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Wer Wind sät, soll Wissen ernten

Am besten lernen Schüler aus realen Projekten. Solche zu finden und dann auch noch durchzuführen, ist für Lehrer eine große Herausforderung.

Das Pictorius Berufskolleg in Coesfeld hat nun ein spannendes Projekt zum Thema Windenergie gestartet. Schülerinnen und Schüler entwickeln hierbei neue Ideen für eine nachhaltige Energieversorgung. „Windkraftkunst im Kornfeld“ ist sowohl technologisch als auch künstlerisch-gestalterisch ausgelegt. Die Ergebnisse werden im Rahmen der Regionale 2016 im westlichen Münsterland der Öffentlichkeit präsentiert. Die Installation soll aus möglichst vielen Mikro-Windanlagen bestehen.

Windkraft
Windkraft

An dem ausgeschriebenen Wettbewerb können sich alle Schüler der Region beteiligen. Um eine Chance auf den Sieg zu haben, müssen sich die Schüler Wissen über die Energieerzeugung per Windkraft und Rotorformen erarbeiten. Hierfür ist jedoch nicht nur technisches Wissen und Einfühlsamkeit in Nachhaltigkeit, sondern auch künstlerisches Gespür gefragt. Es sind also alle Motivationsfelder für das Lernen angesprochen.

So können nur alle gewinnen: Die Schüler Kenntnisse, Fähigkeiten und im besten Falle einen Preis. Die Energiewirtschaft neue Erkenntnisse und Ideen. Und die Natur weitere Begeisterte für naturschonende, nachhaltige Projekte.

Derzeit sucht das Projekt Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform www.ecocrowd.de. EcoCrowd ist als Teil der Deutschen Umweltstiftung, der größten und ältesten Bürgerstiftung in der Bundesrepublik, ausschließlich auf nachhaltige Projekte fokussiert.

Für den Erfolg des Projektes ist die Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung.

„Wir gehen davon aus, dass je eher sich junge Menschen mit Möglichkeiten der Technologie und Gestaltung unserer Umwelt aktiv beschäftigen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in Zukunft gemeinsam gute und nachhaltige Lösungen für die Gestaltung unseres Lebensraumes entwickeln lassen.“ – Markus Wengrzik und Herbert Thesing, Projektkoordination am Pictorius Berufskolleg Coesfeld

Die Schülerinnen und Schüler sind für jede Unterstützung dankbar und freuen sich, wenn sich mit Ihrer Hilfe weitere Interessenten finden lassen.

Alle sind herzlich eingeladen die Projektseite zu besuchen.

https://www.ecocrowd.de/en/projects/16578-Windkraftkunst-im-Kornfeld

„Windkraftkunst im Kornfeld“ hat auch eine eigene Facebook-Seite.

https://www.facebook.com/pages/Pictorius-WindKRAFT/806648462718490?fref=ts

So macht Lernen Spaß und verspricht Erfolg (und nicht nur den direkten Lernerfolg). Ich würde mich freuen, wenn das Projekt genügend Spender fände.

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Lernen und Kreativität

Lernen und Kreativität

Unser Verständnis von Lernen hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Viele Aspekte wurden zwar bereits früher erkannt, allerdings werden sie heute differenzierter betrachtet. Zusammenhänge, die vorher lediglich vermutet wurden, werden nun durch die Hirnforschung wissenschaftlich belegt. Sei es der Einfluss von Emotionen auf unser Lernverhalten, oder die Wirkungsweise von Wiederholungen; auch das Thema, wie Wissen eigentlich in uns entsteht. Während man früher eher davon ausging, dass Wissen von einem auf einen anderen übertragen werden könne, indem der Lehrende sie „richtig“ vermittelt, dass also die Aufnahme des Wissens der entscheidende Punkt ist, sind heute die meisten Wissenschaftler davon überzeugt, dass Wissen im Kopf des Lernenden grundsätzlich neu konstruiert werden muss.

Konstruktivismus

Daher entstand auch der Begriff „Konstruktivismus“ im Zusammenhang mit Lernen. Wobei es nicht „den“ Konstruktivismus gibt. Auch hier haben sich inzwischen verschiedene Richtungen herausgebildet. Einen Link auf einen sehr interessanten – wenn auch recht langen – Artikel hierzu habe ich am Ende dieses Beitrags in die Linksammlung aufgenommen.

