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Learntec 2015 – Doping fürs Gehirn?

Vor wenigen Stunden schloss die Learntec in Karlsruhe ihre Pforten. Drei Tage rund ums Thema Lernen und digitale Medien gehen zu Ende. Was gibt es Neues in der Szene?

Nachdem ich letztes Jahr mit meinem Besuch der Leitmesse für E-Learning und Co. pausierte, wollte ich mich dieses Jahr wieder auf den Stand der Dinge bringen und mich ideen- und motivationsmäßig wieder einmal „dopen“. Aber so richtig erfüllt und inspiriert mache ich mich diesmal nicht auf den Nachhauseweg.

Bereits auf der Hinfahrt lief es alles andere als rund. Es gab Probleme auf der Bahnstrecke und so kam ich mit eineinhalb Stunden Verspätung in Karlsruhe an. Dort klappte dann jedoch alles wie gewohnt bestens. Aus dem Zug raus, in den Shuttlebus rein. Und dort direkt in die Messe. Ein Lob an die Learntec-Organisatoren. Nicht nur der Shuttleservice, auch alles andere läuft reibungslos professionell.

Inhaltlich war es für mich dieses Mal nicht ganz so spannend. In den zwei Jahren hat sich meines Erachtens nicht so viel getan. Viele Aussteller kannte ich bereits vom letzten Mal, teils war ihr Stand sogar an der gleichen Stelle. Nett war mein Messeabschluss, zu dem ich Nicola Appel von Articulate persönlich traf. Wir standen in letzter Zeit über Twitter öfter in Kontakt. Ich finde es immer wieder spannend, wie sich virtuelle und reale Welt miteinander vernetzen und man vom einen in den anderen Raum überwechselt. Ich drücke Articulate die Daumen, die mit ihrem Produkt Storyline 2 Adobes Captivate etwas entgegensetzen; macht einen sehr soliden Eindruck.

Vortrag „Das 3-R-Axiom“
Vortrag „Das 3-R-Axiom“

Die Vorträge fand ich dieses Mal schwächer. Zwei möchte ich jedoch herausheben: Der Vortrag von Michael Gobran im Anwenderforum „Das 3R-Axiom“. Sicher wollte er damit die Produkte und Leistungen seiner Firma Mindsetter AG promoten. Aber dies machte er zugegebenermaßen sehr spannend und unterhaltsam. Und der 3-R-Ansatz lässt sich auch durchaus losgelöst von seinen Produkten umsetzen. Er stellte uns die Botschaft oder das zu Lernende als den Charakter „SAM“ (smart, applicable/anwendbar, memorable/erinnerbar) vor, der dagegen ankämpft, vergessen zu werden. Die drei (plus eins) R sind Reduce, Relate und Reflect (+ Re-Engage). Die Software hilft dabei, diese Reduktion auf wenige Kernaussagen zu vollziehen, versucht durch Fragen die Verbindung, die Relation herzustellen und den Lerner zur Reflexion anzuregen. Und schließlich versucht sie, den Lernenden durch Erinnerungen immer wieder zur Auseinander mit dem Lernstoff zu motivieren.

Vortrag Hirndoping
Vortrag Hirndoping

Der zweite erwähnenswerte Vortrag war der von Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter. Und: Ja. Er trägt tatsächlich drei Doktortitel; und diese in drei unterschiedlichen Feldern (Psychologie, Politik und Medizin). Mir waren seine PowerPoint-Folien zu viel, zu voll, zu schlecht gestaltet und der Vortrag ein vollgepackter Schweinsgalopp durch das Thema „Besser Lernen durch Gehirndoping?“. Ich tat mir echt schwer, eine Sketchnote des Vortrags anzufertigen; teilweise nicht so toll strukturiert, vielfach einfach zu schnell. Aber Herr Tretter ist ein hochintelligenter, interessanter Mensch, der etwas zu sagen hat und da verzeiht man ihm solche Präsentationsform-Schwächen gern. Ja, es gibt Lerndoping. Es birgt Suchtgefahr. Und es ist nicht genau planbar. Der Vortrag war ein schöner analoger Kontrast zu all den digitalen Themen der Learntec.

Learntec: Spinner-Suite
Learntec: Spinner-Suite

Ein Angebot gefiel mir noch besonders gut, auch wenn ich keine Gelegenheit hatte, aktiv teilzunehmen: Die Spinner-Suite. Laut Programm läuft sie bereits zum elften Mal. Das letzte Mal war sie mir nicht aufgefallen. Aber diesmal hatte sie einen guten, auffälligen Platz bekommen. Wie die handgeschriebenen Plakate sagen: „Wir verkaufen nichts. Wir vernetzen Ideen.“ – Und das ganz analog. Barcamp und Speed-Dating-Formate. Spannend.

Learntec: Spinner-Suite
Learntec: Spinner-Suite

Insgesamt fahre ich also doch positiv gestimmt nach Hause. Und werde wohl in spätestens zwei Jahren wieder nach Karlsruhe fahren.

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Die Learntec 2013

Die Learntec ist vorbei. An einem der drei Messetage habe ich mir die Leitmesse für professionelle Bildung, Lernen und IT in Karlsruhe angesehen.

