Am letzten Samstag war es wieder einmal so weit. Die Uni Würzburg lud zur Physik am Samstag ein. Laut Professor Vladimir Dyakonov, der die Veranstaltung kommentierte und begleitete, läuft die Veranstaltungsreihe bereits seit 14 Jahren.
Wie Dyakonov nach der Vorlesung betonte, war das, was Professor Batke präsentierte, in etwa der Stoff, den Physikstudenten in einem ganzen Semester vermittelt bekommen. Und so dauerte der Vortrag auch – trotz Überspringen einiger Folien und Weglassen einiger Versuche – über zwei Stunden anstelle der sonst üblichen einen Stunde.
Mir gefiel der Vortrag ganz gut, auch wenn ihm ein wenig „didaktische Reduktion“ sicher gut getan hätte. Funktionsweise, Herstellung und philosophisch-moralische Implikationen von Halbleitern jeweils recht umfassend darzustellen, war einfach eine große sehr Aufgabe.
Ich habe versucht, den knackigen Inhalt einigermaßen in eine Sketchnote zu gießen.
Gestern beendeten wir auch die Kursfindungstage bei den Wirtschaftsfachwirten in Schweinfurt. Diesmal hatten wir beide Gruppen – Montag und Dienstag die Würzburger, Freitag und Samstag die Schweinfurter – kurz hintereinander. Und wieder konnten wir Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellen.
Die Teilnehmer aus Schweinfurt scheinen zielgerichteter zu sein; aber damit auch gleichzeitig verhafteter in schulischen Strukturen, stärker auf den Abschluss, auf das Zeugnis orientiert. Die Würzburger Teilnehmer scheinen dafür offener zu sein; sie nehmen einen Rat eher an. Aber beide Ausrichtungen haben ihre Qualität.
Es hat – und ich denke, nicht nur uns – wieder viel Spaß gemacht. Und wir konnten wieder einige Denkprozesse in Gang setzen. Das konnte man deutlich spüren.
Inzwischen haben wir die Veranstaltung etwas modifiziert. Bereits in Würzburg, Anfang der Woche, hatten wir mehr Elemente zum Kennenlernen und zur Teambildung integriert, sowie das Thema Lernen und Lernmotivation. In Schweinfurt kamen nun noch spontan Mnemotechniken hinzu. Das hatte gut gepasst.
Es gibt noch so viele Themen, die wir den Teilnehmern vermitteln könnten. Aber die Zeit – und auch die Aufnahmekapazität der Teilnehmer – ist begrenzt. Mehr als einen Anstoß können wir nicht geben. Aber dies haben wir definitiv erreicht.
Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs im Frühjahr.
Die zwei Kursfindungstage beim aktuellen Wirtschaftsfachwirt-Lehrgang sind zu Ende. Es waren wieder zwei sehr intensive Tage für Tom, Dirk und mich. Und ich denke, auch für die Teilnehmer.
Leider darf ich hier keine der Fotos veröffentlichen. Aber wenigstens die Sketchnote, die während der Veranstaltung entstanden ist, lässt ein bisschen was von der Stimmung erahnen.
Sketchnote Kursfindungstage
Die klassischen Kennenlern- und Team-Übungen waren lediglich der sanfte Einstieg, auch wenn gerade das gegenseitigen Kennenlernen den Teilnehmern wichtig war. Was wird da draußen von der Wirtschaft von einem Wirtschaftsfachwirt erwartet? Warum sollte sich ein Personaler ausgerechnet für mich entscheiden? Waren die ersten Fragen, mit denen wir die Teilnehmer konfrontierten.
Beim folgenden Spiel „Wertvoll“ stand dann scheinbar der gemeinsame Spaß im Vordergrund, wenn es für Verwirrung sorgte, dass die Spielregeln am neuen Tisch anders waren, als die des Tisches, von dem man kam. Die Reflexionsrunde schaffte wieder Klarheit.
Nach der Mittagspause ging es dann eher spielerisch weiter. Abschluss des Nachmittags war die Wertschätzungsrunde. Und nicht jeder fühlte sich wohl, wertschätzende Kommentare über andere zu äußern, aber auch zu empfangen. Dies sind wir in unserer Gesellschaft einfach nicht gewohnt.