Gemeinsam ist jedoch den verschiedenen Richtungen, dass neues Wissen nicht einfach aufgenommen werden kann. Es muss mit Bekanntem, mit Vorhandenem in Verbindung gebracht und konstruiert werden. Vera F. Birkenbihl hat hierzu das Bild des Wissensnetzes geprägt, in das sich neue Informationen einhaken und so das Netz erweitern. Die zuvor fremden Informationen werden zu eigenen Informationen, das fremde Wissen zu eigenem. Es wird nicht übertragen, sondern entsteht neu – in ganz eigener Weise.

Was ist Kreativität?

Dieses Neu Entstehen finde ich spannend. Denn neu entstehen, neu schaffen ist ja auch der zentrale Aspekt bei der Kreativität. Jeder von uns hat seine eigene Idee darüber, was Kreativität ist. Und auch die Wissenschaftler sind sich da alles andere als einig. Ich will die unterschiedlichen Interpretationen hier nicht weiter vertiefen.

Am Ende dieses Artikels gibt es zwei Links zu diesem Thema. Der Blog Co&lumbus hat sehr schön verschiedene Definitionen von Kreativität aus den unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen. Und auch der Artikel aus der FAZ zeigt (ebenfalls der Link dazu am Ende des Textes), dass wir weder eine allgemein gültige Definition besitzen, noch die Wissenschaftler genau wissen, was bei der Kreativität in unseren Gehirnen wirklich passiert. Sind wir alle prinzipiell gleich kreativ? Oder gibt es anatomische Unterschiede? Verändert die Kreativität unser Gehirn, oder haben wir unterschiedliche Gehirne, die uns mehr oder weniger kreativ sein lassen?

Design Thinking

Schließlich gibt es auch Trainer, die sagen, dass Kreativität lernbar ist. Es gibt erlernbare Techniken, mit denen jeder kreative Einfälle produzieren kann.

Dass Kreativität und Innovation produzierbar und handhabbar gemacht werden, ist auch der Ausgangspunkt für Design Thinking. Es gibt sogar Ansätze, nach denen Design Thinking für die Erziehung und Bildung nutzbar gemacht werden soll. IDEO entwickelte eigens ein Toolkit („Design Thinking for Educators“), um Erzieher, aber auch Schüler mit dem Thema Design Thinking zusammen zu bringen.

Viele Wissenschaftler sagen, dass unser Gehirn eher in Bildern (und Gefühlen) denkt; und zwar unabhängig vom Lerntyp. Kein Wunder also, dass beim Verstehen, aber auch beim Abspeichern, Methoden, welche mit grafischen Elementen arbeiten, hilfreich sind: Sketchnotes, MindMaps oder die KAWAs und KAGAs von Vera Birkenbihl.

Lernen und Kreativität
Lernen und Kreativität

Und bei diesen Methoden entstehen sofort wieder Assoziationen zur Kreativität. Denn häufig halten wir im Alltag jemanden, der Bilder und Grafiken erstellt, für kreativ. Und es stimmt ja auch: Wenn jemand ein Bild zeichnet, eine Skizze anfertigt, wird er selbst tätig, erschafft etwas. Und erschaffen ist Kreativität. Hilft also Kreativität beim Lernen? Ist Lernen Kreativität?

Interessanterweise scheint dieses Selbstgemachte auch nicht nur demjenigen zu helfen, der es selbst macht. Vergleicht man die hingekritzelten Erklärungen von Jörn Loviscach oder Marius Ebert mit perfekt gemachten Erklärvideos, so haben die handgemachten, nicht perfekten, erdigen, die Nase vorn. Ihre Erklärungen bleiben deutlich besser bei den Betrachtern im Gedächtnis, als die glatten und professionellen Filme. Dieses Selbstgemachte scheint unseren Gehirnen also weitaus mehr zu liegen. Auch scheint es wichtig, den Entstehungsprozess direkt mitverfolgen zu können.