Gesamteindruck
Die Reise dorthin war ganz angenehm. Die Zugverbindung nach Karlsruhe ist brauchbar. Lediglich das Messegelände liegt etwas außerhalb. Aber dafür hat der Veranstalter einen gut funktionierenden Bus-Shuttleservice eingerichtet.
Der Veranstaltungsort ist attraktiv; die moderne Architektur mit ihrer hoch gewölbten, holzverkleideten Decke erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Die Aufteilung der Stände ist großzügig und lässt genug Raum zum Gehen, Stehenbleiben und Schauen.
Die gesamte Messe ist in einer einzigen Halle untergebracht. Man schafft es also bequem, alle Aussteller, die man sehen möchte, an einem einzigen Tag zu besuchen – außer man will an vielen Vorträgen des umfangreichen Kongress-Programms teilnehmen.

Aussteller/Themen
Thematisch ist die Learntec sehr vielfältig. Man findet hier so ziemlich aus jedem Bereich der Branche meist mehrere Anbieter. So tummeln sich hier Personal- und Recruiting-Unternehmen neben Anbietern von Lernplattformen, Serious-Games-Unternehmen und Produktionsfirmen von Lernfilmen. Teilweise steht man ein wenig hilflos vor den Ständen, da nicht alle es schaffen, ihr Angebot entsprechend zu präsentieren und auf den Punkt zu bringen. Aber dies ist eher ein generelles Problem von Messen.
Für mich ist der Messebesuch ein erstes Orientieren innerhalb der Branche. Ich komme nicht mit dem Anspruch hierher, die neuesten Entwicklungen der XY-Programme oder neue Tendenzen im Aufbereiten von Lerninhalten zu sehen, sondern möchte mir einen ersten Überblick verschaffen. Und hierfür ist die Messe gut geeignet.
Allerdings bin ich etwas enttäuscht, dass kaum etwas zu Mobile Learning zu finden ist. Aber dies bestätigt meine Einschätzung, dass die Anbieter noch ein bisschen hilflos diesem Thema gegenüberstehen. Lediglich einen konnte ich finden, der ein Modul entwickelt hat, um über MOODLE Inhalte zu schreiben, die dann auf mobile Endgeräte gepostet werden.

Vorträge
Neben den Ausstellern bietet die Messe ein umfassendes Vortrags-Programm in verschiedenen Arealen. Im Bereich Games@Learntec gibt es vieles über Spiele im Zusammenhang mit Lernen zu hören. Im Bildungsforum wird unterschiedlichstes präsentiert, zum einen ein hochkarätiges kostenpflichtiges Programm. Aber auch die kostenlosen Vorträge können sich sehen lassen.

Prof. Dr. Alexander Unger
Zwei der Games@Learntec-Vorträge gefallen mir besonders gut. Zum einen der von Prof. Dr. Alexander Unger, der sich mit dem Thema „Modding“ auseinandersetzt, also dem Modifizieren von bestehenden Spielen. Es geht ihm hier weder um Lernspiele, noch um das Lernen mit Spielen, sondern um eine ganz eigene Form des Lernens. Die Modder schließen sich zu virtuellen Teams zusammen und lernen neben sozialen Kompetenzen, die zur Zusammenarbeit nötig sind, auch Projektmanagementfähigkeiten, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und ähnliches. Einige recherchieren darüber hinaus auch sorgfältigst, um zum Beispiel historisch korrekte Details in Spieleausstattungen unterzubringen. Sie lernen also ganz konkrete Inhalte.
Aber auch den Aspekt, Spiele und andere Programme über YouTube-Videos zu erlernen finde ich spannend. Neben den professionellen Anbietern sind auch hier immer mehr ambitionierte Laien am Werk, die anderen Anwendern helfen und sich sicher auch ein Stück weit selbst verwirklichen wollen: Die neuen Medien lassen sich nicht nur nutzen, sondern bieten auch die Möglichkeit, sich selbst einzubringen. Sie sind modifizierbar und man kann seinen eigenen Ausdruck realisieren.

Martin Nerurkar
Martin Nerurkar von Sharkbomb Studios, Karlsruhe, präsentiert den zweiten spannenden Vortrag. Der Titel ist „Der perfekte Baukasten – Wie kann ich selbst Welten gestalten? Was ist der Reiz?“. Wobei: Er lässt sich eigentlich über das Thema Story Worlds aus. Dieser Begriff kommt aus der Filmindustrie, wo es darum geht, dass eigene „Universen“ ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, bestimmte, am besten gut wiedererkennbare Elemente und eine eigene Optik besitzen.
Dies ist zwar für die Erstellung eines guten Spiels nicht zwingend, aber auf jeden Fall ein vielversprechender Ansatz. Durch eine StoryWorld kann ein Spiel eine zusätzliche Bedeutung erhalten. Auch steigt durch eine ansprechende Story World die Motivation für ein Spiel extrem an. Und damit sind wir wieder in einem ganz spannenden Bereich des Lernens.

Stefan Frädrich
Im dritten Vortrag – diesmal im Bildungsforum – wirbelt Stefan Frädrich, der Erfinder des inneren Schweinehundes „Günter“ durch den Raum. Es geht in dem einstündigen Vortrag allerdings nicht nur um den inneren Schweinehund; vielmehr ist es ein Schweinsgalopp durch die Themen Gewohnheiten, Lernen und Motivation. Seine Aussage: „Lernen ist das Üben mit Herausforderungen!“
Zum Ende fordert Frädrich seine Zuhörer auf, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Denn Lebenszeit misst sich in Ereignissen, nicht in Tagen. Also sollte man versuchen, möglichst viele Ereignisse zu produzieren. Ein toller, motivierender Vortrag. Erstklassig.

Fazit
Alles in allem ist die Learntec eine empfehlenswerte Messe. Ich werde sie wohl auch nächstes Jahr besuchen.