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Anerkennung von non-formal erworbenen Kompetenzen

Sketchnote Teil 1 conCert

Deutschland ist ein „Schein-Land“: Nur die Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen, die mittels eines Scheins, Zeugnisses oder Zertifikats belegt sind, zählen; vor allem wenn es um die Bewerbung um eine Arbeitsstelle geht. Auch in anderen (europäischen) Ländern existiert dieses Prinzip. Ist jedoch nirgends so ausgeprägt wie hier.

Seit einiger Zeit schon hat die Europäische Union das Bestreben, soziale Ungleichheit zu verringern, allen die Möglichkeit auf Bildung zu verschaffen und eben auch non-formal erworbenes Wissen (auch als wirtschaftliche Ressource) verfügbar zu machen. So hat sie ihren Mitgliedsstaaten im Rahmen des Programms Lebenslanges Lernen nun auch auferlegt, bis 2018 Lösungen für diese Aufgabe zu finden.

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Weiterbildungsatlas: Würzburg Nummer 1 in Deutschland in Sachen Weiterbildung

Weiterbildungsatlas: Beratung?

Schon mehrfach wurde der Weiterbildungsatlas veröffentlicht. In diesem Jahr wurden jedoch nicht nur die Bundesländer, sondern auch die Raumordnungsregionen untersucht. Und gerade bei diesen zeigen sich große Unterschiede. Für Würzburg besonders erfreulich der erste Platz bundesweit. Ein Text von Christine Stricker.

Weiterbildungsatlas: Beratung?
Weiterbildungsatlas: Beratung?

Lebenslanges Lernen ist eine Grundvoraussetzung für beruflichen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe. Weiterbildung hilft uns, mit wachsenden Anforderungen im Alltag und der Arbeitswelt Schritt zu halten. Doch wie hoch ist die Teilnahme an den Weiterbildungsmaßnahmen und wie gut nutzen Bundesländer und besonders einzelne Regionen ihr vorhandenes Potenzial? Diese Fragen beantwortet der im September erschienene Weiterbildungsatlas, der von der Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) veröffentlicht wird. Verglichen wurden die Teilnahmequote, die Potenzialausnutzung und das Weiterbildungsangebot auf Bundesebene und erstmalig auch auf Ebene der 96 Raumordnungsregionen. Die Datengrundlage dafür bildet der jährliche Mikrozensus zwischen den Jahren 2007 bis 2012.

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Adaptives E-Learning für alle? INTUITEL

INTUITEL Conference

Als registrierter Besucher der Learntec erfuhr ich im Mai von der Abschluss-Konferenz des Projektes INTUITEL am 18. Juni 2015 in Karlsruhe. Und die Beschreibung klang so spannend, dass ich mich anmeldete. Und es war tatsächlich eine kleine, aber feine Veranstaltung.
INTUITEL steht für „Intelligent Tutoring Interface For Technology Enhanced Learning“ und das beschreibt ziemlich genau, um was es hierbei geht. Es handelt sich um eine Software, die als PlugIn bestehende Open-Source-Lernplattformen wie MOODLE oder ILIAS in eine komplette adaptive E-Learning-Umgebung verwandelt.
Über adaptive Lernumgebungen wurde schon viel geschrieben. Aber viele Lösungen gibt es derzeit noch nicht. Und bei diesen wenigen handelt es sich um teure proprietäre Lösungen. Ganz anders INTUITEL. Zum einen lässt es sich, wie schon oben erwähnt, in bestehende Lösungen integrieren. (Sicher, es müssen einige technische Voraussetzungen erfüllt werden. Aber meiner Eins

INTUITEL Conference
INTUITEL Conference

chätzung nach, handelt es sich hierbei um weit verbreitete Standards.) Zum anderen ist es zumindest derzeit noch kostenlos.
Entwickelt wurde es von Mitarbeitern der Fachhochschule Karlsruhe, unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Henning. Finanziert wurde das Projekt durch Europäische Fördergelder.
Ganz so Plug-And-Play funktioniert es dann allerdings doch nicht. Denn die Inhalte, die Contents, müssen sich schon für eine adaptive Lösung eignen. Das heißt, dass die Lerninhalte in kleine Häppchen aufgeteilt sein sollten und möglichst auch unterschiedliche Formate des gleichen Inhalts vorhanden sein sollten (was Inhaltstiefe, didaktische Aufbereitung, aber auch durchaus Medienformat (Text, Audio, Video) betrifft).
Erst dann kann die eigentliche Arbeit im Backend von INTUITEL beginnen. Hier kann man nämlich die Inhalte zu so genannten Learning Paths verknüpfen. Diese Verknüpfung benötigt das System, um sinnvolle Vorschläge unterbreiten zu können. Außerdem werden die einzelnen Komponenten mit Metadaten angereichert.
In der Demoversion arbeitet die Software mit einem Standard-Lerner-Profil. In der Vollversion können hier weitere Einstellungen vorgenommen werden.
In der Praxis sieht das Ganze Setting für den Lerner dann so aus: Er loggt sich ganz normal in seine Lernplattform ein. Er kann dann entweder ganz normal die Contents der Reihe nach, wie sie im System hinterlegt sind, abarbeiten. Oder er navigiert über das INTUITEL-Fenster. Je nach Lernumgebung kann es per Knopfdruck ein- und ausgeblendet werden, oder es ist fest in das Layout der Lernplattform integriert. Die präsentierten Vorschläge sind nicht statisch, sondern werden live produziert und ändern sich durch die Interaktionen. Eben echt adaptiv.
Auch wird nicht nur der eine „richtige“ Vorschlag präsentiert, sondern immer mehrere, unter denen der User auswählen kann. Hier wäre eine kleine Beschreibung sicher noch ganz hilfreich. Aber das System befindet sich ja immer noch in der Entwicklung. Allerdings bekommt man bereits Bewertungen in Form von Sternen (null bis fünf).
Insgesamt ist INTUITEL ein sehr spannender Ansatz, den ich sicher weiter mitverfolgen werde.
Weitere Infos über: Website von INTUITEL

