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Adaptives E-Learning für alle? INTUITEL

Als registrierter Besucher der Learntec erfuhr ich im Mai von der Abschluss-Konferenz des Projektes INTUITEL am 18. Juni 2015 in Karlsruhe. Und die Beschreibung klang so spannend, dass ich mich anmeldete. Und es war tatsächlich eine kleine, aber feine Veranstaltung.
INTUITEL steht für „Intelligent Tutoring Interface For Technology Enhanced Learning“ und das beschreibt ziemlich genau, um was es hierbei geht. Es handelt sich um eine Software, die als PlugIn bestehende Open-Source-Lernplattformen wie MOODLE oder ILIAS in eine komplette adaptive E-Learning-Umgebung verwandelt.
Über adaptive Lernumgebungen wurde schon viel geschrieben. Aber viele Lösungen gibt es derzeit noch nicht. Und bei diesen wenigen handelt es sich um teure proprietäre Lösungen. Ganz anders INTUITEL. Zum einen lässt es sich, wie schon oben erwähnt, in bestehende Lösungen integrieren. (Sicher, es müssen einige technische Voraussetzungen erfüllt werden. Aber meiner Eins

INTUITEL Conference
INTUITEL Conference

chätzung nach, handelt es sich hierbei um weit verbreitete Standards.) Zum anderen ist es zumindest derzeit noch kostenlos.
Entwickelt wurde es von Mitarbeitern der Fachhochschule Karlsruhe, unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Henning. Finanziert wurde das Projekt durch Europäische Fördergelder.
Ganz so Plug-And-Play funktioniert es dann allerdings doch nicht. Denn die Inhalte, die Contents, müssen sich schon für eine adaptive Lösung eignen. Das heißt, dass die Lerninhalte in kleine Häppchen aufgeteilt sein sollten und möglichst auch unterschiedliche Formate des gleichen Inhalts vorhanden sein sollten (was Inhaltstiefe, didaktische Aufbereitung, aber auch durchaus Medienformat (Text, Audio, Video) betrifft).
Erst dann kann die eigentliche Arbeit im Backend von INTUITEL beginnen. Hier kann man nämlich die Inhalte zu so genannten Learning Paths verknüpfen. Diese Verknüpfung benötigt das System, um sinnvolle Vorschläge unterbreiten zu können. Außerdem werden die einzelnen Komponenten mit Metadaten angereichert.
In der Demoversion arbeitet die Software mit einem Standard-Lerner-Profil. In der Vollversion können hier weitere Einstellungen vorgenommen werden.
In der Praxis sieht das Ganze Setting für den Lerner dann so aus: Er loggt sich ganz normal in seine Lernplattform ein. Er kann dann entweder ganz normal die Contents der Reihe nach, wie sie im System hinterlegt sind, abarbeiten. Oder er navigiert über das INTUITEL-Fenster. Je nach Lernumgebung kann es per Knopfdruck ein- und ausgeblendet werden, oder es ist fest in das Layout der Lernplattform integriert. Die präsentierten Vorschläge sind nicht statisch, sondern werden live produziert und ändern sich durch die Interaktionen. Eben echt adaptiv.
Auch wird nicht nur der eine „richtige“ Vorschlag präsentiert, sondern immer mehrere, unter denen der User auswählen kann. Hier wäre eine kleine Beschreibung sicher noch ganz hilfreich. Aber das System befindet sich ja immer noch in der Entwicklung. Allerdings bekommt man bereits Bewertungen in Form von Sternen (null bis fünf).
Insgesamt ist INTUITEL ein sehr spannender Ansatz, den ich sicher weiter mitverfolgen werde.
Weitere Infos über: Website von INTUITEL

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Learntec 2015 – Doping fürs Gehirn?

Vor wenigen Stunden schloss die Learntec in Karlsruhe ihre Pforten. Drei Tage rund ums Thema Lernen und digitale Medien gehen zu Ende. Was gibt es Neues in der Szene?

Nachdem ich letztes Jahr mit meinem Besuch der Leitmesse für E-Learning und Co. pausierte, wollte ich mich dieses Jahr wieder auf den Stand der Dinge bringen und mich ideen- und motivationsmäßig wieder einmal „dopen“. Aber so richtig erfüllt und inspiriert mache ich mich diesmal nicht auf den Nachhauseweg.

Bereits auf der Hinfahrt lief es alles andere als rund. Es gab Probleme auf der Bahnstrecke und so kam ich mit eineinhalb Stunden Verspätung in Karlsruhe an. Dort klappte dann jedoch alles wie gewohnt bestens. Aus dem Zug raus, in den Shuttlebus rein. Und dort direkt in die Messe. Ein Lob an die Learntec-Organisatoren. Nicht nur der Shuttleservice, auch alles andere läuft reibungslos professionell.