Musik

Ein weiterer Bereich, der immer wieder mit Kreativität assoziiert wird, ist die Musik. Wir halten Musiker und Komponisten für kreative Menschen. Und ich denke, zu recht. Komponisten erschaffen neue Werke, schaffen Neues. Aber auch Musiker. Live gemachte Musik entsteht immer wieder neu, ist immer wieder anders. Sie entsteht im jeweiligen Augenblick. Und ein weiterer wichtiger Faktor: Musik erzeugt unmittelbar Gefühle.

Nun sagt die Hirnforschung, dass das Lernen eines Instrumentes viele positive Auswirkungen auf unser Denkorgan hat. Es erhält ihm die Flexibilität. Es hält unser Gehirn gewissermaßen jünger und denkfähiger. Und das Instrumentlernen hilft uns auch dabei, andere Dinge, die überhaupt nichts mit Musik zu tun haben, besser zu lernen.

Waren unsere Vorfahren also schlauer als wir, weil sie die Verbindung zwischen künstlerischer Ausbildung und (wissenschaftlichem) Wissen förderten? So war es zum Beispiel im Humanismus genauso wichtig, Instrumente und Sprachen zu beherrschen, zeichnen oder malen zu können, wie Kenntnisse in Mathematik, Physik und Geschichte. Dies zieht sich auch durch die englische Erziehung zum Gentleman.

Ich denke jedoch, dass dieses „sich gegenseitig befruchten“ der musischen mit den wissenschaftlichen Fächern eher ein Nebenprodukt war. Vielmehr war es das Nacheifern des antiken Ideals, was die Menschen bewegte. Es war geprägt durch das Menschenbild, das kulturelle Ideal. Und dennoch hat die Beschäftigung mit den musischen Disziplinen sicher beim Begreifen der anderen Disziplinen geholfen. Allerdings betraf diese Form der Bildung auch nur eine relativ kleine, gehobene Schicht. Arbeiter und Bauern konnten sich diesen Luxus nicht leisten; und sollten ihn sich auch gar nicht leisten können.

Kunst und Wissenschaft

In neuerer Zeit versucht man sich wieder daran, Kunst und Wissenschaft zu verbinden, man möchte die Kunst anzapfen und für die Wissenschaft nutzbar machen. Man sieht hier weniger den Aspekt des besseren Lernens, als vielmehr den Nutzen der Kreativität, um Innovationen hervorzubringen. Durchaus legitim. Wenngleich gute Wissenschaftler schon immer sehr kreative Köpfe waren. Wissenschaftler wurden nie dadurch bekannt, dass sie besonders viele Fakten wussten, sondern dadurch, dass sie die Wissenschaft durch neue Gedanken und Ideen voranbrachten, oder gar die Welt veränderten.

Interessant finde ich, dass man trotz all dieser Kenntnisse, dies nicht in dem Bereich nutzt, in dem unser Nachwuchs trainiert wird: In den Schulen. Nicht nur, dass nur ganz selten die Verbindung zwischen künstlerischen und anderen Fächern gesucht wird, um Lernprozesse zu verbessern. Nein. Im Gegenteil. Viele belächeln Musik und Kunst als so genannte weiche Schulfächer und würden diese am liebsten als unnütz und unproduktiv gleich ganz aus dem Lehrplan eliminieren oder sie zumindest als erste opfern, wenn es darum geht zu straffen und Stunden einzusparen. Wahrscheinlich sind aber genau die Eltern, die so etwas fordern, diejenigen, die ihrem Kind schon im Mutterleib Mozart vorgespielt haben, weil sie gehört haben, dass dies die Intelligenz steigert.

Trotz allem gibt es immer wieder vielversprechende Ansätze, bei denen genau diese Verbindung zwischen künstlerischer Betätigung und normaler Lehre gesucht wird. Ein Beispiel mag ein Projekt von Prof. Dr. Ingeborg Schüßler sein, in dem sie mit ihren Studenten die Grundlagen von Pädagogik erarbeitetete, indem sie die Studierenden nicht nur gärtnerisch, sondern auch schriftstellerisch oder malend das Thema von verschiedenen Seiten erarbeiten und reflektieren ließ.