Zweiter Tag: Ein kurzes Blitzlicht, dann aufteilen auf drei Gruppen: Traumreise und Vision vom erfolgreichen Ausgang. Timeline mit den künftigen, wichtigen Etappen des Kurses. Mini-Assessment-Center: Seenot. Alles Bausteine, die beim Durchhalten helfen können, die zeigen, wie es hoffentlich am Ende sein wird; und dass es wichtig ist, die Herausforderung auch als Gruppe zu meistern.
Verschiedene Denkanstöße zum Thema „Führen“ aus Dirks Pferdecoachings. Und dann noch eine geballte Ladung Begeisterung fürs Lernen: Wie schaffe ich es, die Dinge, die mich begeistern, mit meinem Lernen zu verbinden?
Die Möglichkeit, mit einem Buddy zusammenzuarbeiten; das „Kursbuch“, eine DIN-A-4-Kladde, um alles im Rahmen des Lehrgangs festzuhalten. Zum Schluss noch der Brief an sich selbst, an sein zukünftiges ich. Und eine letzte Feedbackrunde.
Uns hat es Spaß gemacht. Und ich denke, den Teilnehmern auch, wenn ich richtig in den Gesichtern gelesen habe. Aber ich habe dort auch viel Nachdenklichkeit gelesen. Ich hoffe, wir konnten einige hilfreiche Denkanstöße setzen, die unsere Teilnehmer raus aus der Konsumentenhaltung rein in eine Selbstverantwortung bringen.
Dies ist der dritte Kurs, in dem wir die Kursfindungstage durchführten. Beim ersten Lehrgang kommen in den nächsten Wochen die ersten Prüfungsergebnisse zurück. Ich bin gespannt, ob man auch aus diesen eine Veränderung ablesen kann. Am Verhalten der Teilnehmer konnte ich diese Veränderung definitiv schon feststellen.
Am zweiten Tag der Fachtagung wird es deutlich anarchischer. Es gibt keine Vorträge mehr, sondern ein Barcamp. Ich gestehe: Es ist mein erstes Barcamp. Aber es klingt spannend und passt gut zu meiner sonstigen, präferierten Arbeitsweise.
Karlheinz Pape moderiert das Barcamp an
Alle verbliebenen ca. 100 Teilnehmer – in gut Barcamp-Sprech: Teilgeber – stellen sich kurz vor: Vorname, Ort, Einrichtung und die obligatorischen drei Hashtags. Karlheinz Pape, der Erlangener Berliner moderiert an.
Und danach werden die Sessions angeboten. Lediglich zwei finden keinerlei Zuspruch. Alle anderen kommen an den großen Wandplan und werden auf Zeit und Räume verteilt.
Barcamp-Plan
Auch mein Sessionvorschlag wird angenommen. Ich habe das Gefühl, dass viele Bildungsträger sich bemühen, modernere Lernformen in ihre Angebote zu integrieren. Aber viele Teilnehmer wollen das (aufgrund ihrer Lernbiographien?) gar nicht. Sehe nur ich das so? Wie kann man damit umgehen? Welche Perspektiven und Denkansätze gibt es dazu?
Und ich bin mit meiner Session gleich in der ersten Runde dabei. Es entwickelt sich eine lebhafte Diskussion und ich nehme viele Anregungen mit nach Hause. Auch Prof. Ingeborg Schüßler befindet sich in meiner Session und so erhalte ich genau den Input, den ich mir gewünscht hatte.
Eine viertel Stunde Pause. Kurzer Austausch mit dem IHK-Kollegen aus Dresden. Und dann geht es schon weiter mit der nächsten Session. Ich entscheide mich für Sandras und Carolins Session „Sketchnotes“. Ich hatte anfangs schon die Sorge, dass sie parallel zu meiner Session laufen würde. Aber Glück gehabt.
Sketchnote zur Barcamp-Session „Sketchnotes“
Ich sketche zwar schon die ganze Zeit fleißig mit, aber da ist noch viel Luft nach oben. Und die Sketchnotes, die Sandra (@sandra_dirks) während der Fachtagung twitterte, haben mir gefallen. Da kann ich noch etwas lernen!
