Gestern, Mittwoch, 26. November, öffnete im Weiterbildungszentrum der IHK Würzburg – Schweinfurt die Ausstellung „Künstler auf Reisen“ mit einer Vernissage.
Eröffnungsrede
Fünf mainfränkische Künstler stellen ihre Werke aus, deren thematische Klammer „Künstler auf Reisen“ ist: D’oro-thea Emma Göbel (Schweinfurt), Nikolai Lagoida (Ochsenfurt), Elvira Lantenhammer (Schloss Homburg), Andi Schmitt (Randersacker) und Burkhard Schürmann (Hettstadt).
Für mich eine recht schöne Ausstellung mit völlig unterschiedlichen Werken von (sur)realistisch bis abstrakt-konkret, ausdrucksstark-emotional bis nüchtern-sachlich.
Nikolai Lagoida
Aus der Eröffnungsrede der Kuratorin Liane Tau: „Schon von alters her gehört das Reisen zum Leben des bildenden Künstlers. Die zeitgenössischen Künstler wandeln auf den Spuren der frühen Fernreisenden und wie bei diesen bewirken die konkrete Erfahrung fremder Länder und deren Kunstströmungen auch bei ihnen künstlerische Innovationen. Sie bringen gefüllte Skizzenbücher oder lange Fotostrecken mit nach Hause, die dann im Atelier zu Kunstobjekten werden. Die Eindrücke neuer Landschaften, fremder Kulturen und Kunstströmungen sind Inspiration für ihr Schaffen und werden in eine ganz persönliche Bildsprache transformiert.“
Wer kunstinteressiert ist und die Gelegenheit hat, die Räume der IHK Würzburg – Schweinfurt zu besuchen, sollte sie nutzen. Es lohnt sich. Die Ausstellung läuft bis Ende Januar 2015.
Unser Verständnis von Lernen hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Viele Aspekte wurden zwar bereits früher erkannt, allerdings werden sie heute differenzierter betrachtet. Zusammenhänge, die vorher lediglich vermutet wurden, werden nun durch die Hirnforschung wissenschaftlich belegt. Sei es der Einfluss von Emotionen auf unser Lernverhalten, oder die Wirkungsweise von Wiederholungen; auch das Thema, wie Wissen eigentlich in uns entsteht. Während man früher eher davon ausging, dass Wissen von einem auf einen anderen übertragen werden könne, indem der Lehrende sie „richtig“ vermittelt, dass also die Aufnahme des Wissens der entscheidende Punkt ist, sind heute die meisten Wissenschaftler davon überzeugt, dass Wissen im Kopf des Lernenden grundsätzlich neu konstruiert werden muss.
Konstruktivismus
Daher entstand auch der Begriff „Konstruktivismus“ im Zusammenhang mit Lernen. Wobei es nicht „den“ Konstruktivismus gibt. Auch hier haben sich inzwischen verschiedene Richtungen herausgebildet. Einen Link auf einen sehr interessanten – wenn auch recht langen – Artikel hierzu habe ich am Ende dieses Beitrags in die Linksammlung aufgenommen.
Gemeinsam ist jedoch den verschiedenen Richtungen, dass neues Wissen nicht einfach aufgenommen werden kann. Es muss mit Bekanntem, mit Vorhandenem in Verbindung gebracht und konstruiert werden. Vera F. Birkenbihl hat hierzu das Bild des Wissensnetzes geprägt, in das sich neue Informationen einhaken und so das Netz erweitern. Die zuvor fremden Informationen werden zu eigenen Informationen, das fremde Wissen zu eigenem. Es wird nicht übertragen, sondern entsteht neu – in ganz eigener Weise.
Was ist Kreativität?
Dieses Neu Entstehen finde ich spannend. Denn neu entstehen, neu schaffen ist ja auch der zentrale Aspekt bei der Kreativität. Jeder von uns hat seine eigene Idee darüber, was Kreativität ist. Und auch die Wissenschaftler sind sich da alles andere als einig. Ich will die unterschiedlichen Interpretationen hier nicht weiter vertiefen.
Am Ende dieses Artikels gibt es zwei Links zu diesem Thema. Der Blog Co&lumbus hat sehr schön verschiedene Definitionen von Kreativität aus den unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen. Und auch der Artikel aus der FAZ zeigt (ebenfalls der Link dazu am Ende des Textes), dass wir weder eine allgemein gültige Definition besitzen, noch die Wissenschaftler genau wissen, was bei der Kreativität in unseren Gehirnen wirklich passiert. Sind wir alle prinzipiell gleich kreativ? Oder gibt es anatomische Unterschiede? Verändert die Kreativität unser Gehirn, oder haben wir unterschiedliche Gehirne, die uns mehr oder weniger kreativ sein lassen?
Design Thinking
Schließlich gibt es auch Trainer, die sagen, dass Kreativität lernbar ist. Es gibt erlernbare Techniken, mit denen jeder kreative Einfälle produzieren kann.
Dass Kreativität und Innovation produzierbar und handhabbar gemacht werden, ist auch der Ausgangspunkt für Design Thinking. Es gibt sogar Ansätze, nach denen Design Thinking für die Erziehung und Bildung nutzbar gemacht werden soll. IDEO entwickelte eigens ein Toolkit („Design Thinking for Educators“), um Erzieher, aber auch Schüler mit dem Thema Design Thinking zusammen zu bringen.
Viele Wissenschaftler sagen, dass unser Gehirn eher in Bildern (und Gefühlen) denkt; und zwar unabhängig vom Lerntyp. Kein Wunder also, dass beim Verstehen, aber auch beim Abspeichern, Methoden, welche mit grafischen Elementen arbeiten, hilfreich sind: Sketchnotes, MindMaps oder die KAWAs und KAGAs von Vera Birkenbihl.
Lernen und Kreativität
Und bei diesen Methoden entstehen sofort wieder Assoziationen zur Kreativität. Denn häufig halten wir im Alltag jemanden, der Bilder und Grafiken erstellt, für kreativ. Und es stimmt ja auch: Wenn jemand ein Bild zeichnet, eine Skizze anfertigt, wird er selbst tätig, erschafft etwas. Und erschaffen ist Kreativität. Hilft also Kreativität beim Lernen? Ist Lernen Kreativität?
Interessanterweise scheint dieses Selbstgemachte auch nicht nur demjenigen zu helfen, der es selbst macht. Vergleicht man die hingekritzelten Erklärungen von Jörn Loviscach oder Marius Ebert mit perfekt gemachten Erklärvideos, so haben die handgemachten, nicht perfekten, erdigen, die Nase vorn. Ihre Erklärungen bleiben deutlich besser bei den Betrachtern im Gedächtnis, als die glatten und professionellen Filme. Dieses Selbstgemachte scheint unseren Gehirnen also weitaus mehr zu liegen. Auch scheint es wichtig, den Entstehungsprozess direkt mitverfolgen zu können.
Musik
Ein weiterer Bereich, der immer wieder mit Kreativität assoziiert wird, ist die Musik. Wir halten Musiker und Komponisten für kreative Menschen. Und ich denke, zu recht. Komponisten erschaffen neue Werke, schaffen Neues. Aber auch Musiker. Live gemachte Musik entsteht immer wieder neu, ist immer wieder anders. Sie entsteht im jeweiligen Augenblick. Und ein weiterer wichtiger Faktor: Musik erzeugt unmittelbar Gefühle.