Ich hoffe, dass auch andere diese Ideen aufgreifen, denn ich denke, hierin steckt noch ein riesiges Potential, das vielen helfen könnte, nicht nur leichter, intensiver und nachhaltiger zu lernen, sondern auch spannende, wertvolle Innovationen zu kreieren. Für mich jedenfalls ist diese Verbindung zwischen Kreativität und Lernen spannend. Sie wird mich wohl mein Leben lang begleiten.

Links zum Thema:

Werner Stangl, Lernpsychologe, über die konstruktivistischen Lerntheorien

FAZ-Artikel zum Thema Kreativität

Co&lumbus: Versuch einer Definition von Kreativität

IDEOs Toolkit „Design Thinking for Educators“

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Kursfindungstage in Schweinfurt

Ausschnitt aus Sketchnote
Sketchnote Kursfindungstage in Schweinfurt
Sketchnote Kursfindungstage in Schweinfurt

Gestern beendeten wir auch die Kursfindungstage bei den Wirtschaftsfachwirten in Schweinfurt. Diesmal hatten wir beide Gruppen – Montag und Dienstag die Würzburger, Freitag und Samstag die Schweinfurter – kurz hintereinander. Und wieder konnten wir Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellen.

Die Teilnehmer aus Schweinfurt scheinen zielgerichteter zu sein; aber damit auch gleichzeitig verhafteter in schulischen Strukturen, stärker auf den Abschluss, auf das Zeugnis orientiert. Die Würzburger Teilnehmer scheinen dafür offener zu sein; sie nehmen einen Rat eher an. Aber beide Ausrichtungen haben ihre Qualität.

Es hat – und ich denke, nicht nur uns – wieder viel Spaß gemacht. Und wir konnten wieder einige Denkprozesse in Gang setzen. Das konnte man deutlich spüren.

Inzwischen haben wir die Veranstaltung etwas modifiziert. Bereits in Würzburg, Anfang der Woche, hatten wir mehr Elemente zum Kennenlernen und zur Teambildung integriert, sowie das Thema Lernen und Lernmotivation. In Schweinfurt kamen nun noch spontan Mnemotechniken hinzu. Das hatte gut gepasst.

Es gibt noch so viele Themen, die wir den Teilnehmern vermitteln könnten. Aber die Zeit – und auch die Aufnahmekapazität der Teilnehmer – ist begrenzt. Mehr als einen Anstoß können wir nicht geben. Aber dies haben wir definitiv erreicht.

Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs im Frühjahr.

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Kursfindungstage bei den Wirtschaftsfachwirten

Kursfindungstage Wirtschaftsfachwirte

Die zwei Kursfindungstage beim aktuellen Wirtschaftsfachwirt-Lehrgang sind zu Ende. Es waren wieder zwei sehr intensive Tage für Tom, Dirk und mich. Und ich denke, auch für die Teilnehmer.

Leider darf ich hier keine der Fotos veröffentlichen. Aber wenigstens die Sketchnote, die während der Veranstaltung entstanden ist, lässt ein bisschen was von der Stimmung erahnen.

Sketchnote Kursfindungstage
Sketchnote Kursfindungstage

Die klassischen Kennenlern- und Team-Übungen waren lediglich der sanfte Einstieg, auch wenn gerade das gegenseitigen Kennenlernen den Teilnehmern wichtig war. Was wird da draußen von der Wirtschaft von einem Wirtschaftsfachwirt erwartet? Warum sollte sich ein Personaler ausgerechnet für mich entscheiden? Waren die ersten Fragen, mit denen wir die Teilnehmer konfrontierten.

Beim folgenden Spiel „Wertvoll“ stand dann scheinbar der gemeinsame Spaß im Vordergrund, wenn es für Verwirrung sorgte, dass die Spielregeln am neuen Tisch anders waren, als die des Tisches, von dem man kam. Die Reflexionsrunde schaffte wieder Klarheit.

Nach der Mittagspause ging es dann eher spielerisch weiter. Abschluss des Nachmittags war die Wertschätzungsrunde. Und nicht jeder fühlte sich wohl, wertschätzende Kommentare über andere zu äußern, aber auch zu empfangen. Dies sind wir in unserer Gesellschaft einfach nicht gewohnt.