Sandra Dirks und Carolin Kram (@sandra_dirks @buecherkram)
Sandra Dirks und Carolin Kram (@buechekram) machen das sehr schön. Typisch Barcamp ist diese Session spontan entstanden und nicht vorbereitet. Aber das macht den Reiz aus. Nicht didaktisch vorbereitet, aber mit viel Herzblut und auf den Punkt gebracht. Ich denke, an meinen Sketchnotes sieht man, dass es mir auf jeden Fall etwas gebracht hat. 🙂
Sketchnote zur Barcamp-Session „Social Media Guidelines“
Viertel Stunde Pause. Sketchnote noch etwas rund schleifen, twittern, auf zur nächsten Session. Nina Oberländer von der vhs Bremen teilt mit uns ganz praktische Erfahrungen: „Social Media Guidelines“. Bei der vhs Bremen heißen diese sympatischerweise „Unsere Facebook Fibel“. Eine sehr schöne Session. So kann man mit Richtlinien also auch umgehen.
Mittagspause in der „Hechelei“. Auch wieder ein sehr schönes Ambiente. Das Essen ist lecker und schon wieder stehe ich bei anderen Tagungsteilnehmern. Auch hier entsteht wieder ein nettes Gespräch. Wir brauchen die Pause. Ganz schön viel Input. Ganz schön intensiv. Aber schließlich geht es doch weiter. Letzte Runde.
Sketchnote der Barcamp-Session „Lernräume“
Ich entscheide mich für die Session von Reiner Stefan „Lernräume“. Ein gelungener Abschluss, wenn man davon ausgeht, dass der Titel der Veranstaltung „Erweiterte Lernräume“ ist. Nur sind diesmal nicht die digitalen Medien und das Web gemeint, sondern ganz reale Räume. Was lässt sich durch Räume, ihre Einrichtung, ihre Farbgestaltung bewirken? Wie reagieren Lerner darauf?
Und dann ist alles auch schon recht schnell vorbei. Kurze abschließende Worte von Karlheinz Pape. Schlusspunkt durch Arndt Bertelsmann. Und dann verstreuen sich alle in alle Winde. Schade. Aber ich denke, es gibt viel zu verarbeiten. Und es war für (hoffentlich) alle ein großer Gewinn. Für mich sicher.
Danke an den Verlag. Danke an Joachim Höper, der durch die zwei Tage führte. Danke an alle Vortragenden und Teilgeber. Zwei Tage, die mir viel gebracht und viel Spaß gemacht haben.
Am 29. und 30. Oktober 2014 veranstaltet der W.-Bertelsmann-Verlag unter dem Titel „Perspektive Didaktik – Bildung in erweiterten Lernwelten“ zum zehnten Mal seine Fachtagung zu Bildungsthemen.
Das Programm des ersten Tags in der Ravensberger Spinnerei
Parallele Foren
Forum 1: Didaktik & Curriculum
Forum 2: Ermöglichungsdidaktik
Forum 3: Didaktisches Design
Diskussionsrunde: Welche Rolle spielt die Didaktik im Web?
Moderation: Jasmin Hamadeh, das e-Teaching Büro, Hamburg
Diskutanten:
Martin Lindner, Wissmuth, Freising
Lars Kilian, Technische Universität Kaiserslautern
Abendveranstaltung und Preisverleihung Hermann-Schmidt-Preis
in der Hechelei Bielefeld hermann-schmidt-preis.de
Mein erstes Mal bei der Fachtagung des Bertelsmann-Verlags. Aber sicher nicht mein letztes Mal. Eine rundum gelungene, spannende Veranstaltung. Dies geht los bei der Location, über die interessanten Teilnehmer, mit denen man schnell ins Gespräch kommt und geht bis zu den Vorträgen.
Im ersten Impulsvortrag spricht Martin Lehner über die Didaktische Reduktion. Es bleibt jedoch nicht reine Theorie, sondern er schafft es selbst, sein Thema auf das Wesentliche zu reduzieren. Toll und inspirierend.
Und hochkarätig geht es mit dem zweiten Impulsvortrag weiter. Jörn Lowiscach zeigt, wie das Web als sinnvolle Ergänzung zu Präsenzunterricht eingesetzt werden kann. Fazit: PowerPoint und Co. kommen gar nicht in Frage. Die Perfektion liegt in der Imperfektion: Handgekritzelte Kommentare und Zeichnungen vor geleckten Präsentationen.
Während der Vorträge werden alle Twitter-Posts mit Hashtag #wbvft auf Leinwände projiziert. Und es wird permanent getwittert. Spannend, was da auch im Publikum alles passiert.
Nach einer Kaffeepause geht es in den Forenblock, aus dem man sich aus insgesamt neun Vorträgen seine drei Favoriten zusammenstellen kann. Ich entscheide mich für
Auch die drei Vorträge, die ich besuche sind wieder sehr informativ. Der wbv hat hier wirklich hochkarätige Redner unter Vertrag genommen. Ich notiere, was das Zeug hält und nehme jede Menge Ideen mit nach Hause.
In der abschließenden Diskussionsrunde moderiert Jasmin Hamadeh das Gespräch zwischen Martin Lindner und Sven Kilian. Braucht das Web Didaktik? Zwei sehr konträre Positionen.
Nach der Fachtagung lädt der Verlag in die Hechelei nebenan zur Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises. Es werden dieses Jahr vier Kandidaten geehrt, welche sich durch besondere Projekte der Inklusion in der beruflichen Ausbildung ausgezeichnet haben. Ein schönes Zeichen für nachahmenswerte Aktionen und Konstellationen.
Ich sitze mit Martin Lindner am Tisch. Nachdem ich mich schon auf Google+ mit ihm ausgetauscht hatte, habe ich nun die Gelegenheit zur realen Diskussion. Ein gelungener Ausklang für einen gelungenen Tag.
Ich habe mich bereits mit Mnemo-Techniken beschäftigt. Ich habe ein Seminar besucht. Und es war ganz in Ordnung. Einkaufsliste lernen. Namen lernen. Aber so richtig konnte es mein Interesse nicht wecken.
Zu weit weg von der Praxis. Zu selten, dass man etwas auswendig lernen muss. Meistens geht es bei mir eher darum, Sachverhalte zu verstehen, Hintergründe, Zusammenhänge. Oder Fähigkeiten zu erwerben.
Aber ich muss sagen: Innerhalb kurzer Zeit war ich begeistert. Er ist ein guter Redner. Es machte Spaß ihm zuzuhören, mit ihm „zu arbeiten“. Sehr sympathisch, sein Schweizer Dialekt.
Gregor Staub auf der Bühne
Ja, auch er versuchte zu verzaubern mit „Gedächtnis-Tricks“: „Wir lernen jetzt die letzten zehn amerikanischen Präsidenten.“ „Zehn Namen merken und mit Personen verbinden.“ „Auf Thailändisch bis zehn zählen.“ Aber er schaffte es, dass das ganze Publikum mitmachte. Er schaffte es, dass ich innerhalb von wenigen Minuten Inhalte lernte, die ich sonst in langer Zeit nicht hätte lernen können.
Seine Techniken zeigen wahnsinnig schnelle Ergebnisse. Er hält sich nicht lange auf mit Erklärungen. Er macht. Und wir machen mit. Und er schafft es, dass man – zumindest – das Gefühl hat, man kann diese Techniken auch auf Inhalte, die im Alltag zählen, zu übertragen: Vor einer Veranstaltung Namen in großer Menge auswendig lernen, Vokabeln lernen, einen mentalen Spickzettel für die Schule oder auch für eine Rede anlegen.
Und man hat das Gefühl, dass er weiß, wovon er spricht. Er lässt einen teilhaben an seinen „Tricks“, hat vieles schon ausprobiert, durchdacht und gut vorbereitet. Ja, man muss arbeiten, trainieren, selbst arbeiten. Aber sein Wissen hilft und unterstützt.
Okay, er machte natürlich auch ganz schön Verkaufs-Show. Er verlangte für seinen zweistündigen Auftritt (und vorher für vier Auftritte vor den Schülern) nichts. Klar, dass er versuchte, über den Verkauf seines Programms auf CDs wieder einen Teil seiner Gage hereinzuholen. Aber er machte es sehr witzig und sympathisch.
Ich werde seine Techniken ausprobieren. Und ich werde hier weiter darüber berichten.
10. April 2013, Würzburg: – Auftaktveranstaltung der Akademie für Weiterbildung.
Die Julius-Maximilian-Universität Würzburg bietet schon seit einigen Jahren verschiedene Weiterbildungen an. Jetzt ruft sie die „Akademie für Weiterbildung“ aus der Taufe, um die Angebote zu bündeln und koordiniert auszubauen. Am Mittwoch, 10.4., wurde die Akademie der Öffentlichkeit vorgestellt.
Auch wenn das Ganze offiziell unter „Akademische Weiterbildung“ läuft, möchte die Uni Würzburg auch Angebote für Nichtakademiker schaffen.
Pfister sprach vor allem über die wirtschaftliche Situation. Er betonte zwar die Krise, bezeichnete aber Mainfranken als eine Insel der Glückseligkeit, getragen vom Mittelstand, der nicht nur nach innen gerichtet ist, sondern auch stark international ausgerichtet sei.
Wie nicht anders zu erwarten thematisierte auch er den Fachkräftemangel. Um dieser Misere zu entgehen, versucht sich jetzt der Mittelstand an einer strategischen Personalentwicklung. Und hierzu gehört nun mal auch die berufliche Weiterbildung.
Er hob hervor, dass die IHK Würzburg-Schweinfurt in Sachen Weiterbildung ein starker Partner der Wirtschaft sei. Es gibt mehr als 200 verschiedene berufliche Weiterbildungsangebote, Lehrgänge, Seminare, Kurse.
Der Bedarf an Weiterbildung steigt. Auch an akademischer Weiterbildung. Auch stellte er fest, dass die Bereitschaft sich weiterzubilden höher ist, je höher der bisherige Abschluss ist. Dass Weiterbildung berufsbegleitend angeboten wird, sei immer wichtiger. Dies ist bei der IHK bereits der Fall.
Pfister betonte, dass die Verschränkung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft weiter gestärkt und neue Lehrformen in den Fokus rücken müssen.
Er schloss damit, dass Deutschland und Mainfranken konjunkturell stabil seien, das internationale Umfeld aber nicht.
Prof. Dr. Andrea Szczesny, Vize-Präsidentin der Uni Würzburg
Prof. Dr. Andrea Szczesny sprach wenig über die allgemeine wirtschaftliche Situation, sondern fokussierte sich auf die berufliche Weiterbildung an sich. Sie begann mit ihrer Vita: erst eine Bankausbildung, dann Studium BWL, später Professorin und Vizepräsidentin der Uni. Also eine Frau, die sich weitergebildet hat.
Ihr Vortrag war dreigeteilt: Lebenslanges Lernen: Dürfen oder müssen? – Ökonomische Betrachtung beruflicher Weiterbildung – Akademische Weiterbildung
Lebenslanges Lernen. Längst ist es Alltag geworden. Während wir aber heute alle Möglichkeiten für ständiges Lernen haben und auch die Bereitschaft größer ist denn je, so besteht auf der anderen Seite auch eine Verpflichtung zum permanenten Lernen.
Wer sich dem entzieht, kann im beruflichen Umfeld nicht mehr überleben. So ist das lebenslange Lernen also einerseits eine Chance, andererseits auch eine Pflicht geworden. Einer ihrer Kollegen, Benikowski, betont, dass Lernen heutzutage zu stark an beruflicher Verwertbarkeit orientiert sei.
Saarbrücker Formel
Im zweiten Teil ihres Vortrags behandelte Szczesny Konzepte beruflicher Weiterbildung und betrachtete diese vor allem unter ökonomischen Aspekten. So stellte sie die Saarbrücker Formel vor, die mathematisch den Wert von Mitarbeiter-Wissen abzubilden versucht. Ein interessanter Bestandteil der Formel ist der so genannte Abschmelzungsfaktor. Er beschreibt, dass Wissen der beruflichen Ausbildung im Laufe der Zeit immer stärker verschwindet und nur teilweise durch Praxiserfahrung ausgeglichen wird. Folge: Das Wissen wird weniger. Es kann nur durch Weiterbildung aufgefangen werden. Dass schwindendes Wissen auch ökonomische Auswirkungen hat, ist selbstverständlich.
Auch für denjenigen, der an Weiterbildung teilnimmt, hat sie ökonomische Auswirkungen. In der Regel steigt das Gehalt.
Frau Szczesny stellte einige Untersuchungsergebnisse vor. Das wahrscheinlich wichtigste: Externe formale Weiterbildung hat den größten Effekt. Sie liegt weit vor internen Maßnahmen, aber auch weit vor unkoordinierten Lernversuchen.