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Wer Wind sät, soll Wissen ernten

Am besten lernen Schüler aus realen Projekten. Solche zu finden und dann auch noch durchzuführen, ist für Lehrer eine große Herausforderung.

Das Pictorius Berufskolleg in Coesfeld hat nun ein spannendes Projekt zum Thema Windenergie gestartet. Schülerinnen und Schüler entwickeln hierbei neue Ideen für eine nachhaltige Energieversorgung. „Windkraftkunst im Kornfeld“ ist sowohl technologisch als auch künstlerisch-gestalterisch ausgelegt. Die Ergebnisse werden im Rahmen der Regionale 2016 im westlichen Münsterland der Öffentlichkeit präsentiert. Die Installation soll aus möglichst vielen Mikro-Windanlagen bestehen.

Windkraft
Windkraft

An dem ausgeschriebenen Wettbewerb können sich alle Schüler der Region beteiligen. Um eine Chance auf den Sieg zu haben, müssen sich die Schüler Wissen über die Energieerzeugung per Windkraft und Rotorformen erarbeiten. Hierfür ist jedoch nicht nur technisches Wissen und Einfühlsamkeit in Nachhaltigkeit, sondern auch künstlerisches Gespür gefragt. Es sind also alle Motivationsfelder für das Lernen angesprochen.

So können nur alle gewinnen: Die Schüler Kenntnisse, Fähigkeiten und im besten Falle einen Preis. Die Energiewirtschaft neue Erkenntnisse und Ideen. Und die Natur weitere Begeisterte für naturschonende, nachhaltige Projekte.

Derzeit sucht das Projekt Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform www.ecocrowd.de. EcoCrowd ist als Teil der Deutschen Umweltstiftung, der größten und ältesten Bürgerstiftung in der Bundesrepublik, ausschließlich auf nachhaltige Projekte fokussiert.

Für den Erfolg des Projektes ist die Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung.

„Wir gehen davon aus, dass je eher sich junge Menschen mit Möglichkeiten der Technologie und Gestaltung unserer Umwelt aktiv beschäftigen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in Zukunft gemeinsam gute und nachhaltige Lösungen für die Gestaltung unseres Lebensraumes entwickeln lassen.“ – Markus Wengrzik und Herbert Thesing, Projektkoordination am Pictorius Berufskolleg Coesfeld

Die Schülerinnen und Schüler sind für jede Unterstützung dankbar und freuen sich, wenn sich mit Ihrer Hilfe weitere Interessenten finden lassen.

Alle sind herzlich eingeladen die Projektseite zu besuchen.

https://www.ecocrowd.de/en/projects/16578-Windkraftkunst-im-Kornfeld

„Windkraftkunst im Kornfeld“ hat auch eine eigene Facebook-Seite.

https://www.facebook.com/pages/Pictorius-WindKRAFT/806648462718490?fref=ts

So macht Lernen Spaß und verspricht Erfolg (und nicht nur den direkten Lernerfolg). Ich würde mich freuen, wenn das Projekt genügend Spender fände.

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Warum der Schein oft nichts wert ist – Anerkennungsgesetz 2

Zuwanderung vs. Einwanderung

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte kürzlich die Anerkennungsstatistik 2013 des Bundes. Seit April 2012 existiert das Anerkennungsgesetz und mit den 2013 aufgenommenen 16.7000 Verfahren wurden seit Bestehen nun insgesamt 26.500 Anträge gestellt.

Laut DESTATIS lebten 2013 7,6 Millionen Ausländer in Deutschland. Gegenüber dieser Zahl ist die Menge der Antragstellungen eher gering. Vor allem, wenn man weiß, wie schwierig es ist, ohne einen anerkannten Abschluss eine Arbeit zu finden.

Anerkennungsgesetz: Das Antragsverfahren kostet 400 bis 500 Euro

Leider ist das Verfahren nicht kostenlos: Mit ca. 400 bis 500 Euro muss ein Antragsteller rechnen. Sicher ist dies für viele eine recht hohe Hürde. Zumal es denen, deren Abschluss nicht anerkannt ist, eher wirtschaftlich schlecht geht. Dennoch ist das Anerkennungsverfahren sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Denn so lange wir in Deutschland so viel auf formale Abschlüsse geben, ist es wichtig, auch Nicht-Deutschen zu ermöglichen, Teil dieses Systems zu werden.

