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Schlauberger – Lernen neu gedacht

Kartenspiel der Schlauberger

Wenn Kinder mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen haben, setzen Elena und Matthias mit ihrer Arbeit an. Seit der Gründung des Schlauberger-Instituts für Lerntherapie vor eineinhalb Jahren verfolgen sie einen Ansatz, der weit über die reine Wissensvermittlung hinausgeht. In einem inspirierenden Gespräch berichteten sie von ihrer Philosophie, ihren Methoden und ihren Visionen für die Zukunft. Dabei wurde schnell klar: Bildung ist für sie nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Als Lerntherapeuten entwickeln sie innovative Wege, um Kindern mit Lernproblemen effektiv zu helfen. Ein zentrales Element sind die selbst entwickelten Lernspiele, die als Kartenspiele konzipiert sind und Schulstoff spielerisch erfahrbar machen.

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Warum Scheitern eine Wissenschaft ist – und Spaß machen kann

Buch: Die Kunst des perfekten Scheiterns

In einer Welt, in der Erfolgsgeschichten dominieren und das Streben nach Perfektion allgegenwärtig ist, sticht Christian Riecks Buch „Die Kunst des perfekten Scheiterns“ erfrischend heraus. Als humorvoller Kontrapunkt zu klassischen Ratgebern bietet das Werk 52 ironische Lektionen, die zeigen, wie man große Projekte gezielt und effizient scheitern lässt. Rieck, Professor für Finance und Wirtschaftstheorie, bedient sich seiner Erfahrungen und seines feinen Gespürs für menschliche Schwächen, um ein Standardwerk zu schaffen, das den Leser gleichermaßen unterhält und herausfordert.

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Erfolg ade? Bildung und das Paradoxon der „0%-Methode“

Die 0% Methode

Buchrezension

Die 0%-Methode – Ein Buch gegen den Selbstoptimierungswahn oder doch nur ein weiterer Ratgeber?

In einer Welt, die von Selfcare und Achtsamkeit geprägt ist, setzt Die 0%-Methode – Mit maximalem Aufwand zu keinerlei Erfolg einen radikalen Kontrapunkt: Hier werden Prokrastination, Scheitern und Müßiggang zur Kunstform erklärt. Unter den Pseudonymen Astrid Scheib und Robin Däutel entlarven die Autoren mit satirischem Biss unser Streben nach Perfektion und zeigen auf, wie gezieltes Versagen als Protest gegen gesellschaftliche Normen verstanden werden kann.

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Bildung und Demokratie

Demokratie in die Köpfe

Eine weitere Buchbesprechung | Julian Nida-Rümelin und Klaus Zierer: „Demokratie in die Köpfe. Warum sich unsere Demokratie in den Schulen entscheidet.“

Das Buch besitze ich bereits seit letztem Jahr. Doch da lag es zunächst und verstaubte. Aber nach dem – prognostizierten – Ergebnis der Europawahl, nach unserem Blogbeitrag zur Jugendstudie und Hendriks Beitrag im Vorfeld der Europawahl zu den Bildungszielen der Wahl war die Zeit reif, das Buch zur Hand zu nehmen.

Julian Nida-Rümelin und Klaus Zierer

Julian Nida-Rümelin lehrt Philosophie – Politik – Wirtschaft. Er setzt sich jedoch immer wieder mit der Bildungspolitik und damit mit Bildung auseinander. 2014 schrieb er so zum Beispiel das Buch „Der Akademisierungswahn. Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung.“ Somit war es wohl unvermeidlich, dass er sich mit dem Bereich auseinandersetzt, an dem Bildung und Demokratie aufeinanderstoßen. Unterstützung für dieses Buch erhielt er vom deutschen Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer, sodass man davon ausgehen kann, dass beide Aspekte – Bildung und Demokratie – gleichermaßen fundiert beleuchtet werden.

Und dies geschieht in diesem Buch auch. Wie man es von zwei Wissenschaftlern erwarten darf, definieren sie sowohl Demokratie als auch Bildung, begründen, warum aus ihrer Sicht beide zusammengehören, aufeinander einwirken und schließlich entwickeln sie in einem Fazit Ideen und Vorschläge, wie mit beiden umgegangen werden könnte, um beide Konzepte zum Erfolg zu führen.

Es wird nie offengelegt, welcher der beiden Autoren welchen Teil des Textes verfasst hat oder ob beide gleichermaßen den ganzen Text geschrieben haben. Das ganze Buch ist jedoch in einem durchgängigen Duktus geschrieben und es zerfällt nicht in stilistisch deutlich unterschiedliche Teile.

Es liest sich gut

Es liest sich gut, verfällt also nicht in eine elitäre Wissenschaftssprache, ohne sprachlich jedoch banal zu werden. Allerdings besitzt es Tiefgang, ist inhaltlich dicht und ich werde es sicher noch mindestens ein weiteres Mal lesen, um den Gedankengängen der Autoren noch genauer folgen zu können.