Im letzten Teil ging sie auf akademische Weiterbildung ein. Dies war sozusagen die Vorlage für den nächsten Redner. Die Lehrmethoden an der Uni haben sich geändert. Und die Uni habe einen besonders hohen Anspruch: „Der Wahrheit verpflichtet.“
Dr. Michael Dörflein
Als letzter Redner des Abends sprach Dr. Michael Dörflein, der Geschäftsführer der Akademie für Weiterbildung. Weiterbildung sei heute anders als früher, sie sei interaktiver, behauptete Dörflein. Außerdem malte er ein eindrucksvolles Szenario: Um 1800 dauerte es ca. 100 Jahre bis sich das Wissen der Menschheit verdoppelte. 2000 verdoppelte es sich alle fünf Jahre. Inzwischen sind wir bei vier Jahren angekommen. Extrapoliert man die Werte, kann man von einer täglichen Wissensverdopplung im Jahr 2050 ausgehen. Und: alle drei bis vier Jahre ist die Hälfte unseres Wissens wieder veraltet. Schlussfolgerung: Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als permanent zu lernen.
Da der Weiterbildungsmarkt bereits voll ist, braucht die neue Akademie eine klare Positionierung. Diese sieht Dörflein im hohen Niveau und den starken Vernetzungsmöglichkeiten der verschiedenen Fakultäten der Universität. Auch zielt er auf hohe Praxisrelevanz ab.
Es gibt bereits einige Weiterbildungsangebote verschiedener Fakultäten der Universität Würzburg. Jedoch waren diese bisher nicht koordiniert. Dies soll sich mit der Akademie für Weiterbildung ändern. Konkrete neue Angebote gibt es bisher jedoch noch wenige.
Interdisziplinär lernenAbschlüsse
Dörflein skizzierte jedoch Möglichkeiten. Er stellte erneut die Interdisziplinarität heraus, welche die Akademie mit der Universität im Hintergrund glaubhaft darstellen kann. Im Weiteren zeigte er die verschiedenen Unterrichtsmöglichkeiten und ihre jeweiligen Abschlüsse, angefangen von 3- bis 4-tägigen Workshops bis hin zu akademischen Graden im Zusammenspiel verschiedener Seminare.
Wichtig ist ihm der intensive Austausch zwischen Lehrendem und Lernendem und die Möglichkeit, die Weiterbildung berufsbegleitend zu organisieren. Hier setzt er auf Vorbereitung durch E-Medien und Präsenzphasen in Blöcken.
Insgesamt ergibt sich ein schlüssiges Bild. Die Akademie kann den regionalen Bildungsmarkt sicher bereichern.
Die Learntec ist vorbei. An einem der drei Messetage habe ich mir die Leitmesse für professionelle Bildung, Lernen und IT in Karlsruhe angesehen.
Gesamteindruck
Die Reise dorthin war ganz angenehm. Die Zugverbindung nach Karlsruhe ist brauchbar. Lediglich das Messegelände liegt etwas außerhalb. Aber dafür hat der Veranstalter einen gut funktionierenden Bus-Shuttleservice eingerichtet.
Der Veranstaltungsort ist attraktiv; die moderne Architektur mit ihrer hoch gewölbten, holzverkleideten Decke erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Die Aufteilung der Stände ist großzügig und lässt genug Raum zum Gehen, Stehenbleiben und Schauen.
Die gesamte Messe ist in einer einzigen Halle untergebracht. Man schafft es also bequem, alle Aussteller, die man sehen möchte, an einem einzigen Tag zu besuchen – außer man will an vielen Vorträgen des umfangreichen Kongress-Programms teilnehmen.
Aussteller/Themen
Thematisch ist die Learntec sehr vielfältig. Man findet hier so ziemlich aus jedem Bereich der Branche meist mehrere Anbieter. So tummeln sich hier Personal- und Recruiting-Unternehmen neben Anbietern von Lernplattformen, Serious-Games-Unternehmen und Produktionsfirmen von Lernfilmen. Teilweise steht man ein wenig hilflos vor den Ständen, da nicht alle es schaffen, ihr Angebot entsprechend zu präsentieren und auf den Punkt zu bringen. Aber dies ist eher ein generelles Problem von Messen.