Zuwanderung vs. Einwanderung – Das Anerkennungsgesetz
Zuwanderung vs. Einwanderung

Und die Bereitschaft, ausländische Ausbildungen auch formal anzuerkennen ist groß: Die zuständigen Stellen erkannten 75 Prozent vollständig an. Nur rund 4 Prozent lehnten sie ab. Häufig ist der Vergleich von ausländischen mit deutschen Abschlüssen schwierig, da die Ausbildungssysteme so verschieden sind. Dennoch: Immerhin rund drei Viertel der Anträge betraf reglementierte kaufmännische, gewerblich-technische oder handwerkliche Berufe. Und auch bei den nicht reglementierten Berufen war die Anerkennungsquote ähnlich hoch wie die Gesamtquote.

Große Nachfrage bei den medizinischen Berufen

Besondere Nachfrage bestand auch letztes Jahr wieder bei den Gesundheitsberufen: Circa 10.000 der Anträge entfiel auf diesen Sektor, davon mehr als 6.000 auf Ärzte. Teilweise werden die Abschlüsse auch nicht vollständig anerkannt. Die Antragsteller können dann die volle Anerkennung durch das Ablegen einer Prüfung oder das Absolvieren von Qualifizierungsmaßnahmen erlangen. Leider sind diese Maßnahmen noch nicht standardisiert und viele beteiligte Einrichtungen wissen selbst noch nicht so recht, wie das Verfahren genau funktioniert.

Wie schon eingangs erwähnt, müsste das Interesse für die Anerkennung und das Anerkennungsgesetz noch steigen. Dennoch: Immerhin 1,8 Millionen Menschen besuchten das Internet-Angebot www.anerkennung-in-deutschland.de seit Bestehen im März 2012. 45 Prozent der Anfragen kamen aus dem Ausland, was also circa 810.000 Personen bedeutet. Aber auch an anderen Stellen wurde beraten. 62.000 richteten Anfragen an Beratungsstellen und Hotlines. Es gibt noch genug zu tun, um Deutschland zu öffnen. Zumindest scheint der Wille dazu vorhanden zu sein.

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Wer oder was ist eigentlich LENA?

Prof. Rolf Arnold

Wie ein Ermöglichungs-Didakt eine Weiterbildungseinrichtung umkrempelt

Wie es dazu kam

Dirk versorgt mich immer wieder mit interessanten Filmen über das Thema Lernen. Vor Kurzem machte er mich auf einen Beitrag aufmerksam, in dem es um einen Professor Rolf Arnold geht, der einer Weiterbildungs-Einrichtung in Österreich geholfen hatte, ein neues Lernkonzept zu etablieren.

Das klang spannend, denn auch ich möchte in meiner Arbeit in der Erwachsenenbildung mehr als den Standard, die alten, an der Schule angelehnten Methoden des Unterrichts. Allerdings gibt es viele gute Theorien, die in der Praxis nicht umsetzbar sind. Viele Dozenten wissen, dass sie es anders machen müssten. Aber es scheitert an der Umsetzung.

Wenn dieses Konzept aber umgesetzt wurde, scheint es in diesem Fall anders zu sein. Das sollte ich mir also einmal ansehen.

Von diesem österreichischen Weiterbildungsträger, WIFI, hatte ich auch irgendwo schon einmal im Zusammenhang mit innovativen Lehr- und Lernideen gehört. Dennoch sah es zu Beginn gar nicht so spannend aus: Selbstgesteuertes Lernen. Lebendiges Lernen. Nachhaltiges Lernen. Floskeln, Begriffe, die man immer wieder im Zusammenhang Weiterbildung hört.

Aber als ich weiter schaute, zog mich der Film doch noch in seinen Bann. Denn Arnold stülpt anscheinend nicht einfach allen – Bildungsträger, Dozenten, Teilnehmern – ein neues System über, sondern arbeitet mit dem, was da ist; vor allem bei den Dozenten. Und diese scheinen mit zu ziehen. Auch nicht gerade das, was man erwartet.

Aber alles der Reihe nach.

Wer ist denn eigentlich Professor Arnold?

Prof. Rolf Arnold
Prof. Rolf Arnold

Prof. Dr. Rolf Arnold, Jahrgang 1952, ist Professor für Pädagogik an der TU Kaiserslautern.

Nach dem Studium der Pädagogik (Erwachsenen- und Berufspädagogik) promovierte er an der Universität Heidelberg. Er arbeitete vier Jahre in einer internationalen Erwachsenenbildungseinrichtung und habilitierte 1985 im Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften der Fernuni Hagen. 1990 wurde er an die TU Kaiserlautern berufen.

Von 1992 bis 2006 leitete er das Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW), das 2007 im Distance and Independent Studies Center (DISC) aufging, dessen Wissenschaftlicher Direktor und Aufsichtsratsvorsitzender er seitdem ist.

Darüber hinaus war er bis 2009 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Fortbildung und Beratung (IFB) in Speyer und bis 2011 Verwaltungsratsvorsitzender des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn.

Er gilt als Begründer der Ermöglichungsdidaktik und des Emotionalen Konstruktivismus.

S. hierzu auch

Dies alles klingt zunächst nicht besonders spannend. Er geht – für einen Wissenschaftler nicht weiter verwunderlich – mit fundierten, wissenschaftlichen Erkenntnissen an das Thema Erwachsenenbildung heran. Wenn man ihm aber zuhört, spürt man seine Begeisterung, erkennt in ihm jemanden, der nicht nur theoretisch verstehen, sondern in der Praxis etwas bewegen will. Eine gute Kombination. Und meines Erachtens schafft er diese Verbindung auch.