Sicher kann man in einigen Punkten anderer Meinung sein. Jedoch legen sie ihre Überlegungen nachvollziehbar dar und scheuen sich auch nicht, selbst anderer Meinung zu sein als große Denker wie John Rawls oder Jürgen Habermas. Aber so ist es in der Geisteswissenschaft: Man stellt eigene Überlegungen an, leitet her, begründet und stellt diese Ansichten dann zur Diskussion.

Insgesamt hat mich das Buch sehr angesprochen und vielfach zum tieferen Nachdenken angeregt. Der Untertitel wird aus meiner Sicht jedoch nicht eingelöst: „Warum sich unsere Zukunft in den Schulen entscheidet“. Beziehungsweise wird diese These gleich im ersten Kapitel begründet: Die Zukunft (unserer Demokratie) hängt davon ab, dass unsere Bevölkerung eine gut Bildung genießt. Und diese geschieht zum größten Teil in unseren Schulen. Politische, beziehungsweise demokratische Bildung stellt dabei nur einen Teil der nötigen Bildung dar. Von daher mag Titel und Untertitel ein wenig irreführend sein. Denn man sollte sicher nicht nach dem ersten Kapitel mit dem Lesen aufhören.

Bildung und Demokratie

Das erste Kapitel befasst sich also damit, was Bildung und Demokratie miteinander verbindet. Und bereits im Vorwort wird der Bogen dorthin geschlagen, denn schon John Dewey widmete diesem Zusammenspiel an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein Buch: „Democracy and Education“. Auch verweisen die Autoren darauf, dass in allen Bundesländern im Bildungsrecht direkt auf die Demokratie referenziert wird.

Schließlich führen sie Studien an, die belegen, dass Bildung und demokratisches Verständnis direkt miteinander zusammenhängen, beziehungsweise, dass mangelnde Bildung und politische Radikalisierung miteinander korrelieren. Die Autoren zeigen unsere aktuellen gesellschaftlichen Krisen auf: Wirtschaftlich schwierige Zeiten, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Energieabhängigkeit. Und sie zeigen die Krisen in der Bildung auf: Zunächst der PISA-Schock, dann die Bildungsdefizite, die durch Corona-Maßnahmen entstanden. Fasst man dies mit den zuvor dargelegten Erkenntnissen zusammen, ergibt dies „ein gefährliches Amalgam“.

Sie beleuchten das Feld der Medien und wie diese eingesetzt werden. Sie sehen die Sozialen Medien mit ihrer „Blasenbildung“ als kritisch, verteufeln sie jedoch nicht. Denn immerhin haben wir durch die heutigen Möglichkeiten ebenso die Möglichkeit, uns in nie da gewesener Weise zu informieren. Wenn wir dies denn möchten (und können).

Demokratie

Zierer und Nida Rümelin erklären uns im zweiten und dritten Kapitel, was sie unter Demokratie und was sie unter Bildung verstehen. Demokratie ist für sie vor allem die Trias aus Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit. Jedoch muss in Einzelfällen abgewogen werden, welches diese Konzepte möglicherweise den Vorrang vor den anderen hat, um zu einem gerechten Ergebnis zu gelangen.

Sie berücksichtigen dabei sowohl die individuelle, wie auch die kollektive Autonomie. Sie beleuchten ebenso, was aus ihrer Sicht Friedays for Future oder die Letzte Generation mit Demokratie zu tun haben, wie auch der Umgang von Politikern mit Medien, vor allem den Sozialen Medien. Dabei verfallen sie nicht in Polemik, sondern stellen neutral dar und begründen ihre Sicht.

Bildung

In Kapitel drei wagen sie sich an eine Definition von Bildung, etwas, das schon vielfach versucht wurde, sich im Laufe der Geschichte auch immer wieder verändert und wohl nie abgeschlossen wird. Aber diesen Anspruch erheben Nida-Rümelin und Zierer auch gar nicht. Für sie ist jedoch der Begriff der „Autorschaft“ des eigenen Lebens zentral und somit auch wieder der Bezug zur Demokratie, die nur existieren kann, wenn Bürger ein Demokratieverständnis besitzen und „in der Lage [sind], ihre Rechte auf Freiheit und Gleichheit einzulösen und im Sinne kollektiver Selbstbestimmung umzusetzen“.

Ideen für die Zukunft

Im letzten Kapitel machen sie den Blick auf, in eine mögliche Zukunft. Sie betonen dabei, dass ein Buch sicher nicht ausreicht, eine solche Zukunft Realität werden zu lassen. Aber dieses Buch kann sicher helfen, Verständnis zu schaffen und zeigen, dass eine positive Zukunft möglich ist. Und sie geben Anregungen dazu, wie diese erreicht werden könnte. Einige Ansätze dazu existieren bereits, wie sie anhand von Beschlüssen der Kultusministerkonferenz belegen. Demokratie kann gestärkt werden, wenn wir uns für Demokratiebildung entscheiden. Werteerziehung bildet das Fundament hierfür.

