Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Warum Scheitern eine Wissenschaft ist – und Spaß machen kann

Buch: Die Kunst des perfekten Scheiterns

In einer Welt, in der Erfolgsgeschichten dominieren und das Streben nach Perfektion allgegenwärtig ist, sticht Christian Riecks Buch „Die Kunst des perfekten Scheiterns“ erfrischend heraus. Als humorvoller Kontrapunkt zu klassischen Ratgebern bietet das Werk 52 ironische Lektionen, die zeigen, wie man große Projekte gezielt und effizient scheitern lässt. Rieck, Professor für Finance und Wirtschaftstheorie, bedient sich seiner Erfahrungen und seines feinen Gespürs für menschliche Schwächen, um ein Standardwerk zu schaffen, das den Leser gleichermaßen unterhält und herausfordert.

Warum Scheitern eine Wissenschaft ist – und Spaß machen kann weiterlesen
Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Erfolg ade? Bildung und das Paradoxon der „0%-Methode“

Die 0% Methode

Buchrezension

Die 0%-Methode – Ein Buch gegen den Selbstoptimierungswahn oder doch nur ein weiterer Ratgeber?

In einer Welt, die von Selfcare und Achtsamkeit geprägt ist, setzt Die 0%-Methode – Mit maximalem Aufwand zu keinerlei Erfolg einen radikalen Kontrapunkt: Hier werden Prokrastination, Scheitern und Müßiggang zur Kunstform erklärt. Unter den Pseudonymen Astrid Scheib und Robin Däutel entlarven die Autoren mit satirischem Biss unser Streben nach Perfektion und zeigen auf, wie gezieltes Versagen als Protest gegen gesellschaftliche Normen verstanden werden kann.

Erfolg ade? Bildung und das Paradoxon der „0%-Methode“ weiterlesen
Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Bildung und Demokratie

Demokratie in die Köpfe

Eine weitere Buchbesprechung | Julian Nida-Rümelin und Klaus Zierer: „Demokratie in die Köpfe. Warum sich unsere Demokratie in den Schulen entscheidet.“

Das Buch besitze ich bereits seit letztem Jahr. Doch da lag es zunächst und verstaubte. Aber nach dem – prognostizierten – Ergebnis der Europawahl, nach unserem Blogbeitrag zur Jugendstudie und Hendriks Beitrag im Vorfeld der Europawahl zu den Bildungszielen der Wahl war die Zeit reif, das Buch zur Hand zu nehmen.

Julian Nida-Rümelin und Klaus Zierer

Julian Nida-Rümelin lehrt Philosophie – Politik – Wirtschaft. Er setzt sich jedoch immer wieder mit der Bildungspolitik und damit mit Bildung auseinander. 2014 schrieb er so zum Beispiel das Buch „Der Akademisierungswahn. Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung.“ Somit war es wohl unvermeidlich, dass er sich mit dem Bereich auseinandersetzt, an dem Bildung und Demokratie aufeinanderstoßen. Unterstützung für dieses Buch erhielt er vom deutschen Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer, sodass man davon ausgehen kann, dass beide Aspekte – Bildung und Demokratie – gleichermaßen fundiert beleuchtet werden.

Und dies geschieht in diesem Buch auch. Wie man es von zwei Wissenschaftlern erwarten darf, definieren sie sowohl Demokratie als auch Bildung, begründen, warum aus ihrer Sicht beide zusammengehören, aufeinander einwirken und schließlich entwickeln sie in einem Fazit Ideen und Vorschläge, wie mit beiden umgegangen werden könnte, um beide Konzepte zum Erfolg zu führen.

Es wird nie offengelegt, welcher der beiden Autoren welchen Teil des Textes verfasst hat oder ob beide gleichermaßen den ganzen Text geschrieben haben. Das ganze Buch ist jedoch in einem durchgängigen Duktus geschrieben und es zerfällt nicht in stilistisch deutlich unterschiedliche Teile.