Nun aber zu LENA

Das Projekt, auf das Dirk mich aufmerksam machte, ist die Einführung von „LENA“ bei der österreichischen Weiterbildungseinrichtung WIFI. Das Akronym „LENA“ steht für Lebendiges und nachhaltiges Lernen.

Unter „WIFI Lernmodell LENA“ findet man in YouTube einige Beiträge, vor allem über das WIFI-Trainerforum 2009, an dem Professor Arnold dieses neue Modelll vorstellte.

Leider wird in diesen Beiträgen nicht genau dargestellt, wie dieses System aufgebaut ist, wie es funktioniert. Vermutlich ist es auch nicht wirklich ein System, ein genauer Leitfaden, sondern eher eine Grundhaltung der Dozenten. Aber auch, wenn das System nicht als solches dargestellt wird, erfährt man doch genug über seine Wirkung.

Der Punkt, der mich überzeugte war, dass Arnold „mit dem arbeitet, was da ist“. Er erklärt also nicht den Dozenten, dass sie bisher alles falsch gemacht haben und alles neu machen müssen. Im Gegenteil, er will die Fähigkeiten, die Erfahrung und das Wissen der Trainer integrieren.

Es gibt andere Lernsysteme, die in diesem Punkt völlig anders aufgestellt sind. In der Regel geben sie einen starren Rahmen vor, in den sich der Dozent einzufügen hat. Es werden ihm Verhaltensregeln vorgegeben, er muss nach einem festen Schema seinen Unterricht aufbauen, damit das System greift. Lernen ist jedoch ein hoch individueller Prozess. Und das gilt für mich nicht nur für den Lernenden, sondern auch für den Trainer oder Dozenten. Und starre Vorgaben, so gut sie auch gemeint sein mögen, töten diesen individuellen Prozess.

Für Arnold steht der Teilnehmer mit seiner Individualität, aber auch seiner bereits vorhandenen Selbstlernfähigkeit im Mittelpunkt. Sein Lernerfolg ist wichtig. Und Trainer und Organisation, die Weiterbildungseinrichtung, sollen dieser Individualität Rechnung tragen.

Dass der Teilnehmer, der Kunde, im Mittelpunkt steht, behaupten viele. Aber ist dies tatsächlich so? Meines Erachtens steht klassischerweise in Wahrheit der Dozent im Mittelpunkt, denn er ist es ja, der im Besitz des Wissens ist, das er an die Schüler, Studenten, Teilnehmer verteilt.

Rückt man nun den Teilnehmer wirklich in den Mittelpunkt, verliert der „Lehrende“ diese besondere Rolle, er wird degradiert zum Begleiter des Lernprozesses, also jemandem der am Rande steht und nur schmückendes Beiwerk ist.

Ich weiß, ich überspitze hier. Es gibt auch sehr viele gute Lehrer und Dozenten, die bereits jetzt ihre Rolle als Unterstützer für den Lernenden verstehen und ihren Unterricht danach auszurichten versuchen. Es gibt jedoch auch viele, die mit dieser „neuen Aufgabe“ erst einmal klarkommen müssen.

Für sie verschiebt sich damit ihre Sicht auf die Welt. Sie scheinen Macht zu verlieren, verlassen eine sichere Position und müssen sich auf unbekanntes Terrain begeben. Aber genau das ist ja Lernen: Erforschen unbekannten Landes. Und kann es Spannenderes geben, als derjenige zu sein, der die neuen Besucher dieses Landes begleitet, ihnen zur Seite steht, vielleicht sogar das Staunen in den Gesichtern zu sehen und im besten Falle selbst Neues zu entdecken, oder Bekanntes auf eine neue Art wiederzuentdecken?

So betrachtet, ist der Trainer mehr als ein einfacher Begleiter. Er ist Facilitator, Ermöglicher. Er trägt dazu bei, dass ein anderer lernen kann. Wenn Lehrer und Dozenten diese Position einnehmen, werden alle am Lernen Beteiligten gewinnen.

Wenn dies doch so toll ist und viele dies auch erkennen, weshalb unterrichten viele dennoch so, wie sie es eben tun? Klassisch? Weil sie es so gelernt haben. Weil sie selbst bereits so unterrichtet wurden. Dies belegen auch Studien. Das Schlimme dabei ist nur, dass diese Form nicht nur nicht gut funktioniert. Im Gegenteil, sie kann sich sogar schädlich auswirken.

Arnold sagt: „Wer zu viel lehrt, behindert Lernen! […] Denn man kann Wissen nicht vermitteln. Man kann eine Wohnung vermitteln. Man kann eine Ehe vermitteln. Aber keine Inhalte. Reine Wissensdistribution funktioniert nicht.“ Es geht nicht darum, Wissen zu verteilen, sondern darum, den Lernenden zum Lernen anzuleiten.

Dies ist für einen Dozenten natürlich wesentlich schwieriger als das reine Dozieren, Unterrichten. Denn es erfordert eine hohe Flexibilität. Ich kann als Dozent nicht mehr einem exakt vordefinierten Lehrplan folgen, sondern ich muss mich auf die Situation einstellen, die vorhanden ist. Was interessiert meinen Lernenden? Wo steht er gerade? Was ist schon an Wissen vorhanden? Und: Wie motiviert ist er gerade? Was motiviert ihn?

Genau genommen kann man niemanden motivieren. Jedoch kann man die vorhandene Motivation in jemandem erkennen, wenn man danach Ausschau hält. Wenn man das als Lehrer akzeptiert, gestaltet man seinen ganzen Unterricht natürlich völlig anders.

Diese Form stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Nicht nur für den Dozenten. Auch für die Teilnehmer. Denn auch diese haben sich in dem bisherigen System eingerichtet und erwarten, dass Unterricht so abläuft wie in der Schule, sie ihren Teil an Wissen zugeteilt bekommen. Es wird von einem Kopf in einen anderen transferiert. Schön einfach. Und dass dies bisher noch nie funktioniert hat, man dies aus der eigenen Erfahrung weiß, spielt dabei keine Rolle. So ist Unterricht eben.

Der Lernende muss raus aus dieser Konsumhaltung. Lernen ist eine unternehmerische Fähigkeit, muss unternommen werden. Jeder Teilnehmer sollte lernen, wie er selbst am Besten lernt. Das ist Arbeit. Aber eine Arbeit, die sich lohnt.

Zu guter Letzt müssen sich auch die Organisationen umstellen. Denn wenn Trainer so agieren, wie oben beschrieben, und auch die Teilnehmer mitziehen, funktioniert vieles nicht mehr so, wie es bisher funktionierte. Der Lehrplan kann nicht mehr so starr eingehalten werden. Die Reihenfolge des Stoffs entsteht eher aus der Situation heraus, als dass sie genau vorher festgelegt werden kann. Auch der Umfang der Unterrichtsstunden ist flexibler.

Somit wird der Unterricht etwas, das noch individueller und intimer zwischen Trainer und Lernendem geschieht. Der Bildungsträger steht noch mehr außen vor als bisher. Der Unterricht wird noch mehr zur Black Box. Und dadurch muss er seinen Trainern noch mehr Vertrauen entgegen bringen. Er muss sich darauf verlassen können, dass sie alle Inhalte bearbeiten, die relvant, vielleicht für eine Prüfung wichtig sind.

Aber der Bildungsträger kann unterstützen, indem er bessere Rahmenbedingungen schafft. Dies ist unter Umständen teurer und schwierig zu organisieren. Klassen, oder soll man hier besser von Lerngruppen sprechen, werden tendenziell kleiner, damit der Trainer die unterschiedlichen Individualitäten besser berücksichtigen kann.

Und Lernmaterial und Umgebung werden anspruchsvoller. Denn wie man lernt ist genauso wichtig wie was man lernt. Es ist klar, dass man in einer angenehmen, entspannten Umgebung besser lernen kann, als in einer sterilen und kalten Umgebung. Nur so kann beim Lernen auch die nötige Leichtigkeit entstehen. Die Lernumgebung bekommt Wellness-Charakter.

„Ein System (Teilnehmer) soll sich nicht bedroht, sondern aufgehoben fühlen. Systeme verschließen sich vor Gewalt. In einer fremden Umgebung stärkt ein System seine Eigendynamik. Es macht zu, nimmt nichts auf. Emotionen sind ein wichtiger Schlüssel zum Lernerfolg.“ (Arnold)

Wie gesagt: Eine Herausforderung für Bildungsträger, die diese Methode einsetzen wollen.

Dass unsere bestehenden Systeme nicht gut funktionieren, wissen wir. Wir benötigen Alternativen. Und LENA klingt nach einem guten Ansatz. Trotz aller Schwierigkeiten sollten wir ihn ausprobieren.
Thesen, wie die von Arnold, wurden schon vielfach aufgestellt. Die Kritik daran ist, dass man in öffentlichen Einrichtungen Lehrpläne, Rahmenpläne zu vermitteln hat. Dass der Teilnehmer sich nicht einfach aussuchen kann, was er lernen möchte, sondern auf eine Prüfung vorbereitet wird.

Aber auch die Wirtschaft hat ihre Wünsche: Unternehmen müssen unternehmerisch denkende Mitarbeiter zugeführt werden. Aber gerade deshalb finde ich das Projekt LENA bei den WIFIs so spannend. Es scheint Arnold hier gelungen zu sein, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Das WIFI ist eine Erwachsenenbildungseinrichtung, das auf Abschlüsse vorbereitet. Und dennoch ist es auf diesem Weg der Transformation, scheint ihn zu schaffen.

Ich bin gespannt.

 

 

Hier findet sich ein ganz interessantes Interview, das einige von Arnolds Ansichten und Thesen kurz darstellt.
Interessantes PDF:
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Die Insel der Glückseligkeit – Mehr Weiterbildung in Mainfranken

Neue Uni Würzburg

10. April 2013, Würzburg: – Auftaktveranstaltung der Akademie für Weiterbildung.

Die Julius-Maximilian-Universität Würzburg bietet schon seit einigen Jahren verschiedene Weiterbildungen an. Jetzt ruft sie die „Akademie für Weiterbildung“ aus der Taufe, um die Angebote zu bündeln und koordiniert auszubauen. Am Mittwoch, 10.4., wurde die Akademie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auch wenn das Ganze offiziell unter „Akademische Weiterbildung“ läuft, möchte die Uni Würzburg auch Angebote für Nichtakademiker schaffen.