Empfehlung

Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Es kann hier nicht in wenigen Sätzen wiedergegeben werden, dazu ist es zu gehaltvoll und nuanciert. Es präsentiert weder einfache Lösungen, noch malt es schwarz. Es beleuchtet differenziert eine Thema – oder auch zwei – das uns alle etwas angeht.

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Jugendliche entwickeln App für die Schulorga

Bereits im Februar wurde ich angefragt, ob ich auf meinem Blog nicht einmal die App “studypilot” vorstellen möchte. Nach ein paar Monaten hat das jetzt geklappt.

studypilot ist eine App, die den Anspruch hat, dass man allein mit ihr und seinem Tablet in der Schule arbeiten kann. Dafür gibt es diverse Funktionen, wie einen Stundenplan oder Notizen. Entwickelt wurde die App von den Schülern Moritz, Julian und Joshua. Während Corona wuchs die Idee heran, weil es noch keine App gab, die gleichzeitig hochwertig und einfach zu bedienen war, und dazu alle relevanten Funktionen aufwies.

Bevor wir näher auf die Philosophie des Unternehmens blicken, das die jungen Entwickler – mittlerweile zu viert – betreiben, kommt erst einmal eine Vorstellung der App und ein kleiner Test ihrer Funktionen. Verfügbar ist sie für alle Android-, und iOS-Tablets und auch für Windows-PCs.

Der App-Test

Für meinen App-Test bekomme ich einen Test-Account gestellt, mit dem ich mir sehr schnell das Programm herunterladen kann. Die erste Erkundungstour gab es für mich auf dem Windows-PC. Aber gerade Schüler*innen, die mit Tablet und Stift arbeiten, sollen von studypilot profitieren.

Was mit gleich zu Beginn auffällt – studypilot ist sehr übersichtlich. In der Startseite werden neben der Begrüßung das Datum, wichtige Notizen, Aufgaben und der Stundenplan für den Tag angezeigt.

Die Startseite ist wie die ganze App sehr übersichtlich gestaltet

Die Notizfunktion ist im Wesentlichen fürs Tablet mit integriertem Stift nützlich. Hier kann man alles aufschreiben, was im Unterricht dokumentiert werden muss, ob Tafelbild oder Hausaufgabe. Eine Funktion, um auch mit Tastatur schreiben zu können, wird noch entwickelt, man kann sie bereits testen. Die Einstellungen sind sinnvoll, vom Blatthintergrund über die Blattgröße bis zur Schriftfarbe ist alles möglich. Eine klassische Funktion also für alle, die mit dem Tablet arbeiten. Weitgehend ohne Experimente, sehr hilfreich.

Der Reiter Aufgaben ist der Ort, an dem Hausaufgaben aufgeschrieben werden können. Eine neue Aufgabe ordnet man dem Schulfach zu und wählt einen Zeitraum aus, in dem sie erledigt werden muss. Dann wird der zu erwartende Aufwand eingetragen. Alle Aufgaben werden nach dem Speichern angezeigt, nach Dringlichkeit sortiert. Mit einem Klick wird eine Aufgabe als “in Bearbeitung”, oder “abgeschlossen” markiert.

Im Kalender können Termine eingetragen werden. Die Ferien werden nach dem jeweiligen Bundesland importiert. Auch hier gibt es Titel und Beschreibung. Dann muss man nur noch Farbe und Zeitraum einstellen. Seine Termine kann man sich dann in der Tages- und Wochenansicht anzeigen lassen. Die “Übersicht” zeigt die nächsten Termine an.

Der Stundenplan kann individuell angepasst werden, auch mit A- und B-Wochen

Einen digitalen Stundenplan hat studypilot auch. Die Fächer, die man in den Einstellungen bearbeiten kann, lassen sich direkt in die entsprechenden Zeiten ziehen. Auch wochenspezifische Stundenpläne sind möglich.

Die wohl hilfreichste Funktion sind die Noten. Diese können, sortiert nach Fächern, eingetragen werden. Natürlich trägt man auch die Gewichtung der jeweiligen Note ein. Den Schnitt bekommt man dann sofort angezeigt.

Wer neue Funktionen ausprobieren möchte, die noch nicht fertig entwickelt sind, kann sie im Labor aktivieren und austesten. So kann man in der Early Access schon mit Tastatur schreiben.

Fazit

Das wichtigste Fazit – studypilot macht nichts neu. Aber das muss es auch gar nicht! Die Funktionen sind wirklich einfach zu bedienen, und es fehlt an Nichts im Schulalltag. Dazu kommt, dass die App vollkommen kostenlos ist und ohne Werbung auskommt.