Es liest sich gut

Es liest sich gut, verfällt also nicht in eine elitäre Wissenschaftssprache, ohne sprachlich jedoch banal zu werden. Allerdings besitzt es Tiefgang, ist inhaltlich dicht und ich werde es sicher noch mindestens ein weiteres Mal lesen, um den Gedankengängen der Autoren noch genauer folgen zu können.

Sicher kann man in einigen Punkten anderer Meinung sein. Jedoch legen sie ihre Überlegungen nachvollziehbar dar und scheuen sich auch nicht, selbst anderer Meinung zu sein als große Denker wie John Rawls oder Jürgen Habermas. Aber so ist es in der Geisteswissenschaft: Man stellt eigene Überlegungen an, leitet her, begründet und stellt diese Ansichten dann zur Diskussion.

Insgesamt hat mich das Buch sehr angesprochen und vielfach zum tieferen Nachdenken angeregt. Der Untertitel wird aus meiner Sicht jedoch nicht eingelöst: „Warum sich unsere Zukunft in den Schulen entscheidet“. Beziehungsweise wird diese These gleich im ersten Kapitel begründet: Die Zukunft (unserer Demokratie) hängt davon ab, dass unsere Bevölkerung eine gut Bildung genießt. Und diese geschieht zum größten Teil in unseren Schulen. Politische, beziehungsweise demokratische Bildung stellt dabei nur einen Teil der nötigen Bildung dar. Von daher mag Titel und Untertitel ein wenig irreführend sein. Denn man sollte sicher nicht nach dem ersten Kapitel mit dem Lesen aufhören.

Bildung und Demokratie

Das erste Kapitel befasst sich also damit, was Bildung und Demokratie miteinander verbindet. Und bereits im Vorwort wird der Bogen dorthin geschlagen, denn schon John Dewey widmete diesem Zusammenspiel an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein Buch: „Democracy and Education“. Auch verweisen die Autoren darauf, dass in allen Bundesländern im Bildungsrecht direkt auf die Demokratie referenziert wird.

Schließlich führen sie Studien an, die belegen, dass Bildung und demokratisches Verständnis direkt miteinander zusammenhängen, beziehungsweise, dass mangelnde Bildung und politische Radikalisierung miteinander korrelieren. Die Autoren zeigen unsere aktuellen gesellschaftlichen Krisen auf: Wirtschaftlich schwierige Zeiten, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Energieabhängigkeit. Und sie zeigen die Krisen in der Bildung auf: Zunächst der PISA-Schock, dann die Bildungsdefizite, die durch Corona-Maßnahmen entstanden. Fasst man dies mit den zuvor dargelegten Erkenntnissen zusammen, ergibt dies „ein gefährliches Amalgam“.

Sie beleuchten das Feld der Medien und wie diese eingesetzt werden. Sie sehen die Sozialen Medien mit ihrer „Blasenbildung“ als kritisch, verteufeln sie jedoch nicht. Denn immerhin haben wir durch die heutigen Möglichkeiten ebenso die Möglichkeit, uns in nie da gewesener Weise zu informieren. Wenn wir dies denn möchten (und können).

Demokratie

Zierer und Nida Rümelin erklären uns im zweiten und dritten Kapitel, was sie unter Demokratie und was sie unter Bildung verstehen. Demokratie ist für sie vor allem die Trias aus Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit. Jedoch muss in Einzelfällen abgewogen werden, welches diese Konzepte möglicherweise den Vorrang vor den anderen hat, um zu einem gerechten Ergebnis zu gelangen.

Sie berücksichtigen dabei sowohl die individuelle, wie auch die kollektive Autonomie. Sie beleuchten ebenso, was aus ihrer Sicht Friedays for Future oder die Letzte Generation mit Demokratie zu tun haben, wie auch der Umgang von Politikern mit Medien, vor allem den Sozialen Medien. Dabei verfallen sie nicht in Polemik, sondern stellen neutral dar und begründen ihre Sicht.

