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Zeit für Gedanken

Bob Blume Lesen. Schreiben.

Eher Gedanken als eine Rezension zu „Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“ von Bob Blume.

Wir alle haben Vorurteile. Nicht alle werden bestätigt.

Bob Blume. Im Klappentext wird er als Bildungsaktivist beschrieben, in den Sozialen Medien als Netzlehrer bekannt. Ich war noch nie über ihn gestolpert und das, obwohl ich mich seit einigen Jahren mit Bildung beschäftige. Allerdings gingen für mich bereits vor einigen Jahren Bildung und soziale Medien getrennte Wege. Klar, Bildung muss mit der Zeit gehen, sollte gerade die jungen Menschen erreichen. Also sind soziale Medien der vermeintlich logische Schritt.

Allerdings stehen die sozialen Medien für mich inzwischen vor allem für Selbstdarstellung, Schnelllebigkeit, Oberflächlichkeit; alles Themen, die aus meiner Sicht nicht recht zu Bildung passen. Damit hatte ich sofort ein Vorurteil über diesen Bob Blume im Kopf: Influencer. Und das im Bereich Bildung. Na ja, dazu passte dann ja auch das Foto von ihm auf dem Cover des Buchs.

Und das, obwohl der Titel des Buchs sehr interessant klang: „Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“. Nun gut. Ich hatte mir vorgenommen, das Buch zu lesen. Und es ist sehr dünn. Ich würde es wohl schnell gelesen haben und dann könnte ich ja einen Verriss hier in meinem Blog schreiben.

Bob Blume Bestseller-Autor
Bob Blume Bestseller-Autor

Also begann ich zu lesen. „Die Kraft der Worte“ Und der Text hatte mich bereits mit den ersten Worten in seinen Bann gezogen. Jemand, der sonst in den sozialen Medien schreibt, schreibt in einem gedruckten Buch, schreibt über Langsamkeit, darüber, dass das Lesen von langen Texten, Artikeln, Büchern, beim Verständnis hilft, beim „in die Tiefe gehen“. Und das, ohne digitale Angebote zu diffamieren.

Effektheischerisch ist anders

Hm, sollte ich mich in diesem Bob Blume getäuscht haben? Oberflächlich und effektheischerisch ist anders. Der Mann hat etwas zu sagen.

Das Büchlein ist schnell gelesen: 78 Seiten. Ein Essay eben. Gegen Ende beschreibt er Situationen, in denen er in Hotels sitzt. Manchmal findet er Gesprächspartner für den Gedankenaustausch. Manchmal bleibt er allein sitzen. Ein Mann, der interessiert ist, vor allem auch an den Gedanken und Meinungen anderer. Daher auch seine Aufforderung ganz zum Schluss: „Wenn ihr mögt, schreibt mir eure Gedanken. Ich freue mich, wenn wir gemeinsam weiterdenken.“
Dieser Aufforderung kann ich nach der Lektüre nicht widerstehen und gehe ins Internet, suche seine Website, suche dort nach Kontaktmöglichkeiten. Dort finde ich jedoch nur Mailadressen von Managerin, Presseagentur, … Meint er es doch nicht so ernst? Meine Neugier war geweckt. Und schließlich schaffte ich es, ihm eine persönliche Nachricht zu schicken, die er auch sehr persönlich antwortete. Außerdem lieferte er mir eine Begründung, warum es inzwischen nötig ist, sich digital kommunikationstechnisch zu verschanzen.

Es erschreckt mich immer noch, wie ignorant viele meiner Mitmenschen sind, wie wenig sie andere Gedanken, andere Meinungen zulassen oder tolerieren wollen. Auch das zeigt, wie wichtig Bob Blumes Aufruf „Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“ ist; in der ganz realen Welt.

Vertraue dem Prozess

Vertraue dem Prozess. Das habe ich in meinem beruflichen Leben schon oft gehört, zum Beispiel im Design Thinking. Manchmal fühlt man sich unterwegs verloren, verliert vielleicht sein Ziel aus dem Blick, weiß nicht, ob das, was man gerade tut Sinn ergibt. Aber dann gibt es einen guten Coach und der sagt „Vertraue dem Prozess“. Und das funktioniert meistens. Wenn es eine gut durchdachte Methode ist und man von einem guten Coach begleitet wird, dann funktioniert das auch fast immer. Man lässt sich durch den Prozess leiten, tragen und ganz am Ende erhält man erstaunliche Resultate.

Bob Blume Titel
Bob Blume Titel

Diese Aussage kam mir oft in den Kopf beim Lesen von Bob Blumes Buch. Denn worum es ihm sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben geht, ist intensives Denken. Und dabei sind Lesen und Schreiben einfach die beiden Seiten der gleichen Medaille. Beide unterstützen das Denken; und dieses Denken ist ein Prozess. Das geht nicht einfach so schnell. Es benötigt Zeit und eine gewisse Mühe.

Zwei Seiten der gleichen Medaille

Das Lesen ermöglicht mir, in die Gedankenwelt des Schöpfers des Textes einzutauchen, die Perspektive zu wechseln, die Welt durch seine Augen zu sehen. Aber Lesen können wir eben nur, was von jemandem geschrieben wurde. Und das ist eben die andere Seite der Medaille: das Schreiben. Und auch dies ist nicht schnell erledigt. Auch das benötigt Zeit und Mühe. Wenn ich einen Text verfasse, muss ich mir Gedanken machen, ich muss den Text strukturieren, ich muss meine Gedanken so formulieren, dass mein Gegenüber meine Gedanken nachvollziehen kann.