Der Kanzler der Uni, Dr. Uwe Klug, begrüßte die Gäste. Danach sprachen Dieter Pfister, Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, Prof. Dr. Andrea Szczesny, Vizepräsidentin der Universität und Dr. Michael Dörflein, Geschäftsführer der Akademie für Weiterbildung.

Dieter Pfister, IHK Würzburg-Schweinfurt
Dieter Pfister, IHK Würzburg-Schweinfurt

Pfister sprach vor allem über die wirtschaftliche Situation. Er betonte zwar die Krise, bezeichnete aber Mainfranken als eine Insel der Glückseligkeit, getragen vom Mittelstand, der nicht nur nach innen gerichtet ist, sondern auch stark international ausgerichtet sei.

Wie nicht anders zu erwarten thematisierte auch er den Fachkräftemangel. Um dieser Misere zu entgehen, versucht sich jetzt der Mittelstand an einer strategischen Personalentwicklung. Und hierzu gehört nun mal auch die berufliche Weiterbildung.

Er hob hervor, dass die IHK Würzburg-Schweinfurt in Sachen Weiterbildung ein starker Partner der Wirtschaft sei. Es gibt mehr als 200 verschiedene berufliche Weiterbildungsangebote, Lehrgänge, Seminare, Kurse.

Der Bedarf an Weiterbildung steigt. Auch an akademischer Weiterbildung. Auch stellte er fest, dass die Bereitschaft sich weiterzubilden höher ist, je höher der bisherige Abschluss ist. Dass Weiterbildung berufsbegleitend angeboten wird, sei immer wichtiger. Dies ist bei der IHK bereits der Fall.

Pfister betonte, dass die Verschränkung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft weiter gestärkt und neue Lehrformen in den Fokus rücken müssen.

Er schloss damit, dass Deutschland und Mainfranken konjunkturell stabil seien, das internationale Umfeld aber nicht.

Prof. Dr. Andrea Szczesny, Vize-Präsidentin der Uni Würzburg
Prof. Dr. Andrea Szczesny, Vize-Präsidentin der Uni Würzburg

Prof. Dr. Andrea Szczesny sprach wenig über die allgemeine wirtschaftliche Situation, sondern fokussierte sich auf die berufliche Weiterbildung an sich. Sie begann mit ihrer Vita: erst eine Bankausbildung, dann Studium BWL, später Professorin und Vizepräsidentin der Uni. Also eine Frau, die sich weitergebildet hat.

Ihr Vortrag war dreigeteilt: Lebenslanges Lernen: Dürfen oder müssen? – Ökonomische Betrachtung beruflicher Weiterbildung – Akademische Weiterbildung

Lebenslanges Lernen. Längst ist es Alltag geworden. Während wir aber heute alle Möglichkeiten für ständiges Lernen haben und auch die Bereitschaft größer ist denn je, so besteht auf der anderen Seite auch eine Verpflichtung zum permanenten Lernen.

Wer sich dem entzieht, kann im beruflichen Umfeld nicht mehr überleben. So ist das lebenslange Lernen also einerseits eine Chance, andererseits auch eine Pflicht geworden. Einer ihrer Kollegen, Benikowski, betont, dass Lernen heutzutage zu stark an beruflicher Verwertbarkeit orientiert sei.

Saarbrücker Formel
Saarbrücker Formel

Im zweiten Teil ihres Vortrags behandelte Szczesny Konzepte beruflicher Weiterbildung und betrachtete diese vor allem unter ökonomischen Aspekten. So stellte sie die Saarbrücker Formel vor, die mathematisch den Wert von Mitarbeiter-Wissen abzubilden versucht. Ein interessanter Bestandteil der Formel ist der so genannte Abschmelzungsfaktor. Er beschreibt, dass Wissen der beruflichen Ausbildung im Laufe der Zeit immer stärker verschwindet und nur teilweise durch Praxiserfahrung ausgeglichen wird. Folge: Das Wissen wird weniger. Es kann nur durch Weiterbildung aufgefangen werden. Dass schwindendes Wissen auch ökonomische Auswirkungen hat, ist selbstverständlich.

Auch für denjenigen, der an Weiterbildung teilnimmt, hat sie ökonomische Auswirkungen. In der Regel steigt das Gehalt.

Frau Szczesny stellte einige Untersuchungsergebnisse vor. Das wahrscheinlich wichtigste: Externe formale Weiterbildung hat den größten Effekt. Sie liegt weit vor internen Maßnahmen, aber auch weit vor unkoordinierten Lernversuchen.

