Ins Gehirn flüstern – Pädagogik aus neurobiologischer Sicht

8. November 2015

Artikel, Bildung, Lernen, Veranstaltung

Ins Gehirn flüstern“ – Unter diesem Titel erlebte ich am 9.5.14 einen 40 minütigen Impulsvortrag von Dr. Gregor Kern auf einer DIHK-Bildungs-GmbH-Veranstaltung. Gregor Kern brannte ein Feuerwerk ab, das einen mitriss, aber auch latent überforderte. So viel Information in so kurzer Zeit.

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 1

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 1

Als es nun hieß, dass er am 4.11.15 bei uns in Würzburg ist, um thematisch das Gleiche in einem Ein-Tages-Seminar mit unseren Dozenten zu erarbeiten, fragte ich gleich bei meinem Chef an, ob ich daran teilnehmen dürfe. Und er sagte nicht nur zu, sondern setzte gleich sich selbst und drei weitere Kolleginnen auch noch mit in die Veranstaltung.

Das Gehirn im Blick

Gregor Kern hat für mich nicht viel Neues im Gepäck, wenn er über die Vorgänge im Hirn beim Lernen spricht, über die Vergessenskurve von Ebbinghaus oder den Konstruktivismus. Aber die Zusammenstellung, der Aufbau und die Schlüsse für die Praxis, die er aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zieht, sind anregend und motivierend für Dozenten und eine Institution wie die IHK und damit auch für mich.

Auch Christiane Stenger fasst in ihrem Buch „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt“ den Stand der Erkenntnis ganz schön zusammen. Und ich mag das Buch. Es regt zum Selbstlernen an. Aber bei Gregor Kern geht es um die andere Seite. Wie kann ich als Dozent und Trainer dieses Wissen nutzen?

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 2

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 2

Er ist kein Theoretiker, der erklärt, wie es geht und sich an seine eigenen Empfehlungen nicht hält, sondern er baut das Seminar sehr bewusst auf. Bereits beim Einstieg zieht er uns auf seine Seite, baut Sympathie und Vertrauen auf, respektiert seine Teilnehmer. Vortragssequenzen und aktives Mitmachen wechseln sich ab. Er legt zu Beginn Fährten mit zu bewertenden Zitaten und abzugebenden Einschätzungen, die er erst viel später im Seminar auflöst. Und Stück für Stück erarbeitet er mit seinen Teilnehmern das inhaltlich, was er mit Ihnen praktiziert.

Super-Dozenten

Sicher: Die anwesenden Dozenten werden durch den Besuch dieses Seminars nicht gleich zu Super-Dozenten. Aber ich bin sicher, dass ihr Verständnis für Lernvorgänge und die Teilnehmer gewachsen ist. Und Gregor Kern hat es sicher geschafft, am ein oder anderen Vorurteil gegenüber den Teilnehmern zu kratzen.

Die Umsetzung des in einem Seminar Gelernten in die Praxis ist immer der schwierigste Punkt. Und bei den praktischen Übungen konnte man genau das feststellen. Viele Dozenten hatten das Angebotene intellektuell schon erfasst, aber sie können es nicht so leicht in eigene Handlungen umsetzen.

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 3

Ins Gehirn flüstern – Sketchnote 3

Aber das kann ein eintägiges Seminar auch gar nicht leisten. Das braucht die Übung in der Praxis. Und sicher ist mit dem Seminar der Boden bereitet, die eigene Arbeit zu überdenken und vielleicht daran zu arbeiten, die Vorgehensweise und Methoden zu ändern.

Ein weiterer Punkt gefällt mir an Gregor Kern: Er ist nicht nur Vortragender und Trainer für Dozenten, sondern er steht immer noch regelmäßig selbst vor Industriemeister- und Fachwirt-Kursen. Er weiß, was in der Praxis funktioniert. Wo andere seiner Trainer-Kollegen mit Vorschlägen, Spielchen, Methoden kommen, die zwar mit motivierten Seminarteilnehmern funktionieren, aber nicht mit Lehrgangsteilnehmern, die sich vieles eben anhören müssen, ohne dass ihr Herz dafür brennt, packt er die Dinge pragmatisch an.

Pragmatisch

Man muss nicht gleich den Seminarraum umräumen, um das schulische in-Reihen-sitzen aufzubrechen. Man muss nicht permanent Methoden-Feuerwerke abbrennen. Man muss nicht Prüfungslernen verteufeln. Auch mit kleinen Änderungen kann man viel bewirken.

Wichtig ist zu verstehen, dass das Vertrauen, die Beziehung zwischen Dozent und Teilnehmern die Basis für alles ist. Erst dann kann man seine Fakten und seine Fachkenntnis präsentieren. Und man sollte den Teilnehmern Orientierung geben, also zum Beispiel Ziele oder den Roten Faden zeigen. Und schließlich sind ständige kleine Erfolgserlebnisse wichtig, um die Teilnehmer bei der Stange zu halten. Feedback des Dozenten und – wenn möglich – Reflexion der Teilnehmer helfen, nicht nur diese kleinen Erfolge bewusst zu machen.

In den hier beigefügten Sketchnotes steckt noch einiges mehr drin. Einfach mal reinklicken, um sie größer zu sehen. Aber auch ein Blick in Gregor Kerns Prezi „Ins Gehirn flüstern“ gibt noch viele interessante Informationen.

Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass alle meine Kollegen dieses Seminar besuchen, um unsere Teilnehmer besser zu verstehen. Und natürlich möglichst viele Dozenten.

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Responses to “Ins Gehirn flüstern – Pädagogik aus neurobiologischer Sicht”

  1. David Says:

    Auch sehr empfehlenswert: Gerald Hüter
    Und das Buch: Lernen – Manfred Spitzer

    Reply

  2. Bernd Stelzer Says:

    Die neurobiologische Seite des Lernens ist eine Seite. Leider haben die Neurobiologen
    oft kein großes Verständnis für die Lerndidaktik.

    Reply

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: