Das Französisch-Battle

Es ist Zeit, ein allseits diskutiertes Thema anzugehen: Die Notwendigkeit des Französischunterrichts. Deswegen kommt heute das große „Französisch-Battle“! Es treten an: mein Französischlehrer gegen David, seines Zeichens ernüchterter Französischschüler im fünften Lernjahr.

Beiden habe ich mal die Frage gestellt, wie sie grundsätzlich zum Französischunterricht an der Schule stehen, warum sie dafür oder dagegen sind und was für sie ein gutes Ausnutzen der Schulzeit bedeutet. Dabei herausgekommen sind zwei ganz unterschiedliche Ansichten.

Mein Französischlehrer findet, dass es im 21. Jahrhundert schlicht und ergreifend nötig sei, viele Sprachen zu sprechen:

Herr Rauschenbach: In der heutigen Welt reicht es nicht aus, nur eine einzige Fremdsprache zu beherrschen. Ein Schüler, der mehrere Sprachen lernt, erhöht seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt im In- und Ausland. Eine andere Sprache lernen bedeutet eine Bereicherung und eine Erweiterung des persönlichen und beruflichen Horizonts. Zudem ist Französisch zusammen mit Englisch die einzige Sprache, die auf allen fünf Kontinenten gesprochen wird – rund 300 Millionen Menschen auf diesen fünf Kontinenten sprechen Französisch. Es ist nach Englisch die Sprache, die am häufigsten gelernt wird, und belegt unter den am meisten gesprochenen Sprachen den sechsten Platz. Nach Englisch ist Französisch auch die Sprache, die weltweit am häufigsten unterrichtet wird, 61 Staaten und Regierungen sind frankophon, d. h. Französisch ist dort Mutter-, oder Verwaltungssprache.           

Diese geflügelten und zugleich wahren Worte dämpft David radikal mit seinen Aussagen. Wobei es eigentlich ganz gut anfing…

David: Seit der 7ten Klasse quäle ich mich schon mit Französisch. Mein größtes Problem mit dem Fach kommt vor Allem von den verschiedenen Lehrkräften, die ich im Laufe der Zeit hatte. Die ersten drei Jahre hatte ich noch Spaß an Französisch, da meine Lehrerin motiviert war und es auch schön den Schülern beigebracht hat. Zu dieser Zeit habe ich mich sogar auf den Französischunterricht gefreut.                                  

Irgendwann allerdings ging es für ihn mit dem Fach radikal bergab:

David: In den nächsten Jahren wurde der Unterricht immer schlimmer, ich hatte Lehrkräfte, welche die ganze Stunde an der Tafel standen, ohne auf Rückfragen zu reagieren, ohne, dass es irgendjemand verstanden hat. Daher habe ich eine immer stärkere Abneigung gegen Französisch entwickelt. Dazu kommt auch noch, dass ich die grundlegende Grammatik nie gelernt habe und jetzt dadurch auch keine Lust habe sie neu zu lernen.                             

Harte Worte. Zugegeben eher gegen einige Französischlehrkräfte, deren Kompetenzen ja immer individuell bewertet werden müssen. Trotzdem erlebe ich, dass es sehr vielen so geht wie David. Ich weiß, auch mein Französischlehrer würde das bestätigen. Grundsätzlich stuft dieser Französisch aber als einfach ein. Die französische Sprache verlange zwar eine gewisse Präzision, durch ihre Vielfalt lassen sich jedoch zahlreiche Nuancen zum Ausdruck bringen und bereits nach einigen Unterrichtsstunden können die Lernenden in Französisch kommunizieren.

Mich hat dieser Satz amüsiert, dehnt er den Begriff von Kommunikation doch sehr weit aus. Und gerade die Nuancen sind es doch, die schlechte Unterscheidbarkeit in der Aussprache von verschiedenen Worten, die die Sprache schwer machen.

Herr Rauschenbach: Insgesamt trägt das Erlernen von Französisch auch zu einem besseren Verständnis von Kultur und Geschichte unseres „Nachbarn“ bei, und macht auch hoffentlich Lust, französische Literatur zu lesen oder Filme im französichen Original zu schauen.        

Vielen in meinem Alter wird es genauso gehen, da bin ich mir sicher. Sich auch im Ausland auszudrücken ist ja nicht zuletzt einfach eine gewaltige Erfahrung, die einen auch neue Eindrücke machen lässt. Und trotzdem gibt es noch mehr Jugendliche, die weder sprachbegabt sind, noch Interesse an der Sprache haben. David meint dazu:

David: Da ich ein sehr technisch fokussierter Schüler bin, würde mich anstatt Französisch ein weiteres naturwissenschaftliches Fach interessieren. Als Beispiel würde mir Maschinenbau bzw. Elektrotechnik für mich als sinnvoller und auch ansprechender vorkommen.

Das Schlusswort dieses kleinen Diskurses gebührt dann meinem Französischlehrer:

Herr Rauschenbach: Französisch lernen bedeutet in erster Linie, eine schöne, vielfältige und melodische Sprache zu lernen, die auch häufig als Sprache der Liebe bezeichnet wird. Französisch ist außerdem eine analytische Sprache, mit der sich ein Gedankengang strukturieren und ein kritischer Geist entwickeln lässt, was besonders in Diskussionen und Verhandlungen von großem Nutzen ist.

Ich finde, man kann beide Ansichten zusammenbringen. Schlicht und ergreifend in einer größeren Wahlmöglichkeit an Fächern in der Schule. Bestimmt fällt das Sprachenlernen auch unter schwereren Bedingungen manchen Schüler*innen einfacher als David. Andererseits würden auch nicht alle in Maschinenbau klarkommen, einem Fachbereich, ohne den unser modernes Leben gar nicht funktionieren würde. Kommen wir also zu einer Lösung – einer Lösung, in der nicht die Pflicht scheinbar sinnvoller Lehrinhalte im Vordergrund steht, sondern praxisnaher und frei wählbarer Unterricht! Diejenige, die diese Fächer wählen, und das aus guten Gründen tun, müssen neben der Grammatik auch die Interaktion lernen, denn niemandem nützen Imparfait und Conditionnel présent, wenn es letztendlich nur Buchstaben auf Lernzetteln sind, und einem dann doch nicht weiterhilft, in der Pariser Innenstadt beim Bäcker.


Foto: kostenlos bereitgestellt von pexels.com

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