Zweiter Tag: Ein kurzes Blitzlicht, dann aufteilen auf drei Gruppen: Traumreise und Vision vom erfolgreichen Ausgang. Timeline mit den künftigen, wichtigen Etappen des Kurses. Mini-Assessment-Center: Seenot. Alles Bausteine, die beim Durchhalten helfen können, die zeigen, wie es hoffentlich am Ende sein wird; und dass es wichtig ist, die Herausforderung auch als Gruppe zu meistern.

Verschiedene Denkanstöße zum Thema „Führen“ aus Dirks Pferdecoachings. Und dann noch eine geballte Ladung Begeisterung fürs Lernen: Wie schaffe ich es, die Dinge, die mich begeistern, mit meinem Lernen zu verbinden?

Die Möglichkeit, mit einem Buddy zusammenzuarbeiten; das „Kursbuch“, eine DIN-A-4-Kladde, um alles im Rahmen des Lehrgangs festzuhalten. Zum Schluss noch der Brief an sich selbst, an sein zukünftiges ich. Und eine letzte Feedbackrunde.

Uns hat es Spaß gemacht. Und ich denke, den Teilnehmern auch, wenn ich richtig in den Gesichtern gelesen habe. Aber ich habe dort auch viel Nachdenklichkeit gelesen. Ich hoffe, wir konnten einige hilfreiche Denkanstöße setzen, die unsere Teilnehmer raus aus der Konsumentenhaltung rein in eine Selbstverantwortung bringen.

Dies ist der dritte Kurs, in dem wir die Kursfindungstage durchführten. Beim ersten Lehrgang kommen in den nächsten Wochen die ersten Prüfungsergebnisse zurück. Ich bin gespannt, ob man auch aus diesen eine Veränderung ablesen kann. Am Verhalten der Teilnehmer konnte ich diese Veränderung definitiv schon feststellen.

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Unistudium als Selbstversuch

Ein Skript

Bildungswissenschaft

Ein Studium als Selbstversuch? Ja.

Zunächst einmal: Ich bin wieder Student. Nicht „hauptberuflich“, sondern berufsbegleitend. Seit 1. Oktober 2014 bin ich an der Fernuni Hagen für den Studiengang Bildungswissenschaft eingeschrieben.

Für diejenigen, die den Begriff Bildungswissenschaft nicht so richtig einzuordnen wissen: Im Studium lernen wir, dass sich Ende des 18. Jahrhunderts zunächst die Pädagogik als eigenständige Wissenschaft von der Philosophie emanzipierte. Im 20. Jahrhundert wurde Pädagogik dann vorzugsweise durch „Erziehungswissenschaft“ abgelöst. Wobei Pädagogik rein theoretisch ausgerichtet ist und Erziehungswissenschaft die praktische Anwendung im Fokus hat. Die Bildungswissenschaft schließlich kam in den 1960er Jahren auf und möchte die theoretischen Überlegungen und die praktische Anwendung miteinander vereinen.

Ein Skript
Ein Skript

Warum aber studiere ich noch einmal? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wollte ich noch einmal eine Herausforderung auf mich nehmen. Ich wollte mich weiterentwickeln. Der andere Grund ist: Ich lerne gern. In der letzten Zeit konnte ich mir aber immer spontan aussuchen, was mich interessiert, was ich lernen möchte.

Unseren Teilnehmern in den Fachwirt-Lehrgängen geht es anders. Sie haben sich zwar auch grundsätzlich für ihren Lehrgang entschieden, weil sie das Thema interessiert, vielleicht auch, weil sie die Herausforderung reizt; primär aber, weil sie beruflich vorankommen möchten und glauben, dafür einen öffentlich-rechtlichen Abschluss zu benötigen. Und dann sitzen sie im Kurs – oder oft sitzen sie auch nicht – und können sich nicht zum Lernen aufraffen oder sitzen kurz vor der Prüfung da und versuchen sich alles in kürzester Zeit in die Birne zu hämmern. Und dabei könnte es so einfach sein, immer dabei zu sein, permanent zu lernen und dabei vielleicht noch vernünftige Lerntechniken anzuwenden.

