learning entwickelt hier irgendwann weitere Inhalte.

Einheiten
Einheiten
Längen messen
Längen messen

Das Mathe-Angebot allerdings ist sehr vielfältig. Ich habe es nicht exakt verglichen. Aber ich habe den Eindruck, dass alle wichtigen Bereiche des (Gymnasial)Lehrplans vertreten sind. Leider gibt es keine Differenzierung nach den verschiedenen Schultypen. Auch fällt auf, dass in den höheren Jahrgangsstufen die Themenwahl deutlich dünner ausfällt. myBlee eignet sich somit wohl eher für jüngere Schüler. In höheren Jahrgangsstufen ist es ausschließlich schöne Ergänzung zu klassischen Angeboten.

Textaufgaben
Textaufgaben
Koordinaten
Koordinaten

Wo das digitale Medium gegenüber klassischen sein Potenzial ausspielt, sind die statistischen Auswertungen. So können die Eltern nachverfolgen, wann der Filius (oder die Tochter) welche Übungen absolviert hat. Und man kann sich auch ansehen, in welchen Lektionen welche Ergebnisse (in Prozent) erzielt wurden.

Design

So, nun kann ich mir nicht verkneifen, auch noch ein paar Worte über die Gestaltung zu verlieren. Sie passt gut ins Gesamtbild. Sie ist ganz gut gemacht, weist aber einige Schwächen auf. Sie ist relativ großflächig und übersichtlich, also sicher gut für Kinder geeignet. Wenn ich mir jedoch vorstelle, dass das Programm angeblich auch für Schüler der Jahrgangsstufe 10 sein soll (wenn ich richtig rechne, sprechen wir dann von 16- bis 17-Jährigen), dann ist das Design für diese mit Sicherheit zu grob und zu kindlich. Also entweder sollte das Design anpassbar sein, oder es sollte sich der gewählten Altersklasse automatisch anpassen; oder aber die App sollte sich einfach auf die Jüngeren konzentrieren und gar nicht versuchen, Ältere zu adressieren.

Ein weiteres Detail ist, dass die App ausschließlich für querformatige Benutzung konzipiert ist. Ich persönlich mag immer ganz gerne, wenn man das iPad so einsetzen kann, wie man das möchte. Aber das ist sicher Geschmacksache. Wenn man sich die einzelnen Übungen ansieht, ist sicher das Querformat die sinnvollere Variante.

Falsche Transparenz
Falsche Transparenz

An einigen Stellen sind Objekte in ihrer Bewegung teiltransparent dargestellt. Ich weiß nicht, ob dies technische Hintergründe hat. Es ist auch nicht extrem störend; für mich jedoch einfach eine Unsauberkeit.

Didaktik

Die Didaktik ist sicher die Stärke von myBlee. Auf Nachfrage beim Hersteller sagt man mir, dass ehemalige Lehrer bzw. Pädagogen Teil des Teams sind. Und das merkt man. Jedes Thema beginnt mit Erklärungen, danach soll das Kind üben; erst einfacheres, dann steigert sich die Schwierigkeit. Später gibt es weitere Erklärungen und weitere Übungen.

Basketball
Basketball

Die Erklärungen sind gut verständlich, so dass ein Kind auch ohne Hilfe eines Erwachsenen gut durch kommt. Wenn das Kind beim Üben einen Fehler macht, erhält es erneut eine Erklärung. Das ist dann allerdings eher nervig. Man hat es ja schon einmal gehört. Und die Erklärung erfolgt sehr langsam. Vielleicht wäre es angebracht, die Erklärung überspringen zu können.

Als weiteres Element der Didaktik gibt es Spielchen; zum einen, um Lösungen herbeizuführen, zum anderen als Belohnung. Die Lernspielchen sind ganz nett, aber wenig abwechslungsreich. Die Belohnung beschränkt sich auf Puzzles, deren Teile man durch das Erreichen verschiedener Ziele innerhalb der Lerneinheiten gewinnt. Ganz nett. Aber da wäre sicher noch mehr drin.

Puzzle
Puzzle

Dennoch (zumindest am Anfang) kommen die Spielchen offensichtlich gut bei den Kindern an. Immerhin war mein zehnjähriger Sohn sehr begeistert von myBlee und hat über einen Zeitraum von einer Woche jeden Tag zwischen 15 und 30 Minuten geübt und sich positiv zu den Spielen geäußert.

 

Benutzerführung/Technik

Die Benutzerführung ist insgesamt gut und intuitiv zu gelöst. Allerdings gibt es ein paar Kleinigkeiten, die LGM Learning überdenken sollte. Die Eingabe bei den Lektionen wird durch Berühren des grünen Hakens an der rechten, unteren Ecke des Bildschirms bestätigt. Leider aktiviert man diesen allzu oft unbeabsichtigt. Und dann muss man sich die Erklärung für etwas anhören, was man eigentlich richtig gemacht hat (oder hätte).