Inhaltlich war es für mich dieses Mal nicht ganz so spannend. In den zwei Jahren hat sich meines Erachtens nicht so viel getan. Viele Aussteller kannte ich bereits vom letzten Mal, teils war ihr Stand sogar an der gleichen Stelle. Nett war mein Messeabschluss, zu dem ich Nicola Appel von Articulate persönlich traf. Wir standen in letzter Zeit über Twitter öfter in Kontakt. Ich finde es immer wieder spannend, wie sich virtuelle und reale Welt miteinander vernetzen und man vom einen in den anderen Raum überwechselt. Ich drücke Articulate die Daumen, die mit ihrem Produkt Storyline 2 Adobes Captivate etwas entgegensetzen; macht einen sehr soliden Eindruck.

Vortrag „Das 3-R-Axiom“
Vortrag „Das 3-R-Axiom“

Die Vorträge fand ich dieses Mal schwächer. Zwei möchte ich jedoch herausheben: Der Vortrag von Michael Gobran im Anwenderforum „Das 3R-Axiom“. Sicher wollte er damit die Produkte und Leistungen seiner Firma Mindsetter AG promoten. Aber dies machte er zugegebenermaßen sehr spannend und unterhaltsam. Und der 3-R-Ansatz lässt sich auch durchaus losgelöst von seinen Produkten umsetzen. Er stellte uns die Botschaft oder das zu Lernende als den Charakter „SAM“ (smart, applicable/anwendbar, memorable/erinnerbar) vor, der dagegen ankämpft, vergessen zu werden. Die drei (plus eins) R sind Reduce, Relate und Reflect (+ Re-Engage). Die Software hilft dabei, diese Reduktion auf wenige Kernaussagen zu vollziehen, versucht durch Fragen die Verbindung, die Relation herzustellen und den Lerner zur Reflexion anzuregen. Und schließlich versucht sie, den Lernenden durch Erinnerungen immer wieder zur Auseinander mit dem Lernstoff zu motivieren.

Vortrag Hirndoping
Vortrag Hirndoping

Der zweite erwähnenswerte Vortrag war der von Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter. Und: Ja. Er trägt tatsächlich drei Doktortitel; und diese in drei unterschiedlichen Feldern (Psychologie, Politik und Medizin). Mir waren seine PowerPoint-Folien zu viel, zu voll, zu schlecht gestaltet und der Vortrag ein vollgepackter Schweinsgalopp durch das Thema „Besser Lernen durch Gehirndoping?“. Ich tat mir echt schwer, eine Sketchnote des Vortrags anzufertigen; teilweise nicht so toll strukturiert, vielfach einfach zu schnell. Aber Herr Tretter ist ein hochintelligenter, interessanter Mensch, der etwas zu sagen hat und da verzeiht man ihm solche Präsentationsform-Schwächen gern. Ja, es gibt Lerndoping. Es birgt Suchtgefahr. Und es ist nicht genau planbar. Der Vortrag war ein schöner analoger Kontrast zu all den digitalen Themen der Learntec.

Learntec: Spinner-Suite
Learntec: Spinner-Suite

Ein Angebot gefiel mir noch besonders gut, auch wenn ich keine Gelegenheit hatte, aktiv teilzunehmen: Die Spinner-Suite. Laut Programm läuft sie bereits zum elften Mal. Das letzte Mal war sie mir nicht aufgefallen. Aber diesmal hatte sie einen guten, auffälligen Platz bekommen. Wie die handgeschriebenen Plakate sagen: „Wir verkaufen nichts. Wir vernetzen Ideen.“ – Und das ganz analog. Barcamp und Speed-Dating-Formate. Spannend.

Learntec: Spinner-Suite
Learntec: Spinner-Suite

Insgesamt fahre ich also doch positiv gestimmt nach Hause. Und werde wohl in spätestens zwei Jahren wieder nach Karlsruhe fahren.

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Mobile Learning – Die Zukunft des Lernens?

Mobile Learning

Wieder einmal geistert ein neuer Begriff durch die Welt: Mobile Learning oder mLearning. In Wikipedia findet man bereits einen Eintrag dazu. Und verschiedene Bildungs-Zeitschriften greifen das Thema auf. Was ist damit gemeint?

Ausnahmsweise ist die Bezeichnung tatsächlich einmal beinahe selbsterklärend. Es geht um mobiles Lernen, Lernen unterwegs. Nachdem SmartPhones inzwischen unsere ständigen Begleiter sind, musste früher oder später jemand auf die Idee kommen, sie auch für das Lernen einzusetzen.