Aber das sagt sich so einfach als Außenstehender. Und genau das wollte ich nicht mehr sein: Ein Außenstehender. Dies ist also mein dritter Grund: Ich wollte in die Rolle des Teilnehmers schlüpfen und am eigenen Leib erfahren, was es heißt, plötzlich wieder den Zwang zu verspüren, Dinge lernen zu müssen, die einen zwar prinzipiell interessieren, jedoch vielleicht nicht gerade in diesem Moment, dieser Intensität oder auf die angebotene Art und Weise.

Das Ziel: Master in eEducation

Für das Studium Bildungswissenschaft habe ich mich entschieden, weil ich auf den Masterstudiengang eEducation aufmerksam wurde. Dieses Angebot klang spannend und die Inhalte könnte ich in meiner Arbeit sicher gut einsetzen. Wir verwenden seit drei Jahren MOODLE als Lernplattform. Das Thema geht jedoch nicht so recht voran. Ich erhoffe mir aus diesem Studium interessante Impulse. Zum anderen bieten wir seit diesem Jahr unseren ersten BlendedLearning-Kurs an. Und auch hierfür wäre ein bisschen zusätzlicher Input nicht schlecht. Was man jedoch aus Büchern, Veröffentlichungen und Veranstaltungen herausziehen kann, reicht mir nicht aus. Ich hätte gern etwas mehr „Fundament“.

Überblick über die Bildungswissenschaft
Überblick über die Bildungswissenschaft

Die Veranstaltung, die ich als erstes zu diesem Thema fand, war mir jedoch schlicht zu teuer. Ich suchte nach alternativen Anbietern und stieß auf die Fernuni Hagen, über die ich schon viel Positives gehört hatte. Und dort war dieser Studiengang deutlich günstiger.

Dort wollte man mich jedoch zum Master-Studiengang nicht zulassen. Mein Design-Diplom zählte hierfür nicht, ich müsse schon einen Bachelor in Bildungswissenschaft oder etwas adäquates nachweisen.
Zunächst ärgerte ich mich etwas darüber. Aber warum eigentlich nicht erst einmal sauber die Grundlagen legen?

Ich informierte mich über den Aufbau des Studiengangs Bildungswissenschaft, über Inhalte etc. Und je intensiver ich mich damit auseinander setzte, desto attraktiver erschien er mir. Diese vorsichtige Tuchfühlung mit dem Thema Bachelorstudium war im Juni. Im Juli besprach ich meine Pläne mit meiner Frau und stellte meine Unterlagen zusammen. Ich schrieb mich ein.

Definition von Wissenschaft
Definition von Wissenschaft

Auch das war bereits eine spannende Erfahrung. Auch hier war ich plötzlich auf der anderen Seite. Nicht mehr derjenige, der den Antrag, die Unterlagen prüft, die Zulassung ausspricht, sondern der Antragsteller.
Sicher. Es ist nicht eins zu eins mit unseren Lehrgängen zu vergleichen. Und dennoch kann ich hier viele Erfahrungen für meine tägliche Arbeit sammeln.

Für mindestens drei Jahre bin ich jetzt also Student. Zumindest, wenn ich durchhalte. Elf Module sind zu absolvieren bis zum Abschluss. Die Empfehlung der Hochschule: Zwei Module pro Semester für Vollzeitstudenten, ein Modul pro Semester für Teilzeitstudenten.

Irgendwie hatte ich mich jedoch vertan. – Auch dies eine interessante Erfahrung: Meist können wir nicht verstehen, warum unseren Teilnehmern solche Fehler unterlaufen. „Ist doch alles ganz leicht und verständlich.“ – Und nun habe ich für dieses Semester zwei Module belegt, also das Pensum eines Vollzeitstudenten. Ein Versehen.
Mal sehen, ob ich das durchhalten kann, oder ob ich doch reduzieren muss. Dann allerdings würde das ganze Studium sechs Jahre dauern. Eine verdammt lange Zeit! Also vielleicht doch mehr ein Akt des Unterbewusstseins als ein Versehen?

Was habe ich bisher gemacht?