Nun sagt die Hirnforschung, dass das Lernen eines Instrumentes viele positive Auswirkungen auf unser Denkorgan hat. Es erhält ihm die Flexibilität. Es hält unser Gehirn gewissermaßen jünger und denkfähiger. Und das Instrumentlernen hilft uns auch dabei, andere Dinge, die überhaupt nichts mit Musik zu tun haben, besser zu lernen.
Waren unsere Vorfahren also schlauer als wir, weil sie die Verbindung zwischen künstlerischer Ausbildung und (wissenschaftlichem) Wissen förderten? So war es zum Beispiel im Humanismus genauso wichtig, Instrumente und Sprachen zu beherrschen, zeichnen oder malen zu können, wie Kenntnisse in Mathematik, Physik und Geschichte. Dies zieht sich auch durch die englische Erziehung zum Gentleman.
Ich denke jedoch, dass dieses „sich gegenseitig befruchten“ der musischen mit den wissenschaftlichen Fächern eher ein Nebenprodukt war. Vielmehr war es das Nacheifern des antiken Ideals, was die Menschen bewegte. Es war geprägt durch das Menschenbild, das kulturelle Ideal. Und dennoch hat die Beschäftigung mit den musischen Disziplinen sicher beim Begreifen der anderen Disziplinen geholfen. Allerdings betraf diese Form der Bildung auch nur eine relativ kleine, gehobene Schicht. Arbeiter und Bauern konnten sich diesen Luxus nicht leisten; und sollten ihn sich auch gar nicht leisten können.
Kunst und Wissenschaft
In neuerer Zeit versucht man sich wieder daran, Kunst und Wissenschaft zu verbinden, man möchte die Kunst anzapfen und für die Wissenschaft nutzbar machen. Man sieht hier weniger den Aspekt des besseren Lernens, als vielmehr den Nutzen der Kreativität, um Innovationen hervorzubringen. Durchaus legitim. Wenngleich gute Wissenschaftler schon immer sehr kreative Köpfe waren. Wissenschaftler wurden nie dadurch bekannt, dass sie besonders viele Fakten wussten, sondern dadurch, dass sie die Wissenschaft durch neue Gedanken und Ideen voranbrachten, oder gar die Welt veränderten.
Interessant finde ich, dass man trotz all dieser Kenntnisse, dies nicht in dem Bereich nutzt, in dem unser Nachwuchs trainiert wird: In den Schulen. Nicht nur, dass nur ganz selten die Verbindung zwischen künstlerischen und anderen Fächern gesucht wird, um Lernprozesse zu verbessern. Nein. Im Gegenteil. Viele belächeln Musik und Kunst als so genannte weiche Schulfächer und würden diese am liebsten als unnütz und unproduktiv gleich ganz aus dem Lehrplan eliminieren oder sie zumindest als erste opfern, wenn es darum geht zu straffen und Stunden einzusparen. Wahrscheinlich sind aber genau die Eltern, die so etwas fordern, diejenigen, die ihrem Kind schon im Mutterleib Mozart vorgespielt haben, weil sie gehört haben, dass dies die Intelligenz steigert.
Trotz allem gibt es immer wieder vielversprechende Ansätze, bei denen genau diese Verbindung zwischen künstlerischer Betätigung und normaler Lehre gesucht wird. Ein Beispiel mag ein Projekt von Prof. Dr. Ingeborg Schüßler sein, in dem sie mit ihren Studenten die Grundlagen von Pädagogik erarbeitetete, indem sie die Studierenden nicht nur gärtnerisch, sondern auch schriftstellerisch oder malend das Thema von verschiedenen Seiten erarbeiten und reflektieren ließ.
Ich hoffe, dass auch andere diese Ideen aufgreifen, denn ich denke, hierin steckt noch ein riesiges Potential, das vielen helfen könnte, nicht nur leichter, intensiver und nachhaltiger zu lernen, sondern auch spannende, wertvolle Innovationen zu kreieren. Für mich jedenfalls ist diese Verbindung zwischen Kreativität und Lernen spannend. Sie wird mich wohl mein Leben lang begleiten.
Gestern beendeten wir auch die Kursfindungstage bei den Wirtschaftsfachwirten in Schweinfurt. Diesmal hatten wir beide Gruppen – Montag und Dienstag die Würzburger, Freitag und Samstag die Schweinfurter – kurz hintereinander. Und wieder konnten wir Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellen.
Die Teilnehmer aus Schweinfurt scheinen zielgerichteter zu sein; aber damit auch gleichzeitig verhafteter in schulischen Strukturen, stärker auf den Abschluss, auf das Zeugnis orientiert. Die Würzburger Teilnehmer scheinen dafür offener zu sein; sie nehmen einen Rat eher an. Aber beide Ausrichtungen haben ihre Qualität.
Es hat – und ich denke, nicht nur uns – wieder viel Spaß gemacht. Und wir konnten wieder einige Denkprozesse in Gang setzen. Das konnte man deutlich spüren.
Inzwischen haben wir die Veranstaltung etwas modifiziert. Bereits in Würzburg, Anfang der Woche, hatten wir mehr Elemente zum Kennenlernen und zur Teambildung integriert, sowie das Thema Lernen und Lernmotivation. In Schweinfurt kamen nun noch spontan Mnemotechniken hinzu. Das hatte gut gepasst.
Es gibt noch so viele Themen, die wir den Teilnehmern vermitteln könnten. Aber die Zeit – und auch die Aufnahmekapazität der Teilnehmer – ist begrenzt. Mehr als einen Anstoß können wir nicht geben. Aber dies haben wir definitiv erreicht.
Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs im Frühjahr.
Die zwei Kursfindungstage beim aktuellen Wirtschaftsfachwirt-Lehrgang sind zu Ende. Es waren wieder zwei sehr intensive Tage für Tom, Dirk und mich. Und ich denke, auch für die Teilnehmer.
Leider darf ich hier keine der Fotos veröffentlichen. Aber wenigstens die Sketchnote, die während der Veranstaltung entstanden ist, lässt ein bisschen was von der Stimmung erahnen.
Sketchnote Kursfindungstage
Die klassischen Kennenlern- und Team-Übungen waren lediglich der sanfte Einstieg, auch wenn gerade das gegenseitigen Kennenlernen den Teilnehmern wichtig war. Was wird da draußen von der Wirtschaft von einem Wirtschaftsfachwirt erwartet? Warum sollte sich ein Personaler ausgerechnet für mich entscheiden? Waren die ersten Fragen, mit denen wir die Teilnehmer konfrontierten.
Beim folgenden Spiel „Wertvoll“ stand dann scheinbar der gemeinsame Spaß im Vordergrund, wenn es für Verwirrung sorgte, dass die Spielregeln am neuen Tisch anders waren, als die des Tisches, von dem man kam. Die Reflexionsrunde schaffte wieder Klarheit.
Nach der Mittagspause ging es dann eher spielerisch weiter. Abschluss des Nachmittags war die Wertschätzungsrunde. Und nicht jeder fühlte sich wohl, wertschätzende Kommentare über andere zu äußern, aber auch zu empfangen. Dies sind wir in unserer Gesellschaft einfach nicht gewohnt.