Mein Gespräch mit den Entwicklern von studypilot

Nach meinem App-Test hatte ich Gelegenheit, mit drei der vier Entwickler zu sprechen. Die ursprüngliche Idee kam Moritz im Sommer 2021. Damals waren wir mitten in der Coronapandemie, und der Unterricht musste digitaler werden. So wurden auch Tablets zugelassen, und Moritz suchte nach passenden Apps dafür. Sein Ergebnis: ja, es gab Apps, aber entweder waren sie zu kompliziert, oder sie hatten nicht alle nötigen Funktionen. Deswegen entwickelte er sich einfach eine eigene App, holte seine Freunde Joshua und Julian ins Boot, und gemeinsam entstand die Idee, das Projekt professionell aufzubauen, von Schülern für Schüler*innen.

Von einer Idee zum eigenen Unternehmen

Das erste Jahr wurde also fleißig entwickelt. Dabei greifen die Entwickler auf eine Vielzahl von Open-Source-Angeboten zurück, ohne die ein Projekt, wie dieses für vier Jugendliche nicht umsetzbar wäre. Im Sommer 2023 stand dann fest, dass die App offiziell released werden konnte. Um professionell zu sein, kooperierte man mit einem Unternehmen, ohne das die Gründung nicht möglich geworden wäre. Und im Juli 2023 saßen Moritz und Jan, beide frisch 18 geworden, dann beim Notar und unterschrieben den Gesellschaftervertrag für die “studypilot UG”. Mittlerweile hatte die App immer mehr an Usern gewonnen, und auch eine Feedbackseite war eingerichtet. Zu den organisatorischen Aufgaben zählte bald auch die Zusammenarbeit mit dem Anwalt des Unternehmens, um noch besser in Sachen Rechtsfragen gewappnet zu sein. Aber auch designtechnisch machte studypilot weiter Fortschritte. Die vier stellten sich Investor*innen und anderen Unternehmensgründer*innen vor, nahmen Beratung in Anspruch.

Ab in die Zukunft

Und wie geht es in die Zukunft? Bis jetzt hat studypilot noch keinen Gewinn erwirtschaftet, und das gewollt. Schließlich soll die App dazu da sein, um den Schüler*innen im Alltag zu helfen. Zukünftig ist aber geplant, eine Premiumversion einzurichten. Das Prinzip dabei: alles was für den Schulalltag nötig ist, bleibt kostenlos. Zusätzliche Funktionen hinter der Premiumschranke geben dann einen zusätzlichen Produktivitäts-Boost.

Engagement statt Profit

Spricht man mit den Entwicklern, dann fällt auf – Geld, Ruhm, Aufmerksamkeit ist nicht das, was sie wollen. Ihr Ziel ist es einfach, Digitalisierung an Schule voranzubringen. Deshalb wollen sie zukünftig auch mehr mit Schulträgern oder sogar Ministerien zusammenarbeiten. Denn studypilot ist nicht revolutionär, sondern einfach eine simple, eingängige Lösung für den Schulalltag. Tools aus anderen Apps werden übernommen, immer mit dem Anspruch, sie noch besser zu machen. Die Datenschutzstandards sind dabei höher als die der Konkurrenz, sodass einer Kooperation mit Schulträgern nicht mehr viel im Wege steht.


*Alle Bilder sind Screenshots aus der Laptopversion der App “studypilot”

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Ach, wie gut, dass niemand weiß …

Rumpelstilzchen

Eine Buchrezension?

Ach, wie gut, dass niemand weiß … Jeder kennt das. Auch wenn heute – soweit ich es beobachte – gar nicht mehr so viel Märchen gelesen oder vorgelesen werden. Aber dieses und viele andere Zitate aus Märchen sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert. Oft wissen wir gar nicht mehr, woher wir das eigentlich haben. Und genau darum dreht sich das Buch von Rolf-Bernhard Essig mit genau dem Titel, den auch dieser Blogbeitrag trägt.

Ein Märchenbuch im Bildungsblog?

Aber was hat das eigentlich mit dem Bildungsblog zu tun? Geht es hier nicht um Bildung, Lernen und solche Themen? Genau! Gerade deshalb ist eine Besprechung dieses Buches hier goldrichtig. Denn über Jahrhunderte hatten Märchen die Funktion, Bildungsarbeit zu leisten, jungen Menschen – aber nicht nur denen – Erkenntnisse zu vermitteln, ein moralischer Kompass zu sein.
Lange war es mit der Verbreitung von schriftlichen Erkenntnissen schlecht bestellt. Zunächst musste jedes einzelne Buch mühsam von Hand geschrieben werden, bis die Einführung des Buchdrucks, des Drucks mit beweglichen Lettern, die Verbreitung geschriebener Texte revolutionierte. Aber auch dann dauerte es noch lange, bis fast jeder:r lesen konnte.
Texte wurden bis es soweit war, ausschließlich mündlich weitergegeben. Und da das menschliche Gehirn auf Geschichten steht, waren es eben Geschichten, die erzählt wurden; phantastische Geschichten, unglaubliche Geschichten, wunderliche Geschichten, Geschichten aus unserem Erfahrungsbereich und außerhalb dessen – eben Märchen.

Jäger und Sammler

Im 19. Jahrhundert begann man dann, diese erzählten Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben. Die bekanntesten dieser Sammler, zumindest in Deutschland, waren die Brüder Grimm. Aber so wertvoll diese Leistung war, die verhinderte, dass Wissensschätze verloren gingen, veränderte dieses Aufschreiben auch etwas: Bei der mündlichen Überlieferung veränderten sich Märchen. Es wurde etwas hinzugefügt, etwas ausgeschmückt, das eine betont, anderes weggelassen. Die Erzählung wurde angepasst; an die Gegebenheiten, an die Region, an die Zeit.
Genau diese Veränderungen fielen weg. In der schriftlichen Fassung musste man sich festlegen, Dinge wurden festgeschrieben und wurden unveränderlich (wenn man davon absieht, dass in unterschiedlichen Ausgaben der Hausmärchen der Brüder Grimm in einigen Texten Anpassungen vorgenommen wurden). Und bei diesen Festlegungen floss natürlich auch der eigene Geschmack der Verfasser ein. Die Brüder glätteten, passten an, veränderten. Rolf-Bernhard Essig geht in seinem Buch auf solche Aspekte immer wieder ein. Er listet nicht lediglich Redewendungen auf und erklärt, woher sie kommen. Was übrigens nicht ausschließlich die Märchen der Brüder Grimm sind, jedoch weit überwiegend.

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Mit seinen rund 160 Seiten ist das Büchlein recht schnell zu lesen. Aber ehrlich gesagt, war diese Seitenzahl auch ausreichend. Es ist interessant zu sehen, woher welche Redewendungen und Sprachbilder kommen. Bei vielen weiß man dies auch. Es ist ganz interessant, das einmal kompakt gezeigt zu bekommen. Auch die Ausführungen über die Arbeit der Brüder Grimm und anderer Märchensammler, die der Autor immer wieder einstreut, sind interessant. Aber irgendwann reicht es dann auch. Es ist sicher aufschlussreich, das Buch einmal zu lesen. Ein zweites Mal wird es wohl nicht auf meiner Leseliste landen. Aber zumindest bereue ich es nicht, mich damit befasst zu haben. Und aus künstlerischer Sicht sind natürlich die Illustriationen von Natašha Kaiser zu erwähnen. Diese holzschnittartigen Bilder gefallen mir ausgesprochen gut und sie werten das Buch auf jeden Fall auf.

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Bildungsziele zur Europawahl

Am 9. Juni findet in Deutschland die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Unter den 34 großen und kleinen, etablierten und neuen Parteien sind auch welche, die Bildung zum europäischen Wahlkampfthema machen wollen.

Eins meiner Hobbies ist das Radio machen. Alle vier Wochen betreibe ich auf dem nichtkommerziellen Bürgerradio Radio Rheinwelle in Wiesbaden meine Sendung “youth@home”. Und zur Europawahl habe ich 24 Parteien zu ihren Zielen befragt. Die Bildungsziele, die dabei herausgekommen sind, möchte ich hier vorstellen. Das Ziel des Beitrags? Vorzustellen, was die Politik gerade von Bildung denkt. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich keine Wahlwerbung machen.

“Europäische Perspektiven stärken”

Die SPD hat sich in ihrem Wahlprogramm das Ziel gesetzt, dass jeder Jugendliche bis 25 mindestens einen Auslandsaufenthalt gemacht haben sollte. Ob mit der Schule, dem Verein oder privat – so soll Europa jungen Menschen nähergebracht werden, ganz unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Möglich werden soll dies mit einer Förderung des Schulprogramms “Erasmus+”. Lehrkräfte können jetzt schon online geplante Auslandsaufenthalte zwischen 2 und 30 Tagen einreichen, die dann von der Europäischen Union finanziell unterstützt werden.

“Bildungssystem modern und digital”

Von Natur aus eng mit dem Thema Lernen verbunden ist die Partei der Humanisten. Ihr Ziel ist es, Politik auf Basis der Wissenschaft zu machen, also rational und faktenbasiert. Nur aus den Fakten, nicht aus Ideologie entwickelt die Partei ihre jeweilige Position. Religionsunterricht will die Partei abschaffen und ihn durch verpflichtenden Ethikunterricht ersetzen. Schule soll allgemein in einem individuellen Lerntempo passieren, mit freien Lernzielen und hoher Digitalisierung. Außerdem soll Bildungspolitik bundesweit vereinheitlich werden. Man stelle fest – das alles hat erstmal wenig mit Europa zu tun. Und neu ist das alles auch nicht, was erst einmal nur eine Beobachtung ist.

“Kein Militär an Schulen”

Eine von mehreren extrem linken Parteien bei der Europawahl, die “Sozialistische Gleichheitspartei”, forderte im Interview ganz klar, dass es Jugendoffizieren der Bundeswehr verboten werden solle, in der Schule fürs Militär zu werben. Hintergrund: immer mehr Jugendoffiziere informieren für die in Vorträgen Schüler*innen über die Bundeswehr. An Schulen ist das bereits seit 1958 gang und gäbe, obwohll nicht in allen Bundesländern erlaubt1. Die SGP sieht darin klare Werbung und möchte auch Verteidigungsbildung in der Schule mit allen Mitteln verhindern.