So, nun bin ich also wieder Student, bin selbst Teilnehmer. Nun ist es nicht mehr nur graue Theorie, sondern Ernst. Und es läuft alles ein wenig anders, als ich es mir vorgenommen hatte. Ich habe mir einen Arbeitsplatz zuhause eingerichtet. Ich habe einen Lernplan erstellt: 1200 Seiten Skript in 20 Wochen durchzuarbeiten, das macht bei 6 Lerntagen die Woche – der Sonntag soll frei bleiben –, 10 Seiten pro Tag. Das ist doch kein Problem. Mit Schnelllesetechnik sind die flott zu lesen. MindMap jedes Abschnittes anlegen, eine Methode, die meiner Lern- und Arbeitsweise entgegen kommt. Und dann Wiederholungen direkt von Anfang an einbauen. Hierfür habe ich mir einen Lernordner angelegt, mit dem ich mir die Wiederholungen organisiere.

Überblick über das erste Semester
Überblick über das erste Semester

Soweit die Theorie. Aber der Stratege weiß: Ein Schlachtplan funktioniert so lange, bis man auf den ersten Feind trifft. So auch bei diesem Plan.

Die Texte sind trocken, in wissenschaftlicher Sprache und ich habe eben doch nicht so viel, an das ich anknüpfen kann, wie ich dachte. Zumindest nicht auf diesem Niveau. So wird das erste Durcharbeiten eher zur Qual als zur Freude. Und die Schnelllesetechnik nützt mir nicht wirklich. Ja, beim ersten Überfliegen – denn ich weiß: erst einen Überblick verschaffen, mit Fragen an den Text herangehen, und erst dann den Text wirklich durcharbeiten – geht es vielleicht etwas schneller. Dies ist jedoch der kleinste Teil der Lernarbeit.

Speedreading ist nicht die Lösung

Und ich muss das Gelesene zumindest weitgehend verstehen, um es dann so aufzeichnen zu können, dass ich es wieder abrufen kann. Komplizierter Satzbau und Fremdwörter sind da nicht gerade hilfreich.

Erziehung, Bildung, Sozialisation
Erziehung, Bildung, Sozialisation

Also wird die Zeit, die ich mich mit den Texten auseinandersetzen muss, länger als geplant. Und nach den ersten zweieinhalb Stunden habe ich nicht die geplanten zehn Seiten geschafft, sondern lediglich fünf. Ein erster Rückschlag.
Am nächsten Tag ergeht es mir nicht viel besser. Ich kämpfe darum, die gleiche Anzahl an Seiten zu schaffen. An Wiederholung ist gar nicht zu denken. So setzt sich eine Misserfolgs-Spirale in Bewegung. Am nächsten Tag komme ich spät von der Arbeit, habe zuhause Verpflichtungen. Ich kann mich erst spät ans Lernen setzen, bin ausgelaugt. Die zweieinhalb Stunden kann ich nicht einhalten. Also schaffe ich nicht einmal die fünf Seiten der Tage zuvor. Jeder Eintrag in meine Tabelle, in der ich meine Fortschritte erfasse, wird zum Misserfolg.

So vergehen einige Tage, bis ich mich gar nicht mehr aufraffen kann, mich zum Lernen hinzusetzen. Ich beobachte das einige Tage. Bin alarmiert. So schaffe ich sicher erst recht nicht, das nötige Pensum durchzuarbeiten. Was ein bisschen hilft, ist der Kontakt über WhatsApp zu meinen neuen Kommilitoninnen, die ich am „StartItUp“-Treffen im Regionalzentrum in Nürnberg kennengelernt habe.

Dennoch: Ich muss eine Strategie entwickeln, wie ich das Problem angehe. Denn ich will das schaffen.

Motivation-Hacking

Wichtig ist, in Bewegung zu bleiben; dran zu bleiben. So bette ich mein Lernvorhaben in ein Set von weiteren Vorhaben ein. Ich nehme mir also nicht weniger, sondern mehr vor. Aber ich verfolge das Erfüllen all dieser Vorhaben täglich. Ich überlege mir für jedes einzelne, wo mögliche Hemmnisse, Ausreden liegen. Ich portioniere sie so – zumindest anfangs –, dass sie lächerlich klein und einfach sind. Ich kann beinahe in jedem Zustand meine Versprechen einhalten; egal ob wach oder müde, motiviert oder ausgelaugt.