Zweiter Tag: Ein kurzes Blitzlicht, dann aufteilen auf drei Gruppen: Traumreise und Vision vom erfolgreichen Ausgang. Timeline mit den künftigen, wichtigen Etappen des Kurses. Mini-Assessment-Center: Seenot. Alles Bausteine, die beim Durchhalten helfen können, die zeigen, wie es hoffentlich am Ende sein wird; und dass es wichtig ist, die Herausforderung auch als Gruppe zu meistern.
Verschiedene Denkanstöße zum Thema „Führen“ aus Dirks Pferdecoachings. Und dann noch eine geballte Ladung Begeisterung fürs Lernen: Wie schaffe ich es, die Dinge, die mich begeistern, mit meinem Lernen zu verbinden?
Die Möglichkeit, mit einem Buddy zusammenzuarbeiten; das „Kursbuch“, eine DIN-A-4-Kladde, um alles im Rahmen des Lehrgangs festzuhalten. Zum Schluss noch der Brief an sich selbst, an sein zukünftiges ich. Und eine letzte Feedbackrunde.
Uns hat es Spaß gemacht. Und ich denke, den Teilnehmern auch, wenn ich richtig in den Gesichtern gelesen habe. Aber ich habe dort auch viel Nachdenklichkeit gelesen. Ich hoffe, wir konnten einige hilfreiche Denkanstöße setzen, die unsere Teilnehmer raus aus der Konsumentenhaltung rein in eine Selbstverantwortung bringen.
Dies ist der dritte Kurs, in dem wir die Kursfindungstage durchführten. Beim ersten Lehrgang kommen in den nächsten Wochen die ersten Prüfungsergebnisse zurück. Ich bin gespannt, ob man auch aus diesen eine Veränderung ablesen kann. Am Verhalten der Teilnehmer konnte ich diese Veränderung definitiv schon feststellen.
Zunächst einmal: Ich bin wieder Student. Nicht „hauptberuflich“, sondern berufsbegleitend. Seit 1. Oktober 2014 bin ich an der Fernuni Hagen für den Studiengang Bildungswissenschaft eingeschrieben.
Für diejenigen, die den Begriff Bildungswissenschaft nicht so richtig einzuordnen wissen: Im Studium lernen wir, dass sich Ende des 18. Jahrhunderts zunächst die Pädagogik als eigenständige Wissenschaft von der Philosophie emanzipierte. Im 20. Jahrhundert wurde Pädagogik dann vorzugsweise durch „Erziehungswissenschaft“ abgelöst. Wobei Pädagogik rein theoretisch ausgerichtet ist und Erziehungswissenschaft die praktische Anwendung im Fokus hat. Die Bildungswissenschaft schließlich kam in den 1960er Jahren auf und möchte die theoretischen Überlegungen und die praktische Anwendung miteinander vereinen.
Ein Skript
Warum aber studiere ich noch einmal? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wollte ich noch einmal eine Herausforderung auf mich nehmen. Ich wollte mich weiterentwickeln. Der andere Grund ist: Ich lerne gern. In der letzten Zeit konnte ich mir aber immer spontan aussuchen, was mich interessiert, was ich lernen möchte.
Unseren Teilnehmern in den Fachwirt-Lehrgängen geht es anders. Sie haben sich zwar auch grundsätzlich für ihren Lehrgang entschieden, weil sie das Thema interessiert, vielleicht auch, weil sie die Herausforderung reizt; primär aber, weil sie beruflich vorankommen möchten und glauben, dafür einen öffentlich-rechtlichen Abschluss zu benötigen. Und dann sitzen sie im Kurs – oder oft sitzen sie auch nicht – und können sich nicht zum Lernen aufraffen oder sitzen kurz vor der Prüfung da und versuchen sich alles in kürzester Zeit in die Birne zu hämmern. Und dabei könnte es so einfach sein, immer dabei zu sein, permanent zu lernen und dabei vielleicht noch vernünftige Lerntechniken anzuwenden.
Aber das sagt sich so einfach als Außenstehender. Und genau das wollte ich nicht mehr sein: Ein Außenstehender. Dies ist also mein dritter Grund: Ich wollte in die Rolle des Teilnehmers schlüpfen und am eigenen Leib erfahren, was es heißt, plötzlich wieder den Zwang zu verspüren, Dinge lernen zu müssen, die einen zwar prinzipiell interessieren, jedoch vielleicht nicht gerade in diesem Moment, dieser Intensität oder auf die angebotene Art und Weise.
Das Ziel: Master in eEducation
Für das Studium Bildungswissenschaft habe ich mich entschieden, weil ich auf den Masterstudiengang eEducation aufmerksam wurde. Dieses Angebot klang spannend und die Inhalte könnte ich in meiner Arbeit sicher gut einsetzen. Wir verwenden seit drei Jahren MOODLE als Lernplattform. Das Thema geht jedoch nicht so recht voran. Ich erhoffe mir aus diesem Studium interessante Impulse. Zum anderen bieten wir seit diesem Jahr unseren ersten BlendedLearning-Kurs an. Und auch hierfür wäre ein bisschen zusätzlicher Input nicht schlecht. Was man jedoch aus Büchern, Veröffentlichungen und Veranstaltungen herausziehen kann, reicht mir nicht aus. Ich hätte gern etwas mehr „Fundament“.
Überblick über die Bildungswissenschaft
Die Veranstaltung, die ich als erstes zu diesem Thema fand, war mir jedoch schlicht zu teuer. Ich suchte nach alternativen Anbietern und stieß auf die Fernuni Hagen, über die ich schon viel Positives gehört hatte. Und dort war dieser Studiengang deutlich günstiger.
Dort wollte man mich jedoch zum Master-Studiengang nicht zulassen. Mein Design-Diplom zählte hierfür nicht, ich müsse schon einen Bachelor in Bildungswissenschaft oder etwas adäquates nachweisen.
Zunächst ärgerte ich mich etwas darüber. Aber warum eigentlich nicht erst einmal sauber die Grundlagen legen?
Ich informierte mich über den Aufbau des Studiengangs Bildungswissenschaft, über Inhalte etc. Und je intensiver ich mich damit auseinander setzte, desto attraktiver erschien er mir. Diese vorsichtige Tuchfühlung mit dem Thema Bachelorstudium war im Juni. Im Juli besprach ich meine Pläne mit meiner Frau und stellte meine Unterlagen zusammen. Ich schrieb mich ein.
Definition von Wissenschaft
Auch das war bereits eine spannende Erfahrung. Auch hier war ich plötzlich auf der anderen Seite. Nicht mehr derjenige, der den Antrag, die Unterlagen prüft, die Zulassung ausspricht, sondern der Antragsteller.
Sicher. Es ist nicht eins zu eins mit unseren Lehrgängen zu vergleichen. Und dennoch kann ich hier viele Erfahrungen für meine tägliche Arbeit sammeln.
Für mindestens drei Jahre bin ich jetzt also Student. Zumindest, wenn ich durchhalte. Elf Module sind zu absolvieren bis zum Abschluss. Die Empfehlung der Hochschule: Zwei Module pro Semester für Vollzeitstudenten, ein Modul pro Semester für Teilzeitstudenten.
Irgendwie hatte ich mich jedoch vertan. – Auch dies eine interessante Erfahrung: Meist können wir nicht verstehen, warum unseren Teilnehmern solche Fehler unterlaufen. „Ist doch alles ganz leicht und verständlich.“ – Und nun habe ich für dieses Semester zwei Module belegt, also das Pensum eines Vollzeitstudenten. Ein Versehen.