Für Menschen, die das Denken noch nicht verlernt haben oder vielleicht sogar Spaß daran haben, ist das also eine ganz klare Empfehlung: Denke durch Lesen und Schreiben. Und da reichen „Textchen“ in den sozialen Medien eben nicht aus. Komplexes Denken braucht Raum und Zeit.

Übrigens habe ich schon lange nicht mehr so viele Markierungen in einem Buch gemacht wie diesmal. Eine schöne Stelle, die ich mir auch markiert hatte, ist, „dass Fragen der Anfang von Erkenntnis sind.“ Aber da waren noch so viele andere spannende Stellen. Gerade ist es mir schon wieder passiert, dass ich meine Markierungen durchgeschaut habe und bei einigen hängen geblieben bin. Ich glaube, ich muss das Buch bald nochmal lesen.

Aber noch einmal zurück zum Schreiben. Ich selbst schreibe gerade. Und ich merke, wie sehr es mir hilft, meine Gedanken zu strukturieren. Vieles, was diffus in meinem Kopf ist, wird mir selbst klarer, dadurch dass ich es nicht nur in Worte fasse, sondern diese auch hier niederschreibe, sie fixiere. Dies erzeugt Selbstwirksamkeit, wie Bob Blume schreibt. Was er ebenfalls schreibt: Man wird besser im Schreiben, indem man schreibt. Also verzeiht mir, wenn dieser Text nicht genial ist. Aber ich arbeite daran. Auch das ist ein Grund für diesen Blog.

Ein weiterer Gedanke von Bob Blume, der direkt damit zusammenhängt: Schreiben mit KI geht natürlich. Je nachdem, wie man es anstellt, können dabei vielleicht sogar gut lesbare Texte herauskommen. Aber: Es fehlt der Prozess des Denkens dabei. Wenn es beim Schreiben nicht nur darum geht, dass am Ende ein Text rauskommt, den andere lesen können, sondern wenn einem das Denken, Stukturieren der Gedanken, sich selbst verstehen, wichtig ist, dann kommt man nicht darum herum, selbst zu schreiben und damit selbst zu denken.

Ich selbst verwende gern und oft generative KI. Aber diesen Teil des Prozesses des Schreibens möchte ich mir nicht nehmen lassen: Das Denken. Das Verstehen.

Eine kleine Utopie

Bob Blume beschreibt in einem Kapitel eine Utopie: Bibliotheken als lebendige Orte des Lesens, Denkens, Austausches; Orte, an denen sich Menschen Zeit für längere Gedanken und für das gegenseitige Verstehen nehmen; Orte, an denen Gespräche über Bücher selbstverständlich sind. Und es ist ihm selbst klar, dass dies nur eine Utopie ist, etwas, das sich so nie erfüllen wird. Aber man darf ja träumen und sollte dies sogar!

Bob Blume Lesen. Schreiben.
Bob Blume Lesen. Schreiben.

Für mich ist das eine schöne Utopie. In einer solchen Welt gäbe es sicher nicht so viel Hass und Verbitterung. Wir würden einander vielleicht nicht immer verstehen. Aber wir wären zumindest aneinander interessiert und würden versuchen, einander zu verstehen. Ich glaube, in einer solchen Welt würde es keine Kriege geben und vielleicht würden wir uns gegenseitig mehr helfen.

Jetzt wird es konkret

Wie gesagt: Bob Blume geht nicht davon aus, dass seine Utopie Wirklichkeit wird; ganz sicher wird sie es nicht in Gänze. Aber er hat konkrete Handlungsvorschläge parat, die dazu beitragen können, dass wir uns zumindest in diese Richtung bewegen. Und wenn schon nicht überall Bibliotheken sind und diese Orte der Begegnung und des Austausches, alle Welt liest und schreibt, so können wir doch dafür sorgen, dass die Haltung zum geschriebenen Wort sich bei einigen ändert. Wir können Angebote machen, mehr zu lesen, gemeinsam zu lesen, sich über das Gelesene auszutauschen.

Ebenso können wir Menschen dazu motivieren, zu schreiben, mehr zu schreiben, wieder zu schreiben, das Schreiben zu lernen. Ich selbst bin darin blutiger Anfänger. Aber ich spüre, wie wertvoll und mächtig diese Fähigkeit ist. Und deshalb werde ich es auch nicht bleiben lassen. Und aus der ziemlich langen Liste aus Vorschlägen, was man alles anbieten kann, habe ich mir einiges rausgeschrieben und werde das ein oder andere sicher angehen. Ich habe nicht nur gelesen, ich habe eigene Ideen entwickelt. Und damit kann ich nur feststellen: Das Buch funktioniert! Gedanken, geschriebene Worte verändern die Realität.

Ein Gespräch

Das Buch lädt zum Lesen ein; zum Schreiben; und zum Gespräch. Ich hatte ein kurzes Gespräch mit dem Autor des Buches. Und vielleicht lädt mein Beitrag ja auch dich zum Gespräch mit mir ein. Ich bin da.

Rezension?

Ach ja. Eigentlich wollte ich ja eine Rezension zu diesem Buch schreiben. Das ist mir wohl nicht gelungen. Aber vielleicht merkst du ja, dass mich dieses Buch, so klein es ist, mich berührt hat. Und das einzige, was ich dazu noch sagen möchte, ist: Lies es einfach selbst. Denn nur dann kannst du in die Welt von Bob Blume eintauchen. Es lohnt sich.

Buchcover Bob Blume
Buchcover Bob Blume

LESEN. SCHREIBEN. Ein Plädoyer für ein besseres MITEINANDER.
Bob Blume

Duden

Januar 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 80 Seiten
ISBN-10: 3411750057
ISBN-13: 978-3411750054
Abmessungen: 10.5 x 0.7 x 19 cm

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