“Mehr Medienbildung & politische Bildung”

Einen ganz ähnlichen Ansatz wie die Partei der Humanisten verfolgt die Partei des Fortschritts. Sie möchte politische Diskussionen immer vom Thema her denken und verortet sich ganz klar nicht im politischen Links-Rechts-Spektrum. Die PdF will Medienbildung im digitalen Zeitalter fördern. Politische Bildung soll – neben bestehenden Fächern wie “Politik und Wirtschaft” oder “Sozialkunde” ein eigenes Schulfach werden. Erasmus+ will die Partei auf soziale Tätigkeiten hin ausbauen.

“Aus-bildung stärken”

Zwei größere Parteien, die inhaltlich generell nicht weit auseinanderliegen, stimmen auch bei einem europäischen Bildungsthema überein – der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Diese sollen international vereinfacht werden, um den europäischen Wirtschaftsraum zu stärken und innereuropäische Migration zu vereinfachen.

Wenn ich auf die Bildungsziele der Parteien blicke, stelle ich fest- wirklich neu ist wenig, Innovation kann mit einigen der Ziele aber durchaus erreicht werden. Meiner Ansicht nach hätte es diese Forderungen genau so auch bereits vor zehn Jahren geben können, sie wären genauso wie jetzt im Hintergrund versandet angesichts scheinbar unendlich wichtigeren Themen. Was damals Wirtschaftskrise war, ist heute Migration und Ukraine-Krieg. Trotzdem finde ich es interessant, welche unterschiedlichen Ansichten die Parteien auf das Thema Bildung haben. Sicherlich gäbe es noch viel mehr Ziele. Aber all das wurde mir während 10-Minten-Interviews persönlich gesagt. Ein entscheidender Faktor, was die Relevanz für die Parteien angeht.


Titelbild: erstellt mit Canva,

Bildquellen für Titelbild-Elemente:

https://shop.spd.de/mein-spd-shop/de/shop/aktuelles/euw2024/euw2024-pl/ https://www.gruene.de/artikel/machen-was-z%C3%A4hlt-unsere-motive-zur-europawahl-2024 https://www.wsws.org/de/articles/2023/01/11/plak-j11.html https://www.shop.cdu.de/Plakat-Set-EW-Papierplakate/EW-810-P-Set https://www.pdh.eu/werbemittelshop/

Logos: Website der Bundeszentrale für politische Bildung

  1. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/bundeswehr-schule-jugendoffizier-100.html ↩︎
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Unsere Gedanken zur Jugendstudie 2024

Jugendstudie

Ende April kam die neue Jugenstudie 2024 heraus. Sie gibt einen Überblick, wie es gerade um die junge Generation steht. Und dabei gaben die 2000 Befragten zwischen 14 und 29 Jahren teils erstaunliche, teils erschreckende Antworten. Wir schildern hier unsere ganz subjektiven Eindrücke über die Ergebnisse der Studie.

Psychischer Stress auch nach Corona nicht gesunken

Aus der Sicht der Studienleitung herrsche unter den jungen Menschen immer noch der gleiche große psychische Druck wie zur Zeiten der Corona-Pandemie. Ganze 51 % der Befragten gaben an, regelmäßig Stress zu verspüren, 5 % mehr als letztes Jahr. 1

Hendrik: Von meinen Freund*innen und Mitschüler*innen in der Klasse weiß ich, wie viel Druck gerade in der Schule entsteht. Das ständige Bewerten und Sich-Vergleichen mit anderen sorgt dafür, dass Schule oft kein Ort voller Inspiration ist, sondern geprägt ist von Stress und Demotivation. Das macht viel aus im Leben von Jugendlichen und hört auch oft in Uni oder Ausbildung nicht auf. Gleichzeitig ist die Schule der Ort, an dem psychische Probleme sehr gut abgefangen werden können. Wo sonst kommen alle Kinder und Jugendliche fünf Mal in der Woche zusammen? Gerade deswegen müssen aus diesen Ergebnissen, die nicht gerade neue Erkenntnisse aufwerfen, neue politische Entscheidungen folgen. Es braucht eine Verstärkung der Schulsozialarbeit, eine ausreichende Versorgung mit Schulpsycholog*innen und auch geeignete Rückzugsorte aus dem Dauerfeuer Schule.