Der Grundbegriff Erziehung – Übersicht
Der Grundbegriff Erziehung – Übersicht

Für mein Lernvorhaben heißt das aktuell, dass ich mir keine Seitenzahl mehr vorgenommen habe, sondern eine Zeit. Lächerlich wenig Zeit. Ich habe mich mir selbst gegenüber verpflichtet, jeden Tag eine viertel Stunde zu lernen. Dafür gibt es keine Ausrede. Selbst wenn ich zum Umfallen müde bin. Das kann ich durchführen. Bin ich nicht müde, habe ich mit dem Mini-Ziel, eine viertel Stunde, vor Augen einen lockeren Einstieg und mache dann vielleicht mehr.
Sicher, das reicht bei weitem nicht aus, um den Stoff in der nötigen Zeit zu bewältigen. Aber ich bin in Bewegung geblieben und ich hole mir Erfolgserlebnisse ab.

Gerade war ich auf Dienstreise. Und dennoch schaffte ich diese viertel Stunde täglich; selbst unterwegs.

Die begonnene Misserfolgs-Spirale wird jetzt zur Erfolgsspirale. Wenn ich einen Erfolg nach dem anderen abhole und feiere, werde ich schon bald die Latte ein Stückchen höher legen. Und weiter aufbauen. Ab nächster Woche erhöhe ich auf eine halbe Stunde.

Perspektivenwechsel

Es ist schon seltsam, wieder auf der anderen Seite zu sitzen. Und ich verstehe meine Teilnehmer jetzt deutlich besser. Ich hoffe, ich kann aus diesem Projekt genug Erkenntnisse ziehen, die ich auch an meine Teilnehmer weitergeben kann. Und ich freue mich darauf, spannende, neue Dinge zu lernen.

Der Grundbegriff Erziehung
Der Grundbegriff Erziehung
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Rehabilitation für die faulen Kreativen

Heute stolperte ich im Magazin „Manager Seminare“ (Dezember 2012) über eine Kurzmeldung, betitelt mit „Produktiver Leerlauf“, in der über ein Experiment des amerikanischen Psychologen Jonathan Schooler berichtet wurde. Das Experiment an der University of California zeigt, dass Denkpausen Kreativität fördern. Im Experiment sollten kreative Ideen für den Einsatz eines Ziegelsteins entwickelt werden. Dann bekam ein Teil der Probanden eine geistig anspruchsvolle Aufgabe, der andere Teil eine rein mechanische Tätigkeit. Danach sollten nochmals Ideen zum Einsatz des Ziegels produziert werden. Die Gruppe mit den einfachen Tätigkeiten schnitt hier um 40 % besser als die Vergleichsgruppe ab.
Ziegelstein Mich beeindruckt gar nicht so sehr das Ergebnis. Es ist klar, dass die eine Gruppe die Möglichkeit hatte „während der Arbeit“ weiter über das Problem nachzudenken, während die anderen Personen all ihre Aufmerksamkeit für die neuen Aufgabenstellungen benötigte. Das eigentlich Erstaunliche ist für mich die Tatsache, dass ein solches Magazin darüber berichtet.
Die Kreativen, also Menschen, die in so genannten kreativen Berufen arbeiten – als ob es viele Berufe gäbe, in den man nicht auf die ein oder andere Weise kreativ wäre –, arbeiten schon immer so: Ideen produzieren, erwas völlig anderes tun und danach wieder zurück an die eigentliche Arbeit. Allerdings haben sie dafür einen schlechten Ruf: Sie arbeiten unstrukturiert, chaotisch, zu seltsamen Zeiten, manchmal gar nicht und dann stürzen sie sich wieder in die Arbeit und finden gar kein Ende.
Bewegen wir uns also langsam in eine Phase, in der Manager und sonstige betriebswirtschaftlich Getriebene erkennen, dass diese Arbeitsweise nicht die schlechteste ist? Ja, für manche Aufgabe sogar nötig ist? Heute ist stärker denn je, und schneller denn je Neues gefragt. Also: Innovationen. Und dafür braucht es nun mal Kreativität.
Ich bin gespannt, was noch alles folgt. Vielleicht werden schon bald die Kreativen bei den „Normalen“ ganz rehabilitiert sein.