Bildung

In Kapitel drei wagen sie sich an eine Definition von Bildung, etwas, das schon vielfach versucht wurde, sich im Laufe der Geschichte auch immer wieder verändert und wohl nie abgeschlossen wird. Aber diesen Anspruch erheben Nida-Rümelin und Zierer auch gar nicht. Für sie ist jedoch der Begriff der „Autorschaft“ des eigenen Lebens zentral und somit auch wieder der Bezug zur Demokratie, die nur existieren kann, wenn Bürger ein Demokratieverständnis besitzen und „in der Lage [sind], ihre Rechte auf Freiheit und Gleichheit einzulösen und im Sinne kollektiver Selbstbestimmung umzusetzen“.

Ideen für die Zukunft

Im letzten Kapitel machen sie den Blick auf, in eine mögliche Zukunft. Sie betonen dabei, dass ein Buch sicher nicht ausreicht, eine solche Zukunft Realität werden zu lassen. Aber dieses Buch kann sicher helfen, Verständnis zu schaffen und zeigen, dass eine positive Zukunft möglich ist. Und sie geben Anregungen dazu, wie diese erreicht werden könnte. Einige Ansätze dazu existieren bereits, wie sie anhand von Beschlüssen der Kultusministerkonferenz belegen. Demokratie kann gestärkt werden, wenn wir uns für Demokratiebildung entscheiden. Werteerziehung bildet das Fundament hierfür.

Empfehlung

Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Es kann hier nicht in wenigen Sätzen wiedergegeben werden, dazu ist es zu gehaltvoll und nuanciert. Es präsentiert weder einfache Lösungen, noch malt es schwarz. Es beleuchtet differenziert eine Thema – oder auch zwei – das uns alle etwas angeht.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Ach, wie gut, dass niemand weiß …

Rumpelstilzchen

Eine Buchrezension?

Ach, wie gut, dass niemand weiß … Jeder kennt das. Auch wenn heute – soweit ich es beobachte – gar nicht mehr so viel Märchen gelesen oder vorgelesen werden. Aber dieses und viele andere Zitate aus Märchen sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert. Oft wissen wir gar nicht mehr, woher wir das eigentlich haben. Und genau darum dreht sich das Buch von Rolf-Bernhard Essig mit genau dem Titel, den auch dieser Blogbeitrag trägt.

Ein Märchenbuch im Bildungsblog?

Aber was hat das eigentlich mit dem Bildungsblog zu tun? Geht es hier nicht um Bildung, Lernen und solche Themen? Genau! Gerade deshalb ist eine Besprechung dieses Buches hier goldrichtig. Denn über Jahrhunderte hatten Märchen die Funktion, Bildungsarbeit zu leisten, jungen Menschen – aber nicht nur denen – Erkenntnisse zu vermitteln, ein moralischer Kompass zu sein.
Lange war es mit der Verbreitung von schriftlichen Erkenntnissen schlecht bestellt. Zunächst musste jedes einzelne Buch mühsam von Hand geschrieben werden, bis die Einführung des Buchdrucks, des Drucks mit beweglichen Lettern, die Verbreitung geschriebener Texte revolutionierte. Aber auch dann dauerte es noch lange, bis fast jeder:r lesen konnte.
Texte wurden bis es soweit war, ausschließlich mündlich weitergegeben. Und da das menschliche Gehirn auf Geschichten steht, waren es eben Geschichten, die erzählt wurden; phantastische Geschichten, unglaubliche Geschichten, wunderliche Geschichten, Geschichten aus unserem Erfahrungsbereich und außerhalb dessen – eben Märchen.

Jäger und Sammler

Im 19. Jahrhundert begann man dann, diese erzählten Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben. Die bekanntesten dieser Sammler, zumindest in Deutschland, waren die Brüder Grimm. Aber so wertvoll diese Leistung war, die verhinderte, dass Wissensschätze verloren gingen, veränderte dieses Aufschreiben auch etwas: Bei der mündlichen Überlieferung veränderten sich Märchen. Es wurde etwas hinzugefügt, etwas ausgeschmückt, das eine betont, anderes weggelassen. Die Erzählung wurde angepasst; an die Gegebenheiten, an die Region, an die Zeit.
Genau diese Veränderungen fielen weg. In der schriftlichen Fassung musste man sich festlegen, Dinge wurden festgeschrieben und wurden unveränderlich (wenn man davon absieht, dass in unterschiedlichen Ausgaben der Hausmärchen der Brüder Grimm in einigen Texten Anpassungen vorgenommen wurden). Und bei diesen Festlegungen floss natürlich auch der eigene Geschmack der Verfasser ein. Die Brüder glätteten, passten an, veränderten. Rolf-Bernhard Essig geht in seinem Buch auf solche Aspekte immer wieder ein. Er listet nicht lediglich Redewendungen auf und erklärt, woher sie kommen. Was übrigens nicht ausschließlich die Märchen der Brüder Grimm sind, jedoch weit überwiegend.

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Mit seinen rund 160 Seiten ist das Büchlein recht schnell zu lesen. Aber ehrlich gesagt, war diese Seitenzahl auch ausreichend. Es ist interessant zu sehen, woher welche Redewendungen und Sprachbilder kommen. Bei vielen weiß man dies auch. Es ist ganz interessant, das einmal kompakt gezeigt zu bekommen. Auch die Ausführungen über die Arbeit der Brüder Grimm und anderer Märchensammler, die der Autor immer wieder einstreut, sind interessant. Aber irgendwann reicht es dann auch. Es ist sicher aufschlussreich, das Buch einmal zu lesen. Ein zweites Mal wird es wohl nicht auf meiner Leseliste landen. Aber zumindest bereue ich es nicht, mich damit befasst zu haben. Und aus künstlerischer Sicht sind natürlich die Illustriationen von Natašha Kaiser zu erwähnen. Diese holzschnittartigen Bilder gefallen mir ausgesprochen gut und sie werten das Buch auf jeden Fall auf.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Sind Noten noch zukunftsfähig?


Seit Jahrhunderten gibt es Noten und für viele gehören sie fest zur Schule dazu. Doch Studien zeigen, dass Noten großen psychischen Druck auslösen können. Spielt diese Art von Bewertung in der Zukunft noch eine Rolle, oder kann es auch anders gehen?

Schülerinnen und Schüler sind psychisch immer gestresster. Das ergaben gleich mehrere deutsche Studien in den letzten Jahren. Eine Forsa-Studie attestierte 2018 bereits 30 Prozent der Schüler:innen ernsthaften Leistungsdruck – und das vor der Corona-Pandemie. Die neusten PISA-Ergebnisse beziffern die Zahl der Jugendlichen, die „ängstlich“ oder „bedrückt“ im Unterricht sind, auf 14,8 beziehungsweise 16,8 Prozent. Den größten Stress verursacht dabei das eigene Verlangen der Schüler:innen, bessere Noten zu bekommen. Alina, eine Schülerin der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim meint dazu: „Die Benotung meiner Leistung führt dazu, dass ich das Gefühl habe, ich werde als ganze Person darauf reduziert. Deshalb mache ich mir einen riesigen Druck, um ansatzweise stolz auf mich sein zu können.“

Wie also lässt sich der psychische Druck bei Noten mit ihrem eigentlichen Zweck in Verbindung bringen?

Funktion von Schulnoten

Im europäischen Raum gibt es Noten schon seit 450 Jahren. Die ersten Notensysteme wurden dabei in Klöstern entwickelt. Sie führten strenge Zensurensysteme (censura = Kritik, Rüge) in den Klosterschulen ein, vor allem zur Disziplin. Auch in unserer Zeit sollen Noten bestimmte Zwecke erfüllen. Damals wie heute sollen sie zur Motivation dienen. Schüler:innen sollen dazu gebracht werden, dem Unterricht intensiv zu folgen und sich zu benehmen. Außerdem helfen Noten den Eltern dabei, den Lernerfolg ihrer Kinder zu überprüfen. Lehrkräfte können mithilfe von Noten erkennen, wie gut der Lernstoff vermittelt wurde.
Den meisten Stress löst wahrscheinlich die Selektion durch Schulnoten aus. Sie entscheiden darüber, wer auf das Gymnasium geht oder welche Schüler:innen die Real- oder Gesamtschulen besuchen. Eine Frage, die für das weitere Leben sehr entscheidend sein kann. Spätestens bei der Wahl des Studienplatzes spielen Noten eine determinierende Rolle.