Peps: Als Vater eines 21-jährigen Sohnes bin nicht ganz auf dem aktuellen Stand zur Situation in der Regelschule. Mein Sohn hat 2020 die Schule abgeschlossen und ist mit seinem Abitur voll in die Coronazeit gefallen. Zur Zeit macht er eine Ausbildung und besucht die Berufsschule. Von daher fällt es mir schwer, die, aktuelle Entwicklung zu beurteilen. Aber zumindest kann ich etwas dazu sagen, wie ich es in seiner Schullaufbahn erlebt habe. Für ihn war das Schulsystem nicht ideal. Er ist ein junger Mensch, der sich Gedanken über seine Umwelt macht und für den Sinn sehr wichtig ist. Und vieles, was in der Schule angeboten wird, machte für ihn keinen Sinn. Also bemühte er sich in diesen Fächern nicht sonderlich. Die ganze Systematik mit der Notenvergabe und der so genannten Leistungsmessung hat ihn, so glaube ich zumindest, nicht sehr gestresst. Es war ihm relativ egal. Aber es hat ihm eben auch nicht motiviert. Was bei ihm Druck ausgelöst hat, war höchstens die Verkürzung auf die acht Gymnasien-Jahre. Die Schüler*innen dieser Jahrgänge hatten den gleichen Stoff in einem Jahr weniger zu schaffen.

Immer mehr Zukunftsängste bei Jugendlichen

Angesichts von Klimawandel, Krieg in Europa, globaler Armut und Inflation wirkt sich die aktuelle politische Lage negativ auf die mentale Gesundheit der jungen Menschen aus. Als Folge verspüren immer mehr Menschen Ängste und Sorgen, wenn sie in die Zukunft blicken.

Hendrik: Wir leben in einer Zeit von multiplen Krisen, die den gesamten Planeten betreffen – und dabei besonders die jüngere Generation. Da ist es ganz natürlich, dass Sorgen entstehen, die von Eltern und Pädagog*innen aufgefangen werden müssen. Ich frage mich, Peps – wie blickte man zu deiner Jugend auf die Weltlage?

Peps: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der alles aufwärts ging. Meine Eltern hatten den Krieg erlebt, aber auch das Wirtschaftswunder. Sie buken, wie man so schön sagt, anfangs ziemlich kleine Brötchen. Aber, wenn man sich anstrengte, dann kam man auch voran. Selbst, wenn man nicht reich wurde, konnte man gut leben. Und, wie schon gesagt, die Zeichen standen auf Wachstum, auf Verbesserung. Krieg war nicht wirklich ein Thema hier in Europa. Zwar herrschte in meiner Jugend noch der Kalte Krieg zwischen Westen und Osten, aber irgendwie erschien der nicht so bedrohlich, er war eher abstrakt, etwas, das Platz in James-Bond-Filmen hatte, aber nicht wirklich das eigene Leben beeinflusste. Und selbst das veränderte sich mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der erste Krieg, der relativ nah war und der mich erschütterte war der im damaligen Jugoslawien. Aber selbst das war deutlich anders als die Situation heute.

Hendrik: In der Schule beschäftigt man sich maßgeblich mit der Zukunft, nicht zuletzt mit der eigenen. Am Ende ist es doch das Ziel, mit einem Berufswunsch, einer klaren Vision für sein Leben und einem Abschluss rauszugehen. Aktuell wird das bei der Mehrheit der Schüler*innen aber nicht erreicht. Wenn wir die Ergebnisse der Jugendstudie ernst nehmen wollen, sollten wir auch hier in der Schule ansetzen. In Fächern wie Politik muss man sich den großen, komplizierten Krisen der Welt sachte und sachlich annähern. Und durch eine richtige berufliche Bildung kann auch die individuelle Zukunftsunsicherheit behoben werden. Diese muss aber natürlich ansprechend sein. Trockene Vorträge der Bundesagentur für Arbeit bringen da definitiv nichts.

Peps: Die Schule ist ein wichtiger Ort für unsere Kinder und unsere Jugend. Schließlich verbringen sie dort einen Großteil ihrer Zeit. Sie kommen dort mit ihresgleichen zusammen, haben Kontakt mit Lehrer*innen. Sicher, Eltern und Geschwister haben einen großen Einfluss. Das Zuhause legt die Basis. Aber die Schule ist ein ebenso wichtiger Ort. Leider wird meines Erachtens diese Chance nicht genutzt. Man versucht, Inhalte zu vermitteln. Aber ich denke, mindestens genauso wichtig ist, den jungen Menschen dort Werte zu vermitteln und ihnen einen guten Umgang mit der Welt zu zeigen. Das findet aber nicht statt.

Mangel an Digitalisierung in der Schule wird kritisiert

In der Studie wurden die Teilnehmenden auch dazu befragt, in welchen Bereichen der Gesellschaft sie wo Handlungsbedarf sehen. Ein Ergebnis – aus Sicht der jungen Menschen – sind deutsche Schulen noch immer viel zu wenig digitalisiert.

Hendrik: Peps, sind dir in deinem Berufsleben vielleicht digitale Tools oder auch Lernmethoden eingefallen, die man ziemlich gut in die Schule übertragen könnte?