Im letzten Teil ging sie auf akademische Weiterbildung ein. Dies war sozusagen die Vorlage für den nächsten Redner. Die Lehrmethoden an der Uni haben sich geändert. Und die Uni habe einen besonders hohen Anspruch: „Der Wahrheit verpflichtet.“

Dr. Michael Dörflein
Dr. Michael Dörflein

Als letzter Redner des Abends sprach Dr. Michael Dörflein, der Geschäftsführer der Akademie für Weiterbildung. Weiterbildung sei heute anders als früher, sie sei interaktiver, behauptete Dörflein. Außerdem malte er ein eindrucksvolles Szenario: Um 1800 dauerte es ca. 100 Jahre bis sich das Wissen der Menschheit verdoppelte. 2000 verdoppelte es sich alle fünf Jahre. Inzwischen sind wir bei vier Jahren angekommen. Extrapoliert man die Werte, kann man von einer täglichen Wissensverdopplung im Jahr 2050 ausgehen. Und: alle drei bis vier Jahre ist die Hälfte unseres Wissens wieder veraltet. Schlussfolgerung: Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als permanent zu lernen.

Da der Weiterbildungsmarkt bereits voll ist, braucht die neue Akademie eine klare Positionierung. Diese sieht Dörflein im hohen Niveau und den starken Vernetzungsmöglichkeiten der verschiedenen Fakultäten der Universität. Auch zielt er auf hohe Praxisrelevanz ab.

Es gibt bereits einige Weiterbildungsangebote verschiedener Fakultäten der Universität Würzburg. Jedoch waren diese bisher nicht koordiniert. Dies soll sich mit der Akademie für Weiterbildung ändern. Konkrete neue Angebote gibt es bisher jedoch noch wenige.

Interdisziplinär lernen
Interdisziplinär lernen
Abschlüsse
Abschlüsse

Dörflein skizzierte jedoch Möglichkeiten. Er stellte erneut die Interdisziplinarität heraus, welche die Akademie mit der Universität im Hintergrund glaubhaft darstellen kann. Im Weiteren zeigte er die verschiedenen Unterrichtsmöglichkeiten und ihre jeweiligen Abschlüsse, angefangen von 3- bis 4-tägigen Workshops bis hin zu akademischen Graden im Zusammenspiel verschiedener Seminare.

Wichtig ist ihm der intensive Austausch zwischen Lehrendem und Lernendem und die Möglichkeit, die Weiterbildung berufsbegleitend zu organisieren. Hier setzt er auf Vorbereitung durch E-Medien und Präsenzphasen in Blöcken.

Insgesamt ergibt sich ein schlüssiges Bild. Die Akademie kann den regionalen Bildungsmarkt sicher bereichern.

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Anerkennungsgesetz

AnerkennungsgesetzDas BMBF verkündet im Oktober stolz, das Anerkennungsgesetz sei ein großer Erfolg. Vor einem halben Jahr trat es in Kraft.

Was aber ist das Anerkennungsgesetz?

In Deutschland ist die berufliche Ausbildung genau geregelt. Entweder man beginnt nach der Schule eine staatlich anerkannte Berufsausbildung oder man studiert. Ansonsten hat man – als Ungelernter – bestenfalls Aussichten auf einen Hilfsjob.
Es gibt Regelungen für alle Bereiche: Handwerk, Gesundheitswesen, Handel, Industrie und mehr. Für jeden dieser Bereiche ist eine offiziell benannte Stelle vorhanden, welche die Abschlussprüfungen abnehmen und ein Zeugnis ausstellen darf. Mit diesem erhält man auch seine offizielle Berufsbezeichnung – Bürokaufmann, Altenpfleger, Trockenbaumonteur …

Jeder weiß also sofort, was eine Person gelernt hat (oder gelernt haben soll), wenn sie diese Berufsbezeichnung führt. Falls man es nicht weiß, kann man in einem Verzeichnis (z.B. Berufenet) nachsehen und erhält dort eine Beschreibung. Es handelt sich also um eine Standardisierung der Berufsabschlüsse.
Wie alle Standardisierungen, bringt auch diese Vor- und Nachteile mit sich.

Der Vorteil liegt in der Vergleichbarkeit. Der Nachteil ist, dass wir gewohnt sind, nach dem Abschluss, nach dem Zeugnis zu schauen, um die Fähigkeiten eines Menschen einzuschätzen. Dabei bemühen wir uns häufig nicht, uns selbst ein Bild über die wirklichen Kenntnisse und Fähigkeiten desjenigen zu machen. Hat ein Bewerber einen gewissen Abschluss nicht, ist er nicht kompatibel. Seine Bewerbung wird nicht berücksichtigt.
Manchmal geht es so weit, dass ein Chef vielleicht sogar die entsprechende Weitsicht besitzt, einen Kandidaten zu berücksichtigen, obwohl er nicht den geforderten Abschluss, aber durchaus „das Zeug zu diesem Job“ hat. Aber ihm sind aufgrund von Vorgaben die Hände gebunden. Er kann einen Bewerber nicht einstellen, da er die nötige „Qualifikation“ nicht mitbringt. So gehen dem Arbeitsmarkt viele fähige Fachleute verloren. Manch einer reiht sich in die Schlange der Arbeitslosen ein, obwohl er gute Arbeit leisten könnte.

So viel in Kürze zum deutschen System. Was aber ist mit Ausländern, welche ihren Abschluss in ihrer Heimat erworben haben? Bisher war es jedem Ausländer selbst überlassen, seinen Beruf ins rechte Licht zu rücken. Oder es war dem Arbeitgeber überlassen, aus den vorliegenden Dokumenten – in Übersetzung oder auch im Original – das Richtige herauszulesen.