Ein Schulweg ohne Noten

Blickt man heute auf alternative Schulformen, findet man durchaus Beispiele, die zeigen, dass es ohne Noten gehen kann. In Deutschland ist die Waldorfschule die bekannteste Schulform. Noten für alle gibt es hier erst in den Abschlussklassen, ein verpflichtendes Sitzenbleiben ist nicht möglich. Trotzdem funktioniert der Unterricht. Auf der Website des Bunds Freier Walldorfschulen heißt es: „Eigeninitiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von äußerem Leistungsdruck, sondern aus lebendigem Interesse und persönlicher Begeisterung.“ Dies gelingt durch Fächer, die mehr mit der Lebensrealität der Schüler:innen zu tun haben. Wer beim gemeinsamen Kochen die sieben Getreidearten kennenlernt und danach selbstgebackenes Brot verzehrt, lernt mehr als durch jedes Arbeitsblatt. Theaterprojekte schulen den sprachlichen Ausdruck der Lernenden. Und durch zwei Fremdsprachen ab Klasse 1 gelingt eine spielerische Sprachförderung. Die Bewertung erfolgt durch individuell abgestimmte Beurteilungsbögen und direkte Gespräche.
Aber wird man ohne Noten denn wirklich auf das Berufsleben vorbereitet, dass ja schließlich geprägt von Kontrolle, Ordnung und Verpflichtungen ist? Nun, zumindest spricht nicht viel dagegen, denn in Waldorfschulen werden viel mehr soziale Kompetenzen gelehrt, die ebenso wichtig für das spätere Leben sind, und Fundament jedes guten Arbeitsverhältnisses.
Andere Länder kennen derweil gar keine Noten. Beispielsweise Finnland, dessen Schüler:innen bei internationalen Vergleichen zu den gebildetsten gehören.

Noten sind nicht objektiv

Das wissenschaftliche Ergebnis zur Notwendigkeit von Noten ist derweil: es gibt keine. Der Pädagoge Hans Brügelmann fand 2006 mit seinem Team heraus, dass Zensuren weder objektiv noch personenunabhängig sind. Ferner spielt bei der Notengebung die Herkunft der Schüler:innen immer noch eine große Rolle. Diese starten schon mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schulzeit. Dass eine ganz unabhängige Leistungsmessung unerreichbar ist, stellten Wissenschaftler:innen in einer 2012 herausgegebenen Studie der Vodafone-Stiftung zu sozialen Ungleichheiten in der Schule fest.
Oftmals lohnt es sich im Leben, das gerade Gültige kritisch zu hinterfragen und nach neuen, besseren Lösungen zu suchen. So auch bei der Notenthematik. Denn Schulnoten sind nicht objektiv, sie sind stets objektifiziert. Sie versuchen, individuelle Leistungen in ein festes Raster zu packen, das Druck auslöst und oftmals demotiviert. Doch schlussendlich lernt man nicht für Noten, man lernt fürs Leben.

Veröffentlicht am Schreibe einen Kommentar

Das Französisch-Battle

Es ist Zeit, ein allseits diskutiertes Thema anzugehen: Die Notwendigkeit des Französischunterrichts. Deswegen kommt heute das große „Französisch-Battle“! Es treten an: mein Französischlehrer gegen David, seines Zeichens ernüchterter Französischschüler im fünften Lernjahr.

Beiden habe ich mal die Frage gestellt, wie sie grundsätzlich zum Französischunterricht an der Schule stehen, warum sie dafür oder dagegen sind und was für sie ein gutes Ausnutzen der Schulzeit bedeutet. Dabei herausgekommen sind zwei ganz unterschiedliche Ansichten.