Mal sehen, ob ich das durchhalten kann, oder ob ich doch reduzieren muss. Dann allerdings würde das ganze Studium sechs Jahre dauern. Eine verdammt lange Zeit! Also vielleicht doch mehr ein Akt des Unterbewusstseins als ein Versehen?
Was habe ich bisher gemacht?
So, nun bin ich also wieder Student, bin selbst Teilnehmer. Nun ist es nicht mehr nur graue Theorie, sondern Ernst. Und es läuft alles ein wenig anders, als ich es mir vorgenommen hatte. Ich habe mir einen Arbeitsplatz zuhause eingerichtet. Ich habe einen Lernplan erstellt: 1200 Seiten Skript in 20 Wochen durchzuarbeiten, das macht bei 6 Lerntagen die Woche – der Sonntag soll frei bleiben –, 10 Seiten pro Tag. Das ist doch kein Problem. Mit Schnelllesetechnik sind die flott zu lesen. MindMap jedes Abschnittes anlegen, eine Methode, die meiner Lern- und Arbeitsweise entgegen kommt. Und dann Wiederholungen direkt von Anfang an einbauen. Hierfür habe ich mir einen Lernordner angelegt, mit dem ich mir die Wiederholungen organisiere.
Überblick über das erste Semester
Soweit die Theorie. Aber der Stratege weiß: Ein Schlachtplan funktioniert so lange, bis man auf den ersten Feind trifft. So auch bei diesem Plan.
Die Texte sind trocken, in wissenschaftlicher Sprache und ich habe eben doch nicht so viel, an das ich anknüpfen kann, wie ich dachte. Zumindest nicht auf diesem Niveau. So wird das erste Durcharbeiten eher zur Qual als zur Freude. Und die Schnelllesetechnik nützt mir nicht wirklich. Ja, beim ersten Überfliegen – denn ich weiß: erst einen Überblick verschaffen, mit Fragen an den Text herangehen, und erst dann den Text wirklich durcharbeiten – geht es vielleicht etwas schneller. Dies ist jedoch der kleinste Teil der Lernarbeit.
Speedreading ist nicht die Lösung
Und ich muss das Gelesene zumindest weitgehend verstehen, um es dann so aufzeichnen zu können, dass ich es wieder abrufen kann. Komplizierter Satzbau und Fremdwörter sind da nicht gerade hilfreich.
Erziehung, Bildung, Sozialisation
Also wird die Zeit, die ich mich mit den Texten auseinandersetzen muss, länger als geplant. Und nach den ersten zweieinhalb Stunden habe ich nicht die geplanten zehn Seiten geschafft, sondern lediglich fünf. Ein erster Rückschlag.
Am nächsten Tag ergeht es mir nicht viel besser. Ich kämpfe darum, die gleiche Anzahl an Seiten zu schaffen. An Wiederholung ist gar nicht zu denken. So setzt sich eine Misserfolgs-Spirale in Bewegung. Am nächsten Tag komme ich spät von der Arbeit, habe zuhause Verpflichtungen. Ich kann mich erst spät ans Lernen setzen, bin ausgelaugt. Die zweieinhalb Stunden kann ich nicht einhalten. Also schaffe ich nicht einmal die fünf Seiten der Tage zuvor. Jeder Eintrag in meine Tabelle, in der ich meine Fortschritte erfasse, wird zum Misserfolg.
So vergehen einige Tage, bis ich mich gar nicht mehr aufraffen kann, mich zum Lernen hinzusetzen. Ich beobachte das einige Tage. Bin alarmiert. So schaffe ich sicher erst recht nicht, das nötige Pensum durchzuarbeiten. Was ein bisschen hilft, ist der Kontakt über WhatsApp zu meinen neuen Kommilitoninnen, die ich am „StartItUp“-Treffen im Regionalzentrum in Nürnberg kennengelernt habe.
Dennoch: Ich muss eine Strategie entwickeln, wie ich das Problem angehe. Denn ich will das schaffen.
Motivation-Hacking
Wichtig ist, in Bewegung zu bleiben; dran zu bleiben. So bette ich mein Lernvorhaben in ein Set von weiteren Vorhaben ein. Ich nehme mir also nicht weniger, sondern mehr vor. Aber ich verfolge das Erfüllen all dieser Vorhaben täglich. Ich überlege mir für jedes einzelne, wo mögliche Hemmnisse, Ausreden liegen. Ich portioniere sie so – zumindest anfangs –, dass sie lächerlich klein und einfach sind. Ich kann beinahe in jedem Zustand meine Versprechen einhalten; egal ob wach oder müde, motiviert oder ausgelaugt.
Der Grundbegriff Erziehung – Übersicht
Für mein Lernvorhaben heißt das aktuell, dass ich mir keine Seitenzahl mehr vorgenommen habe, sondern eine Zeit. Lächerlich wenig Zeit. Ich habe mich mir selbst gegenüber verpflichtet, jeden Tag eine viertel Stunde zu lernen. Dafür gibt es keine Ausrede. Selbst wenn ich zum Umfallen müde bin. Das kann ich durchführen. Bin ich nicht müde, habe ich mit dem Mini-Ziel, eine viertel Stunde, vor Augen einen lockeren Einstieg und mache dann vielleicht mehr.
Sicher, das reicht bei weitem nicht aus, um den Stoff in der nötigen Zeit zu bewältigen. Aber ich bin in Bewegung geblieben und ich hole mir Erfolgserlebnisse ab.
Gerade war ich auf Dienstreise. Und dennoch schaffte ich diese viertel Stunde täglich; selbst unterwegs.
Die begonnene Misserfolgs-Spirale wird jetzt zur Erfolgsspirale. Wenn ich einen Erfolg nach dem anderen abhole und feiere, werde ich schon bald die Latte ein Stückchen höher legen. Und weiter aufbauen. Ab nächster Woche erhöhe ich auf eine halbe Stunde.
Perspektivenwechsel
Es ist schon seltsam, wieder auf der anderen Seite zu sitzen. Und ich verstehe meine Teilnehmer jetzt deutlich besser. Ich hoffe, ich kann aus diesem Projekt genug Erkenntnisse ziehen, die ich auch an meine Teilnehmer weitergeben kann. Und ich freue mich darauf, spannende, neue Dinge zu lernen.
Am zweiten Tag der Fachtagung wird es deutlich anarchischer. Es gibt keine Vorträge mehr, sondern ein Barcamp. Ich gestehe: Es ist mein erstes Barcamp. Aber es klingt spannend und passt gut zu meiner sonstigen, präferierten Arbeitsweise.
Karlheinz Pape moderiert das Barcamp an
Alle verbliebenen ca. 100 Teilnehmer – in gut Barcamp-Sprech: Teilgeber – stellen sich kurz vor: Vorname, Ort, Einrichtung und die obligatorischen drei Hashtags. Karlheinz Pape, der Erlangener Berliner moderiert an.
Und danach werden die Sessions angeboten. Lediglich zwei finden keinerlei Zuspruch. Alle anderen kommen an den großen Wandplan und werden auf Zeit und Räume verteilt.
Barcamp-Plan
Auch mein Sessionvorschlag wird angenommen. Ich habe das Gefühl, dass viele Bildungsträger sich bemühen, modernere Lernformen in ihre Angebote zu integrieren. Aber viele Teilnehmer wollen das (aufgrund ihrer Lernbiographien?) gar nicht. Sehe nur ich das so? Wie kann man damit umgehen? Welche Perspektiven und Denkansätze gibt es dazu?