Peps: Ich war selbst einige Jahre in der Weiterbildung tätig. Dort durfte ich mich um die Betreuung einer Lernplattform kümmern und habe (teil-)digitale Lehrformate eingeführt. Aktuell studiere ich nochmal nebenberuflich an einer Fernuni. Da läuft fast alles digital, bis hin zu den Prüfungen. Ich denke, dass die Digitalisierung uns tolle Möglichkeiten bietet. Unterrichtsmaterial kann konserviert und zeitlich unabhängig aufgerufen werden. Das Angebot an die Lernenden kann viel individueller sein als im typischen analogen Klassenverband. Dennoch ist der soziale Faktor immens wichtig, weshalb ich von einer reinen Digitalisierung nichts halte. Aber ich denke, man sollte von beiden Seiten die jeweils positiven Elemente nutzen. Was ist jedoch zu den digitalen Komponenten in Sachen gelernt habe, ist, dass sie komplett von der Einstellung der Lehrenden zu diesem Thema abhängen. Ich habe Lehrkräfte erlebt, die überzeugt von den digitalen Möglichkeiten waren und diese genutzt haben. Und dann haben diese phantastisch funktioniert und den Lernenden einen echten Mehrwert gegeben. Und dann gab es Lehrende, die sicher waren, dass (teil-)digitaler Unterricht nicht funktionieren kann. Und das haben sie in ihrer Arbeit dann immer wieder aufs Neue bewiesen.

Hendrik: Aktuell gehe ich in einem Internat zur Schule, das dem Land Hessen gehört, und worauf man sich als motivierter Schüler bewerben muss. Dementsprechend haben wir, gerade was die technische Ausstattung angeht, sehr viel mehr Möglichkeiten als andere Schulen. Beispielsweise eine Arbeitsgruppe Film mit einer krassen Ausstattung, von Green Screen bis modernen Kameras und Mikrofonen. So etwas hätte ich mir an meiner alten Schule natürlich auch gewünscht. Ich denke aber, dass die Politik sehr wohl weiß, wie schlecht es um die Digitalisierung steht. Umso wichtiger ist es, dass Verbände und Schüler*innenvertretungen immer weiter auf diesem Thema beharren. International hinkt Deutschland da sehr deutlich nach, gerade gegenüber skandinavischen Ländern wie Dänemark und Finnland. Dort hat gerade das Thema Medienbildung einen viel höheren Stellenwert.

Populismus gewinnt deutlich an Erfolg – Jugend rutscht nach rechts

Wenn jetzt Bundestagswahl wäre, würden 22 % der 14 bis 29-Jährigen die AfD wählen. Ein Wert, den es in der Höhe noch nicht gab. Wir beide finden das erschreckend. Doch warum gewinnen populistische Lösungen, wie sie auch auf Social Media mit der jungen Generation geteilt werden, so an Bedeutung?

Hendrik: Gerade bei diesem Aspekt der Studie fällt mir auf, wie privilegiert ich selbst eigentlich bin. Im Internat bin ich umgeben von anderen politisch interessierten Menschen, die ihre Haltungen zum Leben entwickelt haben und sie durchaus auch in Diskussionen artikulieren können. Gleichzeitig werden hier auch sehr oft rechte Parolen entlarvt. Ich denke, an meiner alten Schule wird das durchaus anders sein. Zum Einen ist das Interesse an Politik grundsätzlich geringer, man hat weniger das Gefühl, dass einem zugehört wird. Daraus kann leicht eine Unzufriedenheit mit der Politik entstehen. Zum Anderen ist man, wenn man solche Unzufriedenheit verspürt, wiederum anfälliger für Populismus, für scheinbar einfache Lösungen komplexer Probleme. Wenn wir nicht wollen, dass rechte Parteien wie die AfD an noch mehr Einfluss gewinnen, müssen wir uns klar überlegen, wie wir die junge Generation besser erreichen können. Schon jetzt hat die AfD auf Social-Media-Plattformen wie TikTok teils zehnfache Aufrufzahlen wie andere Parteien. Ein Ort, an dem sich viele der Jugendlichen politisch informieren. Und eine Informationsquelle, die klassische Nachrichten immer mehr zu überholen droht.

Peps: Auch hier kann ich nur die Sicht des Vaters bieten. Mein Sohn ist politisch sehr interessiert und er informiert sich sehr gut. Er schwebt sicher nicht in der Gefahr, in den extremen rechten Flügel abzugleiten. Er hatte auch bereits zu Schulzeiten Freunde, die sich ebenso politisch informierten und interessierten. Aus seinem Umfeld ist mir nichts bekannt, dass jemand sich in diesem politischen Spektrum bewegen würde. Allerdings denke ich, dass in der Schule mehr getan werden könnte, um die jungen Menschen politisch zu bilden. Es ist erschreckend, dass sie sich über TikTok und andere sozialen Medien über Politik informieren. Es geht hier um fundierte Informationen und die benötigen einfach Tiefe und Ausführlichkeit, welche die sozialen Medien per se nicht bieten. Wie gesagt: Dort wäre die Schule gefragt.


  1. Alle Ergebnisse aus der Studie: https://www.rnd.de/politik/deutschlands-jugend-2024-psychische-probleme-ohnmacht-rechtsruck-TAO7B2CNTVEKRMYDWGTYZBUARQ.html ↩︎