Mein Französischlehrer findet, dass es im 21. Jahrhundert schlicht und ergreifend nötig sei, viele Sprachen zu sprechen:

Herr Rauschenbach: In der heutigen Welt reicht es nicht aus, nur eine einzige Fremdsprache zu beherrschen. Ein Schüler, der mehrere Sprachen lernt, erhöht seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt im In- und Ausland. Eine andere Sprache lernen bedeutet eine Bereicherung und eine Erweiterung des persönlichen und beruflichen Horizonts. Zudem ist Französisch zusammen mit Englisch die einzige Sprache, die auf allen fünf Kontinenten gesprochen wird – rund 300 Millionen Menschen auf diesen fünf Kontinenten sprechen Französisch. Es ist nach Englisch die Sprache, die am häufigsten gelernt wird, und belegt unter den am meisten gesprochenen Sprachen den sechsten Platz. Nach Englisch ist Französisch auch die Sprache, die weltweit am häufigsten unterrichtet wird, 61 Staaten und Regierungen sind frankophon, d. h. Französisch ist dort Mutter-, oder Verwaltungssprache.           

Diese geflügelten und zugleich wahren Worte dämpft David radikal mit seinen Aussagen. Wobei es eigentlich ganz gut anfing…

David: Seit der 7ten Klasse quäle ich mich schon mit Französisch. Mein größtes Problem mit dem Fach kommt vor Allem von den verschiedenen Lehrkräften, die ich im Laufe der Zeit hatte. Die ersten drei Jahre hatte ich noch Spaß an Französisch, da meine Lehrerin motiviert war und es auch schön den Schülern beigebracht hat. Zu dieser Zeit habe ich mich sogar auf den Französischunterricht gefreut.                                  

Irgendwann allerdings ging es für ihn mit dem Fach radikal bergab:

David: In den nächsten Jahren wurde der Unterricht immer schlimmer, ich hatte Lehrkräfte, welche die ganze Stunde an der Tafel standen, ohne auf Rückfragen zu reagieren, ohne, dass es irgendjemand verstanden hat. Daher habe ich eine immer stärkere Abneigung gegen Französisch entwickelt. Dazu kommt auch noch, dass ich die grundlegende Grammatik nie gelernt habe und jetzt dadurch auch keine Lust habe sie neu zu lernen.                             

Harte Worte. Zugegeben eher gegen einige Französischlehrkräfte, deren Kompetenzen ja immer individuell bewertet werden müssen. Trotzdem erlebe ich, dass es sehr vielen so geht wie David. Ich weiß, auch mein Französischlehrer würde das bestätigen. Grundsätzlich stuft dieser Französisch aber als einfach ein. Die französische Sprache verlange zwar eine gewisse Präzision, durch ihre Vielfalt lassen sich jedoch zahlreiche Nuancen zum Ausdruck bringen und bereits nach einigen Unterrichtsstunden können die Lernenden in Französisch kommunizieren.

Mich hat dieser Satz amüsiert, dehnt er den Begriff von Kommunikation doch sehr weit aus. Und gerade die Nuancen sind es doch, die schlechte Unterscheidbarkeit in der Aussprache von verschiedenen Worten, die die Sprache schwer machen.

Herr Rauschenbach: Insgesamt trägt das Erlernen von Französisch auch zu einem besseren Verständnis von Kultur und Geschichte unseres „Nachbarn“ bei, und macht auch hoffentlich Lust, französische Literatur zu lesen oder Filme im französichen Original zu schauen.        

Vielen in meinem Alter wird es genauso gehen, da bin ich mir sicher. Sich auch im Ausland auszudrücken ist ja nicht zuletzt einfach eine gewaltige Erfahrung, die einen auch neue Eindrücke machen lässt. Und trotzdem gibt es noch mehr Jugendliche, die weder sprachbegabt sind, noch Interesse an der Sprache haben. David meint dazu:

David: Da ich ein sehr technisch fokussierter Schüler bin, würde mich anstatt Französisch ein weiteres naturwissenschaftliches Fach interessieren. Als Beispiel würde mir Maschinenbau bzw. Elektrotechnik für mich als sinnvoller und auch ansprechender vorkommen.