Und ich bin mit meiner Session gleich in der ersten Runde dabei. Es entwickelt sich eine lebhafte Diskussion und ich nehme viele Anregungen mit nach Hause. Auch Prof. Ingeborg Schüßler befindet sich in meiner Session und so erhalte ich genau den Input, den ich mir gewünscht hatte.
Eine viertel Stunde Pause. Kurzer Austausch mit dem IHK-Kollegen aus Dresden. Und dann geht es schon weiter mit der nächsten Session. Ich entscheide mich für Sandras und Carolins Session „Sketchnotes“. Ich hatte anfangs schon die Sorge, dass sie parallel zu meiner Session laufen würde. Aber Glück gehabt.
Sketchnote zur Barcamp-Session „Sketchnotes“
Ich sketche zwar schon die ganze Zeit fleißig mit, aber da ist noch viel Luft nach oben. Und die Sketchnotes, die Sandra (@sandra_dirks) während der Fachtagung twitterte, haben mir gefallen. Da kann ich noch etwas lernen!
Sandra Dirks und Carolin Kram (@sandra_dirks @buecherkram)
Sandra Dirks und Carolin Kram (@buechekram) machen das sehr schön. Typisch Barcamp ist diese Session spontan entstanden und nicht vorbereitet. Aber das macht den Reiz aus. Nicht didaktisch vorbereitet, aber mit viel Herzblut und auf den Punkt gebracht. Ich denke, an meinen Sketchnotes sieht man, dass es mir auf jeden Fall etwas gebracht hat. 🙂
Sketchnote zur Barcamp-Session „Social Media Guidelines“
Viertel Stunde Pause. Sketchnote noch etwas rund schleifen, twittern, auf zur nächsten Session. Nina Oberländer von der vhs Bremen teilt mit uns ganz praktische Erfahrungen: „Social Media Guidelines“. Bei der vhs Bremen heißen diese sympatischerweise „Unsere Facebook Fibel“. Eine sehr schöne Session. So kann man mit Richtlinien also auch umgehen.
Mittagspause in der „Hechelei“. Auch wieder ein sehr schönes Ambiente. Das Essen ist lecker und schon wieder stehe ich bei anderen Tagungsteilnehmern. Auch hier entsteht wieder ein nettes Gespräch. Wir brauchen die Pause. Ganz schön viel Input. Ganz schön intensiv. Aber schließlich geht es doch weiter. Letzte Runde.
Sketchnote der Barcamp-Session „Lernräume“
Ich entscheide mich für die Session von Reiner Stefan „Lernräume“. Ein gelungener Abschluss, wenn man davon ausgeht, dass der Titel der Veranstaltung „Erweiterte Lernräume“ ist. Nur sind diesmal nicht die digitalen Medien und das Web gemeint, sondern ganz reale Räume. Was lässt sich durch Räume, ihre Einrichtung, ihre Farbgestaltung bewirken? Wie reagieren Lerner darauf?
Und dann ist alles auch schon recht schnell vorbei. Kurze abschließende Worte von Karlheinz Pape. Schlusspunkt durch Arndt Bertelsmann. Und dann verstreuen sich alle in alle Winde. Schade. Aber ich denke, es gibt viel zu verarbeiten. Und es war für (hoffentlich) alle ein großer Gewinn. Für mich sicher.
Danke an den Verlag. Danke an Joachim Höper, der durch die zwei Tage führte. Danke an alle Vortragenden und Teilgeber. Zwei Tage, die mir viel gebracht und viel Spaß gemacht haben.
Am 29. und 30. Oktober 2014 veranstaltet der W.-Bertelsmann-Verlag unter dem Titel „Perspektive Didaktik – Bildung in erweiterten Lernwelten“ zum zehnten Mal seine Fachtagung zu Bildungsthemen.
Das Programm des ersten Tags in der Ravensberger Spinnerei
Parallele Foren
Forum 1: Didaktik & Curriculum
Forum 2: Ermöglichungsdidaktik
Forum 3: Didaktisches Design
Diskussionsrunde: Welche Rolle spielt die Didaktik im Web?
Moderation: Jasmin Hamadeh, das e-Teaching Büro, Hamburg
Diskutanten:
Martin Lindner, Wissmuth, Freising
Lars Kilian, Technische Universität Kaiserslautern
Abendveranstaltung und Preisverleihung Hermann-Schmidt-Preis
in der Hechelei Bielefeld hermann-schmidt-preis.de
Mein erstes Mal bei der Fachtagung des Bertelsmann-Verlags. Aber sicher nicht mein letztes Mal. Eine rundum gelungene, spannende Veranstaltung. Dies geht los bei der Location, über die interessanten Teilnehmer, mit denen man schnell ins Gespräch kommt und geht bis zu den Vorträgen.
Im ersten Impulsvortrag spricht Martin Lehner über die Didaktische Reduktion. Es bleibt jedoch nicht reine Theorie, sondern er schafft es selbst, sein Thema auf das Wesentliche zu reduzieren. Toll und inspirierend.
Und hochkarätig geht es mit dem zweiten Impulsvortrag weiter. Jörn Lowiscach zeigt, wie das Web als sinnvolle Ergänzung zu Präsenzunterricht eingesetzt werden kann. Fazit: PowerPoint und Co. kommen gar nicht in Frage. Die Perfektion liegt in der Imperfektion: Handgekritzelte Kommentare und Zeichnungen vor geleckten Präsentationen.
Während der Vorträge werden alle Twitter-Posts mit Hashtag #wbvft auf Leinwände projiziert. Und es wird permanent getwittert. Spannend, was da auch im Publikum alles passiert.
Nach einer Kaffeepause geht es in den Forenblock, aus dem man sich aus insgesamt neun Vorträgen seine drei Favoriten zusammenstellen kann. Ich entscheide mich für
Auch die drei Vorträge, die ich besuche sind wieder sehr informativ. Der wbv hat hier wirklich hochkarätige Redner unter Vertrag genommen. Ich notiere, was das Zeug hält und nehme jede Menge Ideen mit nach Hause.
In der abschließenden Diskussionsrunde moderiert Jasmin Hamadeh das Gespräch zwischen Martin Lindner und Sven Kilian. Braucht das Web Didaktik? Zwei sehr konträre Positionen.
Nach der Fachtagung lädt der Verlag in die Hechelei nebenan zur Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises. Es werden dieses Jahr vier Kandidaten geehrt, welche sich durch besondere Projekte der Inklusion in der beruflichen Ausbildung ausgezeichnet haben. Ein schönes Zeichen für nachahmenswerte Aktionen und Konstellationen.
Ich sitze mit Martin Lindner am Tisch. Nachdem ich mich schon auf Google+ mit ihm ausgetauscht hatte, habe ich nun die Gelegenheit zur realen Diskussion. Ein gelungener Ausklang für einen gelungenen Tag.
2009 schwappte Design Thinking von den U.S.A. nach Deutschland herüber. Wobei herüberschwappen ein zu großer Begriff ist. Zu dieser Zeit war Design Thinking noch relativ wenigen in Deutschland bekannt. Das Hasso-Plattner-Institut installierte zwar in Potsdam gerade einen Studiengang dafür, aber in der breiten Masse oder der Geschäftswelt war es noch nicht angekommen.