Schrifteingabe
Schrifteingabe
Fehler in der Schrifterkennung
Fehler in der Schrifterkennung

Eine Besonderheit des Programmes: Der Benutzer gibt in der Regel seine Ergebnisse nicht per Tastatur ein, sondern schreibt sie auf den Bildschirm. Meist funktioniert die Schrifterkennung auch gut, allerdings hat sie immer wieder Probleme, zwischen „0“ und „6“ zu unterscheiden. Da das Nachzeichnen der Eingabe eher behäbig erfolgt, bestätigt man häufig zu früh mit Drücken des grünen Bestätigungs-Häkchens. Erst zu spät erkennt man, dass myBlee mal wieder eine „6“ anstelle einer „0“ erkannt hat. „Fehler!“ Dies wirkt leicht demotivierend. Hier wünscht man sich dann, dass die Zahlen doch über die Tastatur einzugeben wären (zumindest als alternative Option).

Eine weitere Besonderheit des Programms liegt nicht nur in der Eingabe per Schrift, sondern auch in der Ausgabe per Sprache. Die Computerstimme im Deutschen ist ganz passabel, auch wenn sie bei manchen Worten, wie „Winkelmesser“, eher lustig in der Aussprache ist. Englisch, Französisch und Italienisch habe ich mir nicht angehört; die Spanische Variante ist allerdings eher schwach. Während die deutsche Stimme recht natürlich wirkt, klingt die spanische sehr künstlich.

Bugs

Insgesamt ist die Software anscheinend recht sauber programmiert. Ein paar Bugs gibt es aber natürlich dennoch. (Welche Software ist schon fehlerfrei?

Lustig ist es, wenn Kinder herausfinden, dass man die Bälle beim Lernspiel „Basketball“ nach dem Durchwerfen des Ringes wieder auffangen kann, so dass sie nicht in die Endposition gelangen; so kann man mehrere Bälle auf der Hand halten.

Ein weiterer Fehler: Es kann vorkommen, dass für die Lösung einer Aufgabe zu wenig Stellen vorgesehen sind, so dass man nur eine falsche Lösung abgeben kann, um sich danach dann die Erklärung anzuhören, wie es hätte richtig sein müssen (obwohl man es wusste, aber nicht angeben konnte). Auch dies ist wieder eher demotivierend.

Bei mir stürzte die App mehrfach ab. Da dies meinem Sohn nicht passierte, kann es natürlich auch daran liegen, dass ich für diese Besprechung mehrere Screenshots erstellte. Dennoch sollte sich das der Hersteller noch einmal anschauen.

Fazit

myBlee ist eine schöne und sinnvolle Lern-App, die gut bei den Kindern ankommt und die Inhalte gut vermittelt. Es wäre toll, wenn die Lektionen erweitert würden, so dass nicht nur Mathe angeboten wird. Einige Verbesserungen sind noch möglich. Aber das Niveau ist bereits sehr hoch. Leider auch der Preis.

Der Standard auf dem App-Markt dürfte wohl die Bewertung mit maximal fünf Sternen, Mäusen oder ähnlichen Symbolen sein. Im Rahmen dieser Skala vergebe ich myBlee derzeit vier von fünf Pepsen.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Die Learntec 2013

Die Learntec ist vorbei. An einem der drei Messetage habe ich mir die Leitmesse für professionelle Bildung, Lernen und IT in Karlsruhe angesehen.

Gesamteindruck
Die Reise dorthin war ganz angenehm. Die Zugverbindung nach Karlsruhe ist brauchbar. Lediglich das Messegelände liegt etwas außerhalb. Aber dafür hat der Veranstalter einen gut funktionierenden Bus-Shuttleservice eingerichtet.
Der Veranstaltungsort ist attraktiv; die moderne Architektur mit ihrer hoch gewölbten, holzverkleideten Decke erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Die Aufteilung der Stände ist großzügig und lässt genug Raum zum Gehen, Stehenbleiben und Schauen.
Die gesamte Messe ist in einer einzigen Halle untergebracht. Man schafft es also bequem, alle Aussteller, die man sehen möchte, an einem einzigen Tag zu besuchen – außer man will an vielen Vorträgen des umfangreichen Kongress-Programms teilnehmen.