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Und die Lernform mittels unserer kleinen, ständigen Begleiter hat durchaus ihre Vorteile. Mit mLearning ist Lernen nicht immer auf einen fest vorgegebenen Rahmen begrenzt. Wenn das Smartphone der Lernpartner ist, kann man auch kleine Pausen zum Lernen nutzen. Warum in dieser Zeit nicht etwas Sinnvolleres tun und lernen? Bisher werden kleine Pausen eher dazu genutzt, Facebook zu checken oder zu twittern.

Beim Mobile Learning kann der Lernende selbst entscheiden, ob er gerade Lust zum Lernen hat. Und Lust als Motivator ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Gelingen von Lernen. Wenn jemand mit einem mobilen Gerät in einer Pause lernt, will er lernen. Also beste Voraussetzungen für einen Lernerfolg.

Kleine Häppchen entsprechen der Aufnahmekapazität

Es geht nicht darum, eine halbe Stunde oder mehr konzentriert zu lernen, sondern um eine kurze Sequenz. Dadurch können allerdings keine großen Themen oder komplexe Zusammenhänge gelernt werden, sondern nur kurze Definitionen, einzelne Wörter oder Wiederholungen von Bekanntem.

Dies entspricht der begrenzten Aufnahmekapazität in diesem Augenblick. Man darf nicht vergessen: Der Lernende befindet sich gerade irgendwo; in der Straßenbahn, am Getränkeautomaten, im Café. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich in einer geeigneten Lernumgebung befindet, ist sehr gering. Andererseits kann gerade das dazu führen, dass Inhalte gut verankert werden, da sie mit ungewöhnlichen Reizen verbunden werden.

Ein weiterer Vorteil dieser Lernform liegt in der potentiellen Häufigkeit. Die Häppchen sind klein, aber sie können häufig, vielleicht sogar relativ regelmäßig „dargereicht“ werden. Auch das befördert wieder das Lernen. „Lieber jeden Tag fünf Minuten, als einmal in der Woche eine Stunde.“ ist eine alte Binsenweisheit, an der durchaus etwas dran ist.

Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos

Dank der sich rasant entwickelnden Technik sind auch die medialen Möglichkeiten von Mobile Learning schier grenzenlos. Die Darstellung beschränkt sich bei Weitem nicht auf Text. Die Inhalte können grafisch ansprechend aufbereitet sein, Bilder, Sounds, Videos beinhalten. Sie können nicht-linear interaktiv sein und Feedback fordern. Und sie können sich auch auf Wunsch selbst in Erinnerung bringen, wenn vorher definierte Bedingungen zutreffen. Das Datum könnte eine solche Bedingung sein, oder die Uhrzeit, ein bestimmtes Geräusch, Aufenthaltsort oder die Lage des Geräts.

Mobile Learning
Mobile Learning

Aber wie alles, hat auch mLearning seine Nachteile. Das Lernen dürfte in der Regel ungezielt von statten gehen. Und, wie oben dargestellt, eignen sich nur wenige Inhalte für diese Lernform. Aber es soll ja auch nur eine zusätzliche Möglichkeit sein, die das eigentliche Lernen ergänzen kann. Und wenn diese Ergänzung Spaß macht, färbt ja vielleicht auch der Spaß auf das „eigentliche Lernen“ ab. Immerhin nutzt es Gewohnheiten, die dem normalen Lernen abgeht.

Allerdings dürfte es derzeit noch schwierig sein, in der Praxis zu beobachten, ob Mobile Learning nun funktioniert, oder nicht. Denn das Angebot ist derzeit noch sehr dünn. Von vielen gehypet, halten sich Softwarehersteller noch sehr zurück. Auf der Learntec 2013 konnte ich gerade mal einen Anbieter ausfindig machen, der eine sinnvolle Lösung im Angebot hat: Ein Plugin für MOODLE, welches dezidierte Inhalte so aufbereitet, dass eine Smartphone-App diese verarbeiten kann.

Eine solche Lösung ist sicher praktikabel. Ob dies allerdings funktionieren wird, da Inhalte nicht speziell für das mobile Lernen erstellt, sondern lediglich konvertiert werden, bleibt abzuwarten. Soll es individueller sein, wird die Produktion sehr aufwändig.

Buhlen um unsere Aufmerksamkeit

Über technische und ökonomische Probleme hinaus gibt es ein weiteres: Sollen neben Werbung und sozialen Medien jetzt auch noch das Lernen und unsere Aufmerksamkeit buhlen? Soll es gar keine Leerlaufzeiten mehr für unser Hirn geben? Nun gut. Wenn es schon so sein soll, ist es sicher sinnvoll, wenigstens zu lernen, statt Facebook und Twitter mit Statusmeldungen zu füttern.

Lasst es uns ausprobieren! Alles, was zum Lernen motivieren kann, ist gefragt!