Zu der damaligen Zeit beschäftigen wir uns geschäftlich bereits intensiv mit diesem Thema, entdeckten, dass wir es eigentlich schon seit geraumer Zeit ohne es zu wissen anwendeten. Und zwar nicht nur auf gestalterische Themen.
Bei unseren Recherchen stolperten stolperten wir dann über einen Artikel im Web mit dem reißerischen Titel „Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking“ von Dev Patnaik.
Ich verfasste damals einen kleinen Blogbeitrag und vergaß das Thema wieder. Und ich hatte den Eindruck, dass auch der Rest der Welt Hybrid Thinking vergessen hatte.
„Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking“ – aber ich hatte eher Hybrid Thinking vergessen
Screenshot von Dev Patnaiks Artikel “Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking”
Nun arbeitete ich kürzlich jedoch in einem Team an einem neuen Projekt. Und plötzlich tauchte der Begriff Hybrid Thinking bei einem Team-Mitglied aus dem betriebswirtschaftlichen Umfeld unerwartet wieder auf.
Ich fand das sehr spannend und recherchierte, ob Hybrid Thinking nun plötzlich doch in der Geschäftswelt an Bedeutung gewinnt.
Ich fand – zumindest im deutschsprachigen Umfeld – nicht viel Neues. Noch immer ist der Artikel von Patnaik eine von zwei Hauptquellen. Patnaik lässt sich jedoch gar nicht so sehr über Hybrid Thinking aus. Er konstatiert lediglich, dass Claudia Kotchka eine Hybrid Thinkerin ist und Hybrid Thinking mehr bedeutet als multidisziplinäre Teamarbeit. Ihm geht es wohl nur darum, dass einige Menschen die Fähigkeit besitzen, hybrid zu denken, also mehrere verschiedene Denkansätze zu verfolgen. Dies kann trotz des reißerischen Titels kaum der Ausgangspunkt einer neuen Disziplin sein.
Die zweite Hauptquelle ist eine Reihe von White Papers der Firma Gartner. 2010 hatte ich es nicht geschafft, den Text von Gartner zu finden, aber diesmal war ich erfolgreicher. Er ist deutlich umfangreicher als der von Patnaik und macht den Eindruck strukturiert und gut recherchiert zu sein. Ich befasse mich im Folgenden mit diesem Artikel.
Und was ist nun dieses Hybrid Thinking?
Der Artikel von Gartner umfasst im Original 15 Seiten und ich möchte ihn nicht unzulässig stark verkürzen. Daher wird es jetzt leider ein wenig ausführlicher. Auch bin ich kein Übersetzer, weshalb die folgenden Ausführungen stellenweise etwas holprig formuliert sind.
[Zeichnung Welt mit wirrem Netz darüber]
Der Versuch einer ersten Definition
Gartner – in diesem Fall die Autoren des Whitepapers Nicholas Gall, David Newman, Philip Allega, Anne Lapkin, Robert A. Handler – behaupten: „Hybrid Thinking integriert Design Thinking mit anderen Arten zu denken.“
Hyperconnected World
Unternehmen haben Probleme mit Wandel, vor allem mit strategischem Wandel. Wir leben heute in einer „hyperconnected global economy“, in der es einen neuen Normalzustand („the new normal“) gibt: Die Geschwindigkeit, Diversität, Komplexität und das Ausmaß an Wandel beschleunigt sich zunehmend und Top-Down-Kontrolle wird immer mehr zur Illusion. Altes funktioniert nicht mehr. Großer, strategischer Wandel wird damit unabdingbar.
In diesem Umfeld sind die genannten strategischen Probleme jedoch unglaublich komplex, es sind „Wicked Problems“. Diese entziehen sich dem klassischem Ansatz von Verstehen, Planen, Gestalten, Implementieren, Ausführen, weil die Stakeholder-Interessen unterschiedlich, ja häufig sogar gegensätzlich, die Vernetzungen hoch komplex sind und das Verhalten extrem dynamisch und chaotisch (nicht voraussagbar) ist.
Wicked Problems haben häufig keine Lösung, man versucht lediglich ein „erfolgreiches Ergebnis“ zu erzielen.
Die Integration von Design Thinking
Hybrid Thinking integriert Design Thinking mit anderen Arten des Denkens, um erfolgreiche Ergebnisse für Wicked Problems zu erzielen, indem bedeutungsvollere, menschen-zentrierte (human-centered) Erlebnisse gemeinsam geschaffen werden (co-create).
Die meisten Branchen sind so fixiert auf Technik, dass sie den emotionalen Einfluss auf den Kunden vernachlässigen. Eine Beziehung des Kunden zu einem Produkt oder einer Dienstleistung entsteht jedoch nur, wenn dieses für den Kunden eine Bedeutung hat – dieser Ansatz steht bei Design Thinking an erster Stelle.
Darüber geht Hybrid Thinking hinaus, indem es noch andere Schlüsselelemente für erfolgreiche Ergebnisse im Geschäftsumfeld betont:
Integratives Denken
Leidenschaftliches Denken
Transformation, Innovation und Strategie
Gemeinsames Entwickeln (Co-Creation)
Widerstandsfähigkeit/Elastizität („Resilience“)
Integratives Denken
Design Thinking wendet empathisches und intuitives Denken zur Problemlösung an. Damit ist es genauso beschränkt wie jede andere Art zu denken. Für Wicked Problems müssen aber verschiedene Denkansätze verwendet werden: kreative, emotionale bis hin zu algorithmischen, analytischen.
Roger Martin (einer der Haupt-Vertreter von Design Thinking) verwendet statt Design Thinking lieber den Begriff „Integratives Denken“.
Als Beispiel für den Hybrid-Thinking-Ansatz nennen die Autoren die Firma Whirlpool. Bei diesem Beispiel kam eine Kombination aus Design Thinking und Six Sigma (Was angeblich von Design Thinking verteufelt wird) zum Einsatz.
Als weiteres Beispiel folgt die Amerikanische Armee: Hier wird Design Thinking und Schlachtfeld-Strategie verknüpft. Die Menschen-zentrierte Sicht von Design Thinking über Religion, Geschichte und Kultur des Landes, in dem man kämpft, wird kombiniert mit der Art, wie ein Kommandant auf dem Schlachtfeld denkt.
Hybrid Thinking assimiliert jedoch nicht einfach jede Art zu Denken. Es ist eine Disziplin der Disziplinen, ein Set von universellen Ansätzen und es koordiniert die unterschiedlichen Denkansätze bei Wicked Problems.
Leidenschaftliches Denken
Um mit Hybrid Thinking erfolgreich zu sein, reicht es nicht, einfach multidisziplinäre Anwender zusammen zu bringen. Wenigstens einige davon müssen selbst Hybrid Thinker sein.
Andere Worte für Hybrid Thinkers sind: T-shaped people (ein Begriff, der übrigens bereits von Tim Brown, dem „Vater des Design Thinkings“ verwendet wird) oder versatilists.
Über die Eigenschaft „T-shaped“ (ein breites Wissen in vielen Bereichen und ein tiefes Wissen in einem Spezialbereich besitzen) hinaus müssen Hybrid Thinker außerdem folgendes sein:
kreativ
empatisch
integrativ
sich wohl fühlen mit Doppeldeutigkeit
optimistisch
experimentierfreudig
kollaborativ
Der nötige Grad an dieser Fähigkeit zum Hybrid-Thinking ist abhängig vom Ausmaß des Wicked Problems, dem Rahmen der Transformation, Innovation und Strategie und dem Zeitpunkt, wann die Organisation sich mit diesem Wicked Problem auseinandersetzt (je früher, desto verzwickter).