An dieser Stelle kommt nun das Anerkennungsgesetz ins Spiel. Es soll ausländische Abschlüsse mit den deutschen Abschlüssen vergleichbar machen. Hat einer in Russland im Rahmen einer Ausbildung gelernt, wie man eine Druckmaschine bedient, wird er also hier in Deutschland wohl mit einem Drucker verglichen und sein Abschluss wird dem eines Druckers in Deutschland gleichgestellt. Hat er Brötchen gebacken, wird er als Bäcker betrachtet.

Weiterer, unbestreitbarer Vorteil des Gesetzes ist, dass ausländische Abschlüsse an Wert gewinnen. Während bisher quasi auf jeden ausländischen Abschluss abschätzig herabgeblickt wurde, können Deutsche diese nun einordnen und mit Ihrem Bezugssystem vergleichen.

Aber auch wenn ein Abschluss niedriger eingestuft werden sollte oder nur in Teilen anerkannt wird, kann der deutsche Arbeitsmarkt nun etwas mit der Bezeichnung anfangen und so ist sein Wert vielleicht geringer, als man das selbst sieht, aber er hat eben einen genau benannten Wert.

Und: Wenn einmal eine Entscheidung gefällt wurde, muss nicht jedesmal wieder überprüft werden, mit welchem deutschen Beruf das Angegebene zu vergleichen ist. Das vereinfacht das Verfahren für Arbeitgeber, gibt aber auch dem Arbeitsuchenden Sicherheit. Er muss nun nicht jedes Mal von neuem erklären, was er da eigentlich gelernt hat.

Es gibt aber auch schwierige Fälle, wo im Ausland mit hochtrabenden Titeln, wie Ingenieur herumgeworfen wurde. Hier hätte der Betreffende dann bestenfalls einen Techniker. Es geht also nicht um Abwertung, sondern darum, dem Abschluss den richtigen Wert zu geben. Ob das allerdings funkioniert, bleibt fraglich. Schließlich ist man sich hierzulande teilweise schon nicht einig über den Wert eigener Abschlüsse.

Und was ist mit Abschlüssen, die nun mal keinen Vergleich zulassen? Ich weiß nicht, ob das Bauen von Iglus bei den Inuit eines staatlich geprüften Abschlusses bedarf. Falls ja, kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen, mit welchem deutschen Ausbildungsberuf dies verglichen werden könnte. Dachdecker? Eisformer? Speiseeisbereiter? Und es gibt sicher noch viel gängigere ausländische Ausbildungen, die hier in Deutschland keine wirkliche Entsprechung haben, oder womöglich eine Mischung aus verschiedenen deutschen Berufen darstellen.

Auch ältere Bewerber haben hier wieder einmal häufiger das Nachsehen als jüngere. Denn je länger die Ausbildung zurückliegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es keinen vergleichbaren Beruf gibt.

Hier steht dann unser aktuelles System im Vordergrund, und die Vergleichbarkeit mit diesem. Welche tatsächlichen Fähigkeiten der potentielle Arbeitnehmer hat, wird dabei nicht berücksichtigt. Auch hier gehen dem Arbeitsmarkt unter Umständen wertvolle Arbeitskräfte verloren.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Uneinheitlichkeit des deutschen Systems. Es gibt bundeseinheitliche Berufe, aber auch Berufe, welche durch die Länder geregelt sind, z.B. Lehrer, Ingenieure, Architekten und soziale Berufe. Hier greift das Anerkennungsgesetz nicht.

Allerdings sollen entsprechende Länder-Gesetze auf den Weg gebracht werden.

Immerhin, ausländische Arbeitssuchende haben jetzt einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren. Das ist schon deutlich mehr als vorher. Dies heißt aber noch nicht automatisch, dass ihre Ausbildung auch anerkannt wird. Aber man kann ihnen das Verfahren zumindest nicht verweigern und sie können versuchen, ihren Beruf, ihren Abschluss in unser System zu integrieren.

Das Verfahren funktioniert so: Bei den IHKs wurde eine zentrale Stelle in Nürnberg eingerichtet, um das Anerkennungsgesetz für die IHK-Berufe durchzuführen, die IHK FOSA. Die Mitarbeiter dort bearbeiten die Anträge. Sie überprüfen die Unterlagen, vergleichen sie nach bestem Wissen und Gewissen mit denen ihn vorliegenden Informationen. Und danach treffen sie eine Entscheidung und erstellen einen rechtsverbindlichen Bescheid.

Sie haben schon einige hundert Anträge bearbeitet. Hierfür brauchen sie derzeit maximal drei Monate; ich denke, ein vertretbarer Zeitraum. Aber kostenlos ist der ganze Spaß nicht. Die mehreren hundert Euro werden sicher den ein oder anderen abschrecken, das Verfahren einzuleiten, zumal der Ausgang ja ungewiss ist.

Für mich heißt das: Nachdem in unserer Gesellschaft das „Schein-Denken“ herrscht, ist es gut, dass es das Anerkennungsgesetz gibt, da so auch Ausländer die Chance haben, dass das, was sie bereits geleistet haben, anerkannt wird. Insgesamt finde ich es aber wünschenswert, dass die tatsächliche Leistung und das tatsächliche Wissen stärker berücksichtigt wird als Abschlüsse und Scheine.