Für mich ist der Messebesuch ein erstes Orientieren innerhalb der Branche. Ich komme nicht mit dem Anspruch hierher, die neuesten Entwicklungen der XY-Programme oder neue Tendenzen im Aufbereiten von Lerninhalten zu sehen, sondern möchte mir einen ersten Überblick verschaffen. Und hierfür ist die Messe gut geeignet.
Allerdings bin ich etwas enttäuscht, dass kaum etwas zu Mobile Learning zu finden ist. Aber dies bestätigt meine Einschätzung, dass die Anbieter noch ein bisschen hilflos diesem Thema gegenüberstehen. Lediglich einen konnte ich finden, der ein Modul entwickelt hat, um über MOODLE Inhalte zu schreiben, die dann auf mobile Endgeräte gepostet werden.
Vorträge
Neben den Ausstellern bietet die Messe ein umfassendes Vortrags-Programm in verschiedenen Arealen. Im Bereich Games@Learntec gibt es vieles über Spiele im Zusammenhang mit Lernen zu hören. Im Bildungsforum wird unterschiedlichstes präsentiert, zum einen ein hochkarätiges kostenpflichtiges Programm. Aber auch die kostenlosen Vorträge können sich sehen lassen.
Zwei der Games@Learntec-Vorträge gefallen mir besonders gut. Zum einen der von Prof. Dr. Alexander Unger, der sich mit dem Thema „Modding“ auseinandersetzt, also dem Modifizieren von bestehenden Spielen. Es geht ihm hier weder um Lernspiele, noch um das Lernen mit Spielen, sondern um eine ganz eigene Form des Lernens. Die Modder schließen sich zu virtuellen Teams zusammen und lernen neben sozialen Kompetenzen, die zur Zusammenarbeit nötig sind, auch Projektmanagementfähigkeiten, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und ähnliches. Einige recherchieren darüber hinaus auch sorgfältigst, um zum Beispiel historisch korrekte Details in Spieleausstattungen unterzubringen. Sie lernen also ganz konkrete Inhalte.
Aber auch den Aspekt, Spiele und andere Programme über YouTube-Videos zu erlernen finde ich spannend. Neben den professionellen Anbietern sind auch hier immer mehr ambitionierte Laien am Werk, die anderen Anwendern helfen und sich sicher auch ein Stück weit selbst verwirklichen wollen: Die neuen Medien lassen sich nicht nur nutzen, sondern bieten auch die Möglichkeit, sich selbst einzubringen. Sie sind modifizierbar und man kann seinen eigenen Ausdruck realisieren.
Martin Nerurkar von Sharkbomb Studios, Karlsruhe, präsentiert den zweiten spannenden Vortrag. Der Titel ist „Der perfekte Baukasten – Wie kann ich selbst Welten gestalten? Was ist der Reiz?“. Wobei: Er lässt sich eigentlich über das Thema Story Worlds aus. Dieser Begriff kommt aus der Filmindustrie, wo es darum geht, dass eigene „Universen“ ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, bestimmte, am besten gut wiedererkennbare Elemente und eine eigene Optik besitzen.
Dies ist zwar für die Erstellung eines guten Spiels nicht zwingend, aber auf jeden Fall ein vielversprechender Ansatz. Durch eine StoryWorld kann ein Spiel eine zusätzliche Bedeutung erhalten. Auch steigt durch eine ansprechende Story World die Motivation für ein Spiel extrem an. Und damit sind wir wieder in einem ganz spannenden Bereich des Lernens.
Im dritten Vortrag – diesmal im Bildungsforum – wirbelt Stefan Frädrich, der Erfinder des inneren Schweinehundes „Günter“ durch den Raum. Es geht in dem einstündigen Vortrag allerdings nicht nur um den inneren Schweinehund; vielmehr ist es ein Schweinsgalopp durch die Themen Gewohnheiten, Lernen und Motivation. Seine Aussage: „Lernen ist das Üben mit Herausforderungen!“
Zum Ende fordert Frädrich seine Zuhörer auf, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Denn Lebenszeit misst sich in Ereignissen, nicht in Tagen. Also sollte man versuchen, möglichst viele Ereignisse zu produzieren. Ein toller, motivierender Vortrag. Erstklassig.
Fazit
Alles in allem ist die Learntec eine empfehlenswerte Messe. Ich werde sie wohl auch nächstes Jahr besuchen.