Transformation, Innovation und Strategie
Wie denkt man auf dem Schlachtfeld?
Design Thinking eignet sich nicht nur für das Entwickeln von Produkten und Dienstleistungen. Dennoch wird es meist dafür angewandt. Hybrid Thinking wird vor allem für Transformation, Innovation und Strategie eingesetzt. Je mehr ein Problem vom banalen Produktdesign entfernt und ein wirkliches Wicked Problem ist, desto stärker verändert sich das Denken von Design Thinking zu Hybrid Thinking.
Beispiel: Mit Design Thinking würde man eher ein neues Flugzeug, wie eine Boing 787 entwickeln, mit Hybrid Thinking ein komplett neues Flugverkehr-Kontrollsystem, wie NGATS.
Ein Beispiel für den Einsatz von Hybrid Thinking im Zusammenhang mit Strategie war die US Army, für den Einsatz von Hybrid Thinking im Zusammenhang mit Transformation P&Gs „flow-to-the-work“ Organisation.
Gemeinsames Entwickeln (Co-Creation)
Beim Hybrid Thinking gibt es die beiden Ansätze „Erkundung durch Experimentieren“ und „Innovation durch Nutzer und die Community“, wo hingegen Design Thinking den experimentellen Ansatz verfolgt.
Ein fundamentales Gesetz von Design Thinking (und damit auch von Hybrid Thinking) ist das iterative Implementieren (= Learning by Doing). Es geht auch beim Hybrid Thinking nicht nur um Denken. Es werden ebenfalls Prototypen entwickelt. Dies ist jedoch schwierig bei Prozessen, Strukturen und Strategien. Deshalb definiert Hybrid Thinking ein „Strategien-Portfolie“, um durch Experimentieren erkunden zu können.
Nicht der Designer gestaltet, sondern das Kollektiv.
Widerstandsfähigkeit/Elastizität (Resilience)
Für Wicked Problems gibt es keine „Lösung“, deshalb konzentriert sich Hybrid Thinking auf Ergebnisse, die besser sind als der vorherige Zustand und propagiert das „Frühe Scheitern“ (wie übrigens bereits beim Design Thinking dargestellt).
Adaptiver Zyklus
Design Thinker begrüßen lediglich Nachhaltigkeit und Elastizität, für Hybrid Thinker wird das durch die Ökologie inspirierte Konzept von nachhaltigem und widerstandsfähig-elastischem Design nicht nur begrüßt, es ist für sie fundamental.
Wicked Problems haben eher einen biologisch-ökologischen Charakter, deshalb vollzieht Hybrid Thinking einen Paradigmenwechsel weg von der technischen Betrachtung hin zur biologisch-ökologischen. Ein Beispiel für diesen Wechsel findet sich in einem Paper von Andrew Haldane mit dem Titel „Rethinking the Financial Network“.
Das ökologische Konzept von Widerstandsfähigkeit/Elastizität (Resilience) basiert auf der Idee des adaptiven Zyklus’ (aus dem Buch „Panarchy: Understanding Transformations in Human and Natural Systems“ von Lance Gunderson und C. S. Holling). Ein Beispiel aus der IT für dieses Prinzip ist Agile Programming.
Schlussfolgerung
Hybrid Thinking wird große Veränderungen bringen und einen großen Einfluss auf Veränderungen im Geschäftsleben haben. Es muss sich allerdings erst noch entwickeln. Gartner wird weitere Untersuchungen anstellen.
Gartner und Dev Patnaik
Gartner ist ein Anbieter von Marktforschungsergebnisse und Analysen über die Entwicklungen in der IT. Der Artikel von Gartner bezieht sich auf den Artikel „Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking“ von Dev Patnaik von Jump Assosiates, gepostet auf Fastcompany.com.
In diesem Artikel schreibt Patnaik über die Transformation, die Claudia Kotchka bei Procter & Gamble durchgeführt hat. Er weist darauf hin, das Kotchka keine Designerin ist.
Patnaik argumentiert, dass hier nicht Design Thinking im Einsatz war, sondern Hybrid Thinking, da viele verschiedene Arten zu denken praktiziert wurden. Claudia Kotchka wandte Design Thinking an und verknüpfte es mit ihren Erfahrungen aus anderen Bereichen. Es geht nach Patnaik nicht darum, multidisziplinäre Teams zusammenzustellen, sondern darum, Teams aus multidisziplinären Menschen zusammenzustellen.
Ist Hybrid Thinking „besser“ als Design Thinking?
Nachdem ich vorher den Gartner-Artikel einigermaßen neutral wiedergegeben habe, möchte ich ihn nun Punkt für Punkt näher betrachten und kommentieren.
„The new normal“
Zunächst beschreiben die Autoren, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft hätten sich dramatisch verändert und wir haben es heute häufig mit Wicked Problems, also vielschichtigen, verzwickten, übermächtigen Problemen zu tun. Dies beschreiben auch die Vertreter von Design Thinking.
Dann erklären die Verfasser, Hybrid Thinking integriert Design Thinking mit anderen Arten des Denkens und sitzen hiermit meines Erachtens einem Fehler auf. Denn Design Thinking ist nicht wirklich eine Art zu denken – auch wenn der Name dies glauben macht. Design Thinking ist eine Herangehensweise, ein Prozess.
Grafik Meaningful-Feasible-Sustainable
Weiter folgt, dass häufig der emotionale Aspekt von den Unternehmen vernachlässigt wird und ein Produkt oder eine Dienstleistung für den Kunden eine Bedeutung haben muss, damit es gern genutzt und eine Beziehung dazu aufgebaut wird. Gartner behauptet nun, dass diese Bedeutung für Design Thinking an erster Stelle steht und zeigt hier als Beleg eine Grafik aus IDEOs „Human-Centered Design Toolkit“.
Wie man aber gerade aus dieser Grafik sieht, betont Design Thinking keinen der drei Aspekte Bedeutung, Nachhaltigkeit, Machbarkeit, sondern argumentiert, dass aus einer gleichwertigen Verbindung dieser drei Aspekte ein Erlebnis entsteht, welches sich am Menschen orientiert, ihn in den Mittelpunkt stellt („human centered experience“).
Hybrid Thinking geht über die Betonung des Aspekts „Bedeutung“ angeblich hinaus, indem es noch andere betont: Integratives Denken, Leidenschaftliches Denken etc.
Integratives Denken
Die Autoren behaupten, Design Thinking verwende empathisches und intuitives Denken. Die Aussage impliziert, Design Thinking würde ausschließlich diese Denkarten einsetzen. Schaut man sich aber den Design-Thinking-Prozess an, so sieht man, dass „Empathie“ lediglich ein Prozessschritt ist, oder – je nach Darstellung – Bestandteil eines Prozessschrittes. Bei diesem Prozessschritt geht es nur darum, das Problem möglichst genau zu verstehen. Die Art des Denkens wird hier nicht näher beschrieben. Ob es bei diesem Prozessschritt wirklich um ein empathisches Denken handelt, wird außen vor gelassen. Wichtig bei diesem Schritt ist lediglich, dass das Problem möglichst genau verstanden und durchdrungen wird.