Aussteller/Themen
Thematisch ist die Learntec sehr vielfältig. Man findet hier so ziemlich aus jedem Bereich der Branche meist mehrere Anbieter. So tummeln sich hier Personal- und Recruiting-Unternehmen neben Anbietern von Lernplattformen, Serious-Games-Unternehmen und Produktionsfirmen von Lernfilmen. Teilweise steht man ein wenig hilflos vor den Ständen, da nicht alle es schaffen, ihr Angebot entsprechend zu präsentieren und auf den Punkt zu bringen. Aber dies ist eher ein generelles Problem von Messen.
Für mich ist der Messebesuch ein erstes Orientieren innerhalb der Branche. Ich komme nicht mit dem Anspruch hierher, die neuesten Entwicklungen der XY-Programme oder neue Tendenzen im Aufbereiten von Lerninhalten zu sehen, sondern möchte mir einen ersten Überblick verschaffen. Und hierfür ist die Messe gut geeignet.
Allerdings bin ich etwas enttäuscht, dass kaum etwas zu Mobile Learning zu finden ist. Aber dies bestätigt meine Einschätzung, dass die Anbieter noch ein bisschen hilflos diesem Thema gegenüberstehen. Lediglich einen konnte ich finden, der ein Modul entwickelt hat, um über MOODLE Inhalte zu schreiben, die dann auf mobile Endgeräte gepostet werden.

Vorträge
Neben den Ausstellern bietet die Messe ein umfassendes Vortrags-Programm in verschiedenen Arealen. Im Bereich Games@Learntec gibt es vieles über Spiele im Zusammenhang mit Lernen zu hören. Im Bildungsforum wird unterschiedlichstes präsentiert, zum einen ein hochkarätiges kostenpflichtiges Programm. Aber auch die kostenlosen Vorträge können sich sehen lassen.

Prof. Dr. Alexander Unger
Zwei der Games@Learntec-Vorträge gefallen mir besonders gut. Zum einen der von Prof. Dr. Alexander Unger, der sich mit dem Thema „Modding“ auseinandersetzt, also dem Modifizieren von bestehenden Spielen. Es geht ihm hier weder um Lernspiele, noch um das Lernen mit Spielen, sondern um eine ganz eigene Form des Lernens. Die Modder schließen sich zu virtuellen Teams zusammen und lernen neben sozialen Kompetenzen, die zur Zusammenarbeit nötig sind, auch Projektmanagementfähigkeiten, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und ähnliches. Einige recherchieren darüber hinaus auch sorgfältigst, um zum Beispiel historisch korrekte Details in Spieleausstattungen unterzubringen. Sie lernen also ganz konkrete Inhalte.
Aber auch den Aspekt, Spiele und andere Programme über YouTube-Videos zu erlernen finde ich spannend. Neben den professionellen Anbietern sind auch hier immer mehr ambitionierte Laien am Werk, die anderen Anwendern helfen und sich sicher auch ein Stück weit selbst verwirklichen wollen: Die neuen Medien lassen sich nicht nur nutzen, sondern bieten auch die Möglichkeit, sich selbst einzubringen. Sie sind modifizierbar und man kann seinen eigenen Ausdruck realisieren.

Martin Nerurkar
Martin Nerurkar von Sharkbomb Studios, Karlsruhe, präsentiert den zweiten spannenden Vortrag. Der Titel ist „Der perfekte Baukasten – Wie kann ich selbst Welten gestalten? Was ist der Reiz?“. Wobei: Er lässt sich eigentlich über das Thema Story Worlds aus. Dieser Begriff kommt aus der Filmindustrie, wo es darum geht, dass eigene „Universen“ ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, bestimmte, am besten gut wiedererkennbare Elemente und eine eigene Optik besitzen.
Dies ist zwar für die Erstellung eines guten Spiels nicht zwingend, aber auf jeden Fall ein vielversprechender Ansatz. Durch eine StoryWorld kann ein Spiel eine zusätzliche Bedeutung erhalten. Auch steigt durch eine ansprechende Story World die Motivation für ein Spiel extrem an. Und damit sind wir wieder in einem ganz spannenden Bereich des Lernens.

Stefan Frädrich
Im dritten Vortrag – diesmal im Bildungsforum – wirbelt Stefan Frädrich, der Erfinder des inneren Schweinehundes „Günter“ durch den Raum. Es geht in dem einstündigen Vortrag allerdings nicht nur um den inneren Schweinehund; vielmehr ist es ein Schweinsgalopp durch die Themen Gewohnheiten, Lernen und Motivation. Seine Aussage: „Lernen ist das Üben mit Herausforderungen!“
Zum Ende fordert Frädrich seine Zuhörer auf, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Denn Lebenszeit misst sich in Ereignissen, nicht in Tagen. Also sollte man versuchen, möglichst viele Ereignisse zu produzieren. Ein toller, motivierender Vortrag. Erstklassig.

Fazit
Alles in allem ist die Learntec eine empfehlenswerte Messe. Ich werde sie wohl auch nächstes Jahr besuchen.