Das Schlusswort dieses kleinen Diskurses gebührt dann meinem Französischlehrer:

Herr Rauschenbach: Französisch lernen bedeutet in erster Linie, eine schöne, vielfältige und melodische Sprache zu lernen, die auch häufig als Sprache der Liebe bezeichnet wird. Französisch ist außerdem eine analytische Sprache, mit der sich ein Gedankengang strukturieren und ein kritischer Geist entwickeln lässt, was besonders in Diskussionen und Verhandlungen von großem Nutzen ist.

Ich finde, man kann beide Ansichten zusammenbringen. Schlicht und ergreifend in einer größeren Wahlmöglichkeit an Fächern in der Schule. Bestimmt fällt das Sprachenlernen auch unter schwereren Bedingungen manchen Schüler*innen einfacher als David. Andererseits würden auch nicht alle in Maschinenbau klarkommen, einem Fachbereich, ohne den unser modernes Leben gar nicht funktionieren würde. Kommen wir also zu einer Lösung – einer Lösung, in der nicht die Pflicht scheinbar sinnvoller Lehrinhalte im Vordergrund steht, sondern praxisnaher und frei wählbarer Unterricht! Diejenige, die diese Fächer wählen, und das aus guten Gründen tun, müssen neben der Grammatik auch die Interaktion lernen, denn niemandem nützen Imparfait und Conditionnel présent, wenn es letztendlich nur Buchstaben auf Lernzetteln sind, und einem dann doch nicht weiterhilft, in der Pariser Innenstadt beim Bäcker.


Foto: kostenlos bereitgestellt von pexels.com

Veröffentlicht am 2 Kommentare

Alles, was du in der Schule nicht lernst – eine Buchrezension

Buchtitel von „Alles, was du in der Schule nicht lernst“
Buchtitel von „Alles, was du in der Schule nicht lernst“
Buchtitel von „Alles, was du in der Schule nicht lernst“

Als Eltern möchten wir, dass unsere Kinder alles lernen, was sie für ihre Zukunft brauchen werden. Dass die Schule das nicht leistet, oder nicht leisten kann, dürfte uns allen klar sein. Es gibt viele praktische Fähigkeiten, die uns im Leben weiterhelfen, die aber in der Schule fast immer vernachlässigt werden, die wir dennoch im Leben brauchen. Genau hier setzt das Buch „Alles, was du in der Schule nicht lernst“ von Catherine Newman an.

Das Buch ist für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren geschrieben und enthält 65 verschiedene Fähigkeiten, die ihnen im täglichen Leben weiterhelfen werden. Diese Fähigkeiten reichen von einfachen Dingen wie „wie man Knoten bindet“ bis hin zu komplexeren Aufgaben wie „wie man ein Formular ausfüllt“. Die Fähigkeiten sind in kurzen Kapiteln beschrieben und werden von schönen Illustrationen (gezeichnet von Debbie Fong) begleitet, die das Verständnis erleichtern.

Alles, was du in der Schule nicht lernst – eine Buchrezension weiterlesen
Veröffentlicht am Ein Kommentar

Physik am Samstag: Gravitationswellen

Interferenz

Dr. Martin Kamp
Dr. Martin Kamp

Wieder einmal war es soweit: Physik am Samstag an der Uni Würzburg. Thema diesmal: Gravitationswellen-Detektoren. Und es war diesmal endlich wieder einmal eine Veranstaltung, der auch Nicht-Eingeweihte gut folgen konnten. Die letzten Male war das leider anders.

Nun gut. Diesmal ging es auch nicht um die Grundfesten der Physik, sondern eigentlich um intelligente Ingenieurs-Leistungen. Aber immerhin gab es für diese Leistung 2017 den Nobelpreis. Aber alles der Reihe nach.

Physik am Samstag: Gravitationswellen weiterlesen