Dann verweisen die Verfasser sogar auf Roger Martin, einen der Hauptvertreter von Design Thinking. Er verwende lieber den Begriff Integrative Thinking als Design Thinking, also genau „die Art zu denken“, die Design Thinking ja nicht sein soll.
Vor allem beim Beispiel der US Army wird deutlich, dass von den Schreibern Design Thinking nicht wirklich erfasst wurde. Angeblich wird der emotionale Ansatz (man schaut auch auf Geschichte und Religion des Landes, in dem man sich befindet) von Design Thinking mit „Schlachtfeld-Strategie“ verknüpft und das wäre dann eben etwas anderes als Design Thinking. Klar, wenn man Design Thinking als Art zu denken missversteht, ist diese Argumentation nachvollziehbar. Wenn es aber um den Prozess geht, muss man natürlich zunächst das Problem möglichst genau analysieren. Und da gehört in diesem Fall sicher auch das Berücksichtigen lokaler Gegebenheiten, Kultur, Geschichte und Religion, dazu. Erst dann wird eine Strategie entwickelt. Und ich hoffe doch, dass während dieses Schrittes des Design-Thinking-Prozesses ein General auch seine bisherige „Schlachtfeld-Erfahrung“ einbringt.
Nachfolgend ist dann Hybrid Thinking für die Schreiber des Artikels plötzlich doch keine einfache Art zu denken mehr, sondern eine „Disziplin der Disziplinen“, ein Set von universellen Ansätzen. Es koordiniert die unterschiedlichen Denkansätze. In diesem Abschnitt wird nicht auf Design Thinking eingegangen.
Leidenschaftliches Denken
Hier schreiben die Autoren, dass man für ein erfolgreiches Hybrid-Thinking-Projekt mehrere Hybrid Thinker zusammenbringen muss. Einfach ein multidisziplinäres Team zusammenzubringen reiche nicht.
Allerdings ist gerade diese Ansicht kritisch. Denn an diesem Punkt, an dem Design Thinking auf normale Menschen zurückgreift, fordert Hybrid Thinking – jetzt doch als Methode und nicht mehr nur als Art zu denken – mehr. Dies ist jedoch eine Forderung, die sehr schwer zu erfüllen sein dürfte. Wie viele Hybrid Thinker gibt es? Kann man diese Art zu denken überhaupt lernen? Bringt man genug Hybrid Thinker an einen Tisch?
Transformation, Innovation und Strategie
Die Schreiber geben zu, dass sich Design Thinking nicht ausschließlich für das Entwickeln von Produkten und Dienstleistungen eignet. Aber je komplexer das Problem werde, desto mehr müsste sich der Lösungs- oder Bearbeitungsansatz zum Hybrid Thinking verschieben. Hier wird nicht weiter begründet, sondern lediglich behauptet.
Gemeinsames Entwickeln (Co-Creation)
Ein Entwickeln von Prototypen für Strategien sei schwierig, so die Autoren des Artikels. Das ist schon richtig. Wie dabei das genannte Strategie-Portfolio allerdings Abhilfe schaffen soll, bleibt schleierhaft. Außerdem lassen sich doch die Umsetzungen einer Strategie durchaus wieder in Prototypen testen. Und ihr Funktionieren oder Scheitern zeigt dann, ob eine Strategie tragfähig ist, oder nicht.
„Resilience“
Hier geht es den Autoren vor allem um die Widerstandsfähigkeit gegen das Scheitern bei Versuchen. Ein Hybrid Thinker ist gerade zu begierig nach diesem frühen Scheitern, während ein Design Thinker es lediglich akzeptiert. Eine Behauptung, die ich einfach so stehen lasse. Mit Sicherheit ist aber das Konzept des „Adaptiven Zyklus’“, welches hier eingeführt wird, interessant. Allerdings widerspricht dies ja auch nicht dem Vorgehen von Design Thinking.
Die Autoren schließen damit, dass sich Hybrid Thinking erst noch entwickeln muss und weiter untersucht wird.
Hybrid Thinking oder doch nur Marketing?
Hybrid Thinker
Ich denke, dass es sich bei den Veröffentlichungen über Hybrid Thinking um reine Marketingaktionen handelt: Design Thinking verkauft sich gut, also wird mit Hybrid Thinking etwas „Neues“ hervorgebracht, um eine eigene Begrifflichkeit zu haben.
Meines Erachtens vergleicht Patnaik, mehr aber noch in der Folge die Mitarbeiter von Gartner, Äpfel mit Birnen. Design Thinking ist – trotz des Namens – keine Art zu denken, sondern ein Prozess, eine Herangehensweise. In den Beiträgen über Hybrid Thinking ist das nicht so sauber herausgearbeitet. Für beide Disziplinen, Design Thinking und Hybrid Thinking, sprechen die Autoren mal über einen Prozess, mal über eine Art zu denken. Meist jedoch bezieht er sich mehr auf eine Art zu denken.
Hybrid Thinking existiert; allerdings für mich lediglich als Art zu denken, nämlich, dass eine Person verschiedene Denkarten in sich vereinigt.
Die Frage sollte also nicht lauten „Design Thinking ODER Hybrid Thinking?“, und schon gar nicht „ist Hybrid Thinking besser als Design Thinking?“ Es ist sicher vorteilhaft, wenn Hybrid Thinker (in diesem Sinne der Definition) beim Design-Thinking-Prozess zum Einsatz kommen. Design Thinking funktioniert jedoch auch, wenn nicht diese spezielle Art von Menschen (T-shaped people) mitwirken. Da diese Denkart durchaus nicht gewöhnlich ist, versucht man beim Design Thinking realistischerweise multidisziplinäre Teams aus „normalen“ Menschen zusammenzustellen, um unterschiedliche Denkarten zusammen zu bringen.
Somit sind Hybrid Thinking und Design Thinking getrennt voneinander zu betrachten. Hybrid Thinking ist die Art eines Einzelnen zu denken. Design Thinking ist eine Arbeitsweise. Design Thinking funktioniert auch ohne Hybrid Thinker. Und Hybrid Thinker können sicher auch Probleme angehen (und „lösen“), wenn sie nicht den Design-Thinking-Prozess anwenden.
Hybrid Thinking als Prozess existiert meines Erachtens nicht. Die Autoren konnten mich mit ihrem Artikel hiervon auch nicht überzeugen. Dennoch scheint es als Idee in einigen Köpfen zu kreisen; gerade auch im betriebswirtschaftlichen Umfeld.
Design Thinking hat sich über Jahre entwickelt und wurde von vielen verschiedenen Menschen durchdacht und diskutiert, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen.
Hybrid Thinking – nicht als die Art eines Einzelnen zu denken, sondern als Arbeitsprinzip – hat dieses Stadium noch nicht erreicht und wird es wahrscheinlich auch nie erreichen. Es wird über viele Aspekte des Design Thinking gesprochen, die offensichtlich nicht richtig durchdrungen und verstanden sind. Man will wohl einerseits den Hype ums Design Thinking nutzen, aber auf der anderen Seite etwas eigenes, Neues präsentieren, um aus der Masse hervorzustechen. Und besser als das Original soll es dabei auch noch sein.
Ich finde Hybrid Thinking als Denkart spannend, denke, dass ich selbst ein Stück weit ein solcher Hybrid Thinker bin. Als Arbeitskonzept denke ich, hat